Saalbachs "Sommer-Schnee" geschmolzen:
Kokain-Dealerring im Skigebiet gesprengt
- Hauptdealer betrieb Disko, NS-Material gefunden
- Auch große Mengen an Cannabis & Ecstasy gedealt
Schnee das ganze Jahr über gab es in Saalbach (Pinzgau): Kriminalbeamte haben einen Kokainhändlerring zerschlagen, der das Suchtgift (es wurde im Verhältnis 1:3 für den Endkonsumenten gestreckt) bei einer Gesamtmenge von rund acht Kilo im Gesamtwert von 800.000 Euro vertrieb. Neun Personen - Österreicher, Deutsche und Ungarn - wurden festgenommen und in die Justizanstalt Salzburg eingeliefert.
Das Landeskriminalamt Salzburg führte gemeinsam mit Beamten der Bezirkspolizeikommanden Zell am See und St. Johann/Pg. sowie in internationaler Zusammenarbeit mit den deutschen und ungarischen Polizeibehörden seit Dezember 2004 umfangreiche Ermittlungen gegen einen Dealerring im Bundesland Salzburg durch. Es wurden insgesamt rund 100 verdächtige Personen ausgeforscht und neun Personen (sechs aus dem Bezirk Zell am See, zwei aus dem Pongau und eine aus dem Flachgau) verhaftet.
Auch Nazi-Gegenstände sichergestellt
Die Hälfte der Inhaftierten war ohne Beschäftigung und finanzierte sich den Lebensunterhalt ausschließlich durch den Suchtmittelhandel. Der Hauptdealer war als Geschäftsführer einer renommierten Discothek in Saalbach beschäftigt und stellte dort sein rechtsradikales Gedankengut zur Schau. Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei ihm nationalsozialistische Gegenstände gefunden.
Die Dealer und Konsumenten kommen vorwiegend aus der Gastronomie in Saalbach/Hinterglemm, Zell am See, Maishofen und St. Johann im Pongau. Einer der Dealer verwendete sein gepachtetes Gasthaus für seine Suchtmittelgeschäfte bzw. wurden in diesem öffentlich Drogen konsumiert.
Auch Cannabis und Ecstasy gefunden
Im Ermittlungszeitraum konnten bei zahlreichen Hausdurchsuchungen insgesamt rund 400 Gramm Kokain (Reinheitsgrad von 70 Prozent), zirka 8.500 Gramm Cannabisharz und "Kraut" und etwa 250 Stück Ecstasy-Tabletten im Gesamtwert von 130.000 Euro als auch eine Bargeldsumme von 15.000 Euro sichergestellt bzw. beschlagnahmt werden.
Auffällig in dieser Causa war, dass zahlreiche unbeteiligte Personen von diesen Suchtmitteldeals wussten, diese teilnahmslos respektierten und duldeten bzw. der Suchtmittelkonsum zum normalen Tagesgeschehen gehörte. Anzumerken sei noch, dass zahlreiche Personen im Zuge darüber verwundert waren, dass in den Wintersportgebieten rund um Zell am See und Saalbach/ Hinterglemm die Droge Kokain zum so genannten "Apres Ski" dazu gehört und diese Tourismusregionen für gewisse Dealer ein Eldorado darstellen.
Deutscher Drogenkurier verhaftet
Im Zuge der Erhebungen konnte ein international agierender Suchtmittelkurier festgenommen und bei diesem rund 400 Gramm Kokain sichergestellt werden. Der arbeitslose Deutsche schmuggelte seit 2004 gewerbsmäßig Kokain von Deutschland nach Österreich und verkaufte dieses Gewinn bringend im Bezirk Zell am See an eine Vielzahl von Abnehmern vorwiegend im Gastronomiebereich. Das Kokain erwarb der Deutsche in den Niederlanden zum Grammpreis von 35 Euro, schmuggelte es nach Deutschland, streckte es und führte es nach Österreich ein.
(APA/red)
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