Flucht aus dem Libanon auf eigene Faust: Wienerin schlug sich bis Österreich durch
- Dreitägige Reise mit zwei Kleinkindern im Gepäck
- Schockierende Zustände: "Gibt keine Gerechtigkeit"
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Auf eigene Faust hat es die Österreicherin Rabab Jaafar geschafft, aus dem Libanon zu flüchten und nach Wien zurückzukehren. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Zeinab (5 Monate) und der dreijährigen Manar wollte die Frau, die selbst väterlicherseits libanesischer Herkunft ist, für sechs Wochen im Südlibanon Verwandte ihres Mannes besuchen.
"Am dritten Tag nach meiner Ankunft im Libanon hat mich ein Bekannter angerufen und erzählt, dass die Hisbollah Soldaten entführt haben. Ich hab mir zuerst aber nichts dabei gedacht", erzählt die 23-Jährige im Gespräch mit der APA. Bereits eine halbe Stunde später seien die Bomben geflogen, berichtet sie. "Anfangs haben wir uns noch sicher gefühlt und wollten bleiben." Schließlich habe sie sich doch entschieden, mit ihren Kindern zu flüchten. Dabei war sie ständig mit dem österreichischen Außenministerium und ihrem Mann in Wien in Kontakt.
Eigentlich sollte die junge Familie Montagnacht mit der von den Franzosen gecharterten griechischen Fähre nach Zypern fahren. "Mein Neffe hat mir dann angeboten, uns mit dem Auto zur syrischen Grenze zu bringen." Die Wienerin habe lange gezögert, sei dann nach einer Explosion Montag früh aber doch zusammen mit ihrer Schwägerin und deren drei Kindern aufgebrochen. "Noch im Auto habe ich es bereut. Es war ja schon vereinbart, dass ich mit den Franzosen mitfahre." Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung: "Das Schiff ist dann früher losgefahren, ich wurde nicht informiert. Die waren einfach weg", sagt Jaafar.
Noch am selben Tag wurde ihr vom Außenministerium ein Flug nach Wien organisiert. "Aber das konnte ich meinen Kindern nach dieser zwölfstündigen Fahrt nicht antun." In der Nacht auf Mittwoch flog Jafaar, deren Vater aus dem Libanon stammt, mit den beiden Kindern von Damaskus zurück nach Wien.
"Es wird sicher lange dauern, bis ich das Erlebte verkraftet habe. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr verzweifle ich. Es gibt dort keine Gerechtigkeit: Krankenwagen und Krankenhäuser werden bombardiert, Dorfbewohner, die in einer Kirche waren, wurden angeschossen. Menschen, die helfen wollen, sterben. Ich habe so viel Schreckliches gesehen, diese Eindrücke muss ich jetzt erst einmal verarbeiten." Zu den Verwandten, die ebenfalls auf der Flucht seien, hat sie kaum Kontakt: "Die Telefonleitungen sind sehr schlecht, wir erreichen sie nur schwer. Aber wir hoffen, dass sie es auch geschafft haben."
Auch in Zukunft wolle Jafaar - "schon alleine der Familie wegen" - wieder in den Libanon reisen. "Aber sicherlich nicht ohne meinen Mann", fügt sie hinzu.
(apa/red)
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