Mittwoch, 19. Juli 2006

Anna Netrebko: Die letzte Primadonna

Die Mozart-Premiere des Jahres: ‚Figaro‘ am 26. Juli in Salzburg und live im ORF.
PLUS Interview: Netrebko über falschen Trubel, echten Ruhm, Pläne, Angst, Triumphe und Katastrophen.

Schön, dass es solche Geschichten noch gibt wie die zwischen Anna Netrebko und Salzburg. 2002 wurde sie hier während der (heute schon aufführungshistorischen) „Don Giovanni“-Premiere unter Harnoncourt in einem Taumel allgemeiner Begeisterung entdeckt. Im Vorjahr sang sie sich souverän von der Last der trottelig-hysterischen Vorpropaganda frei und legte, auch vor 802.000 ORF-Teilnehmern, eine großartige „Traviata“-Premiere hin. Dagegen ist die Susanna im diesjährigen „Figaro“ ein Spaziergang, wenn auch einer über das Hochplateau. Seit 24. Juni schon logiert sie in einem gemieteten Haus an der Peripherie und ergründet ihre bewährteste Partie neu. Harnoncourt dirigiert wieder, das umgebaute Kleine Festspielhaus muss sich an dieser Produktion bewähren, und der ORF fährt abermals mit. Der Regisseur Claus Guth aber steht für eine auch szenische Deutung jenseits quirliger Schmunzelroutine: In einem Hitchcock- und Agatha-Christie-Ambiente der fünfziger Jahre, beäugt von schwarzen Vögeln, trägt sich eine Liebesgeschichte der anderen Art zu. Die Zofe Susanna ist in Wahrheit die Geliebte ihres Dienstherrn, des Grafen. Der gibt ihr die erotische Zuwendung, die ihr der Diener Figaro vorenthält. Der ist zwar ihr Verlobter, doch das Verlöbnis dient nur dem Schein der Schicklichkeit, und Figaro, mit seinen Aufstiegsplänen beschäftigt, achtet sie wie einen Kleiderständer. Diese Situation nutzt Susanna, um die Protagonisten ihrer Welt gegeneinander auszuspielen. Doch über allen waltet das Schicksal: Am Anfang erscheint ein Engel, der dem Pagen Cherubino ähnlich ist und die Menschen wie Püppchen aufeinander schleudert. Ein Irrenhaus ohne Liebe.

Bald Österreicherin? Der von NEWS gemeldete positive Beitrag zur aktuellen österreichischen Zuwanderungspolitik wird nicht mehr kommentiert. Doch ist von offiziöser Seite zu erfahren: Der Antrag auf die österreichische Staatsbürgerschaft wurde eingebracht, die Causa geht zügig einem guten Ende entgegen. Dem medialen Stumpfsinnsbad (in dem auch zwei unautorisierte Biografien dünnen Inhalts schwimmen) ist sie unbeschädigt entstiegen. Jetzt aber wird es ernst: Die alten, das Klischee der postsowjetischen Sexbombe bedienenden Fotos sind gesperrt, die Interviews hart reduziert, die mit den Tratsch- und Modeblättern ganz abgesagt. Und wer immer sich wunderte, dass nicht immer Pulitzerpreiswürdiges zurückklang, wenn alle „Prada“ und „Sexsymbol“ hineinriefen, wird sich noch mehr wundern: Das folgende Interview offenbart eine kluge, ernsthafte, die Mechanismen des Ruhms mit Skepsis reflektierende Künstlerin.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS Interview: Netrebko über falschen Trubel, echten Ruhm, Pläne, Angst, Triumphe und Katastrophen.

19.7.2006 17:41