"Skandalöses Urteil": Entrüstung in Italien wegen FIFA-Sperre für Marco Materazzi
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des WM-Turniers
Trotz "Glatzenattacke" gegen Italiens Materazzi
Die Sperre gegen Weltmeister Marco Materazzi für zwei Pflichtspiele der Nationalmannschaft wegen der Beleidigung von Frankreichs Idol Zinedine Zidane im WM-Finale hat in Italien für wütende Reaktionen gesorgt. "Die Strafe, die gegen Materazzi verhängt worden ist, ist enorm, wenn man Zidanes Verhalten berücksichtigt", so Giacinto Facchetti, Präsident von Inter Mailand, dem Klub Materazzis. Der Präsident der italienischen Spielergewerkschaft, Sergio Campana, sprach von einem "skandalösen Urteil".
Der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbandes, Guido Rossi, betonte, dass man das FIFA-Urteil respektieren müsse. "Jeder hat jedoch gesehen, was auf dem Spielfeld geschehen ist", kommentierte Rossi. Materazzi selbst gab keinen Kommentar zur Strafe ab. Dafür äußerte sich sein Mannschaftskollege Ivan Ramiro Cordoba: "Es handelt sich um ein wahnsinniges und übertriebenes Urteil, das gravierende Folgen für die internationale Sportjustiz haben wird."
"Ich habe den Eindruck, die FIFA hat in einer gewissen Hinsicht Zidane retten wollen. Die Strafe für Materazzi ist absolut unfair", schimpfte die italienische Ikone Sandro Mazzola kurz nach dem Urteil des Weltverbandes. Auch der frühere Starspieler Gianni Rivera reagierte mit Unverständnis: "Das ist unbegreiflich. Ich finde, Materazzi ist zu streng bestraft worden."
Italiens ehemaliger Nationalmannschafts-Kapitän Paolo Maldini meinte: "Es ist eine Schande. Materazzi ist bestraft worden, nur weil er Italiener ist und sie einem großen Meister wie Zidane Rechnung tragen wollten."
"Provokateur ist bestraft worden"
Auch im internationalen Blätterwald rauschte es nach dem Urteil gewaltig. "Für Italien gibt es wenig Grund zur Zufriedenheit", stellte "La Gazzetta dello Sport" fest. Unter der Überschrift "Zidane-Materazzi 3:2, Italien ist wütend" schreibt das Blatt: "Die Sanktionen für Zizou sind zu milde. Bei Materazzi wurde mit Strenge verfahren, nicht aber bei Zidane."
Einen Präzedenzfall fürchtet der englische "Daily Telegraph". "Spieler, die schwer gegen die Regeln verstoßen wie Zidane im WM-Endspiel, könnten sich mit dem Argument verteidigen, sie seien provoziert worden. Das könnte zur Milderung ihrer eigenen Bestrafung führen und dazu beitragen, dass auch ihr Opfer bestraft wird."
Genugtuung kommt im Kommentar der französischen Sportzeitung "L'Equipe" zum Ausdruck. "Der Provokateur ist bestraft worden. Das ist eine Premiere, und darüber muss man sich freuen. Wenn das Anstiftern jeglicher Art zu denken gibt, umso besser."
Allerdings besitze das Urteil auch einen "bösen" Aspekt. "Materazzi wurde bestraft, weil er zugab, Zidane beleidigt zu haben. Ohne dieses Eingeständnis hätte er wegen fehlender Beweise nicht bestraft werden können. Die FIFA verbindet so auch auf gefährliche Weise die Provokation mit der Reaktion des Provozierten", meinte "L'Equipe".
(apa/red)
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