Dienstag, 18. Juli 2006

Familienmenschen leben viel gesünder:
Beeinflusst soziale Bindung die Gesundheit

  • Alleinerziehende sind wenige gesund und gestresst
  • Kinder machen glücklich, Familien fördern Gesundheit

Der Mensch ist ein Herdentier. Was schon seit Jahrtausenden bekannt ist, hat Sozialministerin Ursula Haubner (B) nun in einer Studie untersuchen lassen. Und mehr noch: Menschen, die in einer Familie bzw. ähnlich starken sozialen Netzwerken eingebunden sind, weisen mehr Leistungsfähigkeit, Gesundheit und höheres Wohlbefinden auf, als etwa Singles. Das besagt zumindest die vom Sozialwissenschafter Ernst Gehmacher durchgeführte Studie, in deren Rahmen rund 7.000 Personen in fünf österreichischen Großstädten befragt wurden.

Besonders deutlich sei der Zusammenhang zwischen sozialer Bindungen und Gesundheit: Jene Erwachsene, die in einer Großfamilie leben und mindestens zwei Kinder haben, sind laut Gehmacher-Studie am gesündesten. 73 Prozent von ihnen gaben an, "völlig gesund" zu sein, wohingegen das bei den Alleinerziehern mit zwei Kindern lediglich 33 Prozent von sich behaupten konnte. Ähnlich steht es mit dem Wohlbefinden: 90 Prozent der Erwachsenen in Großfamilien fühlen sich rundum wohl - oder zumindest "gut". Dagegen fühlt sich lediglich die Hälfte aller Alleinerzieher mit einem Kind "sehr gut" oder "gut".

Kinder machen glücklich
Haubner schlussfolgerte bei der Studienpräsentation am Dienstag: Kinder machen glücklich und in Großfamilien ist man gesünder - unabhängig von der Kinderzahl. Oder umgekehrt: Alleinerziehende sind weniger gesund und leiden unter erhöhtem Stress. Außerdem sind Singles unabhängig vom Alter weniger glücklich, was die alte These untermauern würde, dass Geld allein nicht glücklich macht, denn davon, so Haubner, hätten Singles ja bekanntermaßen meistens mehr.

Herkömmliches fördern und Neues zulassen
Es gelte daher zum einen Bewährtes, also die herkömmlichen Formen der Familie, zu fördern und Neues, also alternative Familienstrukturen, wie Patchwork- oder Lebensgemeinschaften, zuzulassen. Weiters müsste man, so Haubner, Alleinerziehern mehr Unterstützung zukommen lassen, sei es durch die Reform des Unterhaltsvorschussrechts oder die Förderung von Kinderbetreuungsplätzen.

Wir sind glücklich
International steht Österreich übrigens in Sachen gesellschaftlicher Kitt "gar nicht so schlecht" da, sagte Gehmacher. Glücklicher und gesünder seien die Menschen allerdings dort, wo die "traditionellen Gesellschaftsformen noch funktionieren", wie zum Beispiel "in polygamen afrikanischen Gesellschaften", aber auch diese seien bereits durch die Modernisierung bedroht, warnte der 80-Jährige.
(apa/red)

18.7.2006 13:10