Freitag, 21. Juli 2006

Motorola im Windschatten von Nokia:
"Razr" kurbelt Marktanteile erheblich an

  • 53% mehr Mobiltelefone als im Vorjahr verkauft

Der weltweit zweitgrößte Handy-Hersteller Motorola rückt Marktführer Nokia immer stärker auf die Pelle. Während der US-Konzern seinen weltweiten Marktanteil vor allem wegen des superflachen Klapp-Handys Razr erneut steigern konnte, mussten die Finnen Einbußen hinnehmen. Auch bei den Anlegern kam Motorola am Donnerstag mit seinen jüngsten Geschäftszahlen deutlich besser ang als Nokia. Zwar trafen die Finnen dank der starken Nachfrage in asiatischen Schwellenländern in etwa die Erwartungen der Analysten. Gleichzeitg überzeugte der Ausblick die Investoren aber nicht.

Deutlicher Branchengewinner war im zweiten Quartal der ärgste Konkurrent Motorola, dem die wachsende Beliebtheit seiner Handys wie dem Razr-Modell einen unerwartet kräftigen Umsatz- und Gewinnanstieg bescherte. Motorola verkaufte 53 Prozent mehr Mobiltelefone als im Vorjahr, steigerte damit seinen Marktanteil auf 22 Prozent und will dieses Wachstum auch im Sommer halten. Während die Motorola-Aktien am Donnerstag vorbörslich zwölf Prozent zulegten, knickte das Nokia-Papier nach Bekanntgabe der Zahlen um drei Prozent ein.

"Nokias Ergebnisse langweilig"
"Nokias Ergebnisse sind etwas langweilig, eher ein wenig schwach", resümierte Analyst Hannu Rauhala von Opstock. Die Finnen, von denen mehr als ein Drittel aller weltweit verkauften Mobiltelefone stammen, steigerten den Umsatz im zweiten Quartal auf 9,8 von 8,1 Mrd. Euro, was den Erwartungen der Branchenexperten entsprach. Dabei profitiert Nokia von seiner frühen Präsenz in vielen Schwellenländern vor allem in Asien, wo das Unternehmen dank einfacher, billiger Modelle vielerorts einen Marktanteil von über 50 Prozent hat. Der Gewinn je Aktie ohne Sonderposten legte zwar auf 0,23 Euro von 0,17 Euro zu, lag damit aber unter den erwarteten 0,24 Euro. Der operative Gewinn betrug rund 1,5 Mrd. Euro.

Das Spitzenfeld
Zwischen April und Juni verkaufte Nokia 78,4 Mio. Handys - das sind zwar 29 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber ebenfalls minimal weniger als erwartet. Sony Ericsson legte hier um 33 Prozent zu und setzte sich mit sieben Prozent Marktanteil an Platz Vier vor die Koreaner von LG Electronics, die 26 Prozent hinzu gewannen. Nur die Nummer Drei, Samsung Electronics, legte mit acht Prozent deutlich weniger zu.

Erfolg dank "Razr"
Dass sich Motorola mitten in einem sich verschärfenden Wettbewerb und einer nachlassenden Nachfrage auf das Wachstum von Razr stützte, hatte die Anleger zuletzt noch besorgt und den Aktienkurs in den vergangenen drei Monaten um 20 Prozent gedrückt. Nun verkaufte Motorola insgesamt 51,9 Mio. Handys, deutlich mehr als die 48,6 von Analysten geschätzten, und übertraf auch mit seinem Umsatz von knapp 10,9 Mrd. Dollar die Erwartungen. Zudem entzückte Motorola mit seinem Ausblick: Im laufenden dritten Quartal will das Unternehmen zwischen 10,9 und 11,1 Mrd. Dollar erlösen - ebenfalls deutlich mehr als bisher von den Experten veranschlagt. (apa/red)

21.7.2006 09:31