Dienstag, 18. Juli 2006

Grüner "Seelenfang" per Internet & Tour: Wahlkampf soll Klienteln direkt ansprechen

  • Keine Illusionen: Dritter Platz als erstes Wahlziel
  • Fairness: ÖVP-"Haschtrafiken" noch in Erinnerung

Mit einer Mischung aus "Internet-Wahlkampf" und Bundesländertour wollen die Grünen den Spagat schaffen, einerseits urbane Stammwähler anzusprechen und andererseits das Vertrauen in ländlichen Gebieten zu gewinnen. Laut Wahlkampfleiterin Michaela Sburny stehen dafür in der "heißen Phase" 1,8 Millionen Euro zur Verfügung, bezüglich eines Fairness-Abkommens ist man bei den Grünen nach wie vor skeptisch.

Der 31. August ist für die Grünen der Stichtag, bei einer Auftaktveranstaltung in Wien sollen Spitzenkandidat Alexander Van der Bellen und die stellvertretende Grünen-Chefin Eva Glawischnig erstmals in offizieller Wahlkampfmission vor großem Publikum auftreten. Von da an gehen sie getrennte Wege, Van der Bellen in Sachen Bildung und Arbeit, Glawischnig wird auf Tour zum Thema Alternativ-Energien alle Bundesländer besuchen. Weitere Stichworte sind "Frauen und Arbeit" sowie "Raus aus der Armut", erklärt Sburny.

Wahlkampf soll Seele der Wähler ansprechen
Was den Grünen aber nicht reicht, mit eigenen "Zielgruppenwahlkämpfen" will man noch tiefer in die Wählerseele dringen. So werden etwa Studenten, Senioren und Migranten eigens beackert, auch Ein-Personen-Unternehmen sollen angesprochen werden. Und das vorwiegend via Internet, ein Marktplatz soll die Ich-AGs vernetzen, Aufträge können so einander zugeschanzt werden. "Wir haben einen eigenen Internet-Wahlkampf geplant", so Sburny im Gespräch mit der APA. Vor allem Grün-Wähler würden sich gewandt auf dem Datenhighway bewegen.

Aber auch die übrigen Standards werden bedient, etwa durch zwei Plakatserien, den genauen Inhalt will Sburny nicht verraten, "der bleibt Überraschung". 1.200 Flächen werden affichiert, kosten wird das 850.000 Euro. Dazu kommen Inserate um 380.000 Euro. Folder und Kurzfilme runden das Angebot ab, nicht zu vergessen verschiedene Giveaways wie ein "Energiewende-Memory", eine "Grüne Formelsammlung", ein "Grundsicherungs-Monopoly" und ein Turnsackerl für Schüler.

"Mini-Dimension" verglichen mit ÖVP-Wahlkampf
Beratung für den Wahlkampf holen sich die Grünen vom Meinungsforschungsinstitut SORA, für die Ideen und deren Umsetzung sorgt die junge Agentur "Super-Fi". "Alles Leute zwischen 25 und 30", so Sburny. Das Wahlkampfbüro der Grünen befindet sich im Bundesbüro in der Lindengasse 40 im siebenten Wiener Gemeindebezirk. Nicht viel mehr als sechs Leute sind dort für die Kampagnen abgestellt, insgesamt können die Grünen auf 50 Helfer - ein Großteil davon arbeitet ehrenamtlich - bauen. "Eine Mini-Dimension gegenüber der ÖVP", betont Sburny.

Und so gehört zu den Wahlzielen auch, "jedenfalls den dritten Platz zu machen", eine Alternative zum "eklatanten Machtrausch der ÖVP" und den "Skandalen der SPÖ" zu bieten. Auf Wiener Ebene soll Alexander Van der Bellen erstmals das Grundmandat im Wahlkreis Wien Nordwest schaffen, bei der vergangenen Wahl fehlten knapp 3.000 Stimmen. Und auch für Kärnten gilt das selbe, Listenerster Matthias Köchl, derzeit Klubobmann der Klagenfurter Stadt-Grünen, soll das Rennen machen.

Wenig Illusionen macht sich Sburny bezüglich eines Fairnessabkommens, zu sehr kann man sich noch an die von der ÖVP propagierten Schlagworte wie "Haschtrafiken" und "Zwangsvegetarismus" im Zusammenhang mit den Grünen im letzten Wahlkampf erinnern: "Das ist nicht unser Stil", betont Sburny. Wenig Glauben schenkt die Grüne Wahlkämpferin auch den von der ÖVP vorgelegten Zahlen, was deren Wahlkampfkosten betrifft: "Ich weiß, dass das nicht stimmt".

(apa/red)

18.7.2006 11:55