Donnerstag, 20. Juli 2006

Vier weitere Klubs in Skandal verwickelt? Italiens Fußball-Skandal weitet sich aus

  • Auch Reggina, Messina, Lecce und Siena belastet
  • Meisterschaftsstart fixiert - Inter fordert Titel 2006

Während Italien auf den am Samstag geplanten Beginn des Berufungsprozesses im Absprachen-Skandal wartet, laufen die Ermittlungen weiter. Vier neue Klubs sind unter Manipulationsverdacht geraten. Die Staatsanwaltschaft von Neapel, die im Mai mit einer Reihe abgehörter Telefongespräche die Affäre um die Schiedsrichterabsprachen ins Rollen gebracht hat, ermittelt u.a. gegen Erstligist Reggina Calcio und seinen Präsidenten Pasquale Foti.

Belastet wurde Foti von einigen abgehörten Telefongesprächen mit Ex-Juventus-Manager Luciano Moggi, aus denen angeblich seine Verstrickungen zu den Schiedsrichtern hervorgehen. Foti wird Sportbetrug vorgeworfen. Nach Angaben der italienischen Sporttageszeitung "Corriere dello Sport" wird auch gegen US Lecce, FC Messina, und AC Siena ermittelt.

Insgesamt stünden 43 Personen auf der "Schwarzen Liste" der neapolitanischen Staatsanwälte, die Ermittler würden beim italienischen Fußballverband ein umfangreiches Dossier mit den neuen Vorwürfen gegen die Klubs einreichen. Der vom Verband beauftragte Staatsanwalt Francesco Saverio Borrelli könnte damit bereits kommende Woche eine neue Vernehmungsrunde von Angeklagten und Zeugen in die Wege leiten.

Inter Mailand beansprucht Meistertitel 2006
Inter Mailand kämpft derweilen um den Meistertitel der Saison 2005/06. Nachdem ein Sportgericht in Rom Juventus Turin den "Scudetto" aberkannt hatte, muss nun ein Expertenkomitee des italienischen Fußballverbands entscheiden, ob die Ansprüche des norditalienischen Klubs auf das Championat 2006 berechtigt sind.

Der kommissarische Verbandschef Guido Rossi wehrte sich jedoch gegen eine Vergabe des Meistertitels an Inter, das die abgelaufene Saison auf Platz drei hinter Juventus und AC Milan abgeschlossen hatte. "Der 'Scudetto' muss auf dem Spielfeld erworben werden. Wir können nicht einen Meistertitel vergeben, der nicht das Ergebnis eines fairen sportlichen Wettbewerbs ist", zitierte die römische Tageszeitung "La Repubblica" den Verbandschef.

Rossis Worte wurden von Inters Klubchef Massimo Moratti scharf kritisiert. Er wiederholte seine Aufforderung, den Meistertitel des Vorjahres an Inter zu vergeben, das im Gegensatz zu Juventus, Fiorentina, Lazio Rom und AC Milan nicht in den Skandal verwickelt war. "Es muss jedem klar sein, dass nicht alle Klubs in den Skandal verwickelt waren. Wir sind sauber", sagte der Erdölmagnat. Für seinen Klub wäre es der erste Meistertitel seit 1989.

Meisterschaftsstart fixiert
Die kommende Saison wird laut Aussage des kommissarischen Verbandschefs Guido Rossi wie geplant starten. "Im Augenblick ist keine Verschiebung vorgesehen, die Meisterschaft wird also planmäßig am 27. August beginnen". Italienische Zeitungen hatten spekuliert, dass die Serie A um mindestens zwei bis drei Wochen verspätet angepfiffen werde.

(apa/red)

20.7.2006 13:47