Freitag, 21. Juli 2006

Perser stach Ex-Frau mit Küchenmesser in den Kopf: Prozess um versuchten Mord

  • Bluttat gingen jahrelange Misshandlungen voraus
  • Verhandlung wurde auf 5. September vertagt

Dass sich eine persische Frau von ihrem Mann scheiden lässt, ist selbst dann ungewöhnlich, wenn diese schon jahrelang im Westen leben. Genau das widerfuhr einem 49-jährigen Iraner, der im Jahr 2000 mit seiner Familie nach Wien gekommen war. 2003 reichte seine Ehefrau die Scheidung ein, weil sie seine Schläge und Misshandlungen satt hatte. Für ihren Mann eine "Schande", die er daher nicht akzeptierte. "Sie ist noch immer meine Frau! Ich liebe sie. Ich bin nur nach österreichischem Recht geschieden", sagte der Iraner am Freitag im Straflandesgericht.

Dort musste er sich wegen versuchten Mordes vor einem Schwurgericht verantworten. Er hatte am 21. März 2006 seiner Ex-Frau in ihrer neuen Wohnung am Margaretengürtel mit einem Küchenmesser mehrere Stich- und Schnittwunden im Kopf- und Halsbereich zugefügt. Die in der Wohnung anwesende Schwester des Opfers dürfte der Frau das Leben gerettet haben: Sie trat dazwischen und entwand dem Mann die Waffe, worauf es der Schwerverletzten gelang, auf den Gang zu flüchten. Die ehemalige Schwägerin wurde bei ihrem Eingreifen an den Oberarmen verletzt.

Der Bluttat war ein jahrelanger "Terror" vorausgegangen. Unmittelbar nach der Scheidung war die Frau mit ihren drei Kindern in einen anderen Bezirk gezogen. Ihr Ex-Mann bekam die Adresse und die Telefonnummer heraus, worauf er die Frau regelmäßig abpasste und immer wieder telefonisch bedrohte. Er verlangte, sie müsse zu ihm zurück kehren. Er versuchte, seine beiden Töchter davon zu überzeugen, dass sie es besser hätten, würde er bei ihnen wohnen.

Die Ex-Frau erstattete mehrmals Anzeige, im Vorjahr kam es sogar zu einem Prozess wegen gefährlicher Drohung. Weil die Frau und die Kinder bei der Verhandlung nicht aussagen wollten, wurde der Mann freigesprochen.

Heuer wollte er das persische Neujahrsfest nicht alleine feiern. Er rief daher seine Ex-Frau an, die jedoch nicht abhob. Er klopfte an ihrer Tür, die sie ihm nicht öffnen wollte. Doch ihre Kinder baten sie, den Vater ausnahmsweise herein zu lassen.

Kaum war er in der Wohnung, begann er zu schimpfen. Als die Frau in die Küche ging, folgte er ihr und hatte plötzlich ein Messer in der Hand. Laut Anklage rief er "Ich bring dich um!" und stach dann zu.

Vor Gericht verantwortete sich der Mann nun dahin gehend, er habe vorher zu viel Bier getrunken: "Mir war nicht gut. Ich weiß nicht, was ich gesagt habe. Ich weiß nicht, was ich getan habe." Allenfalls habe er die Frau geschlagen, "aber nicht mit einem Messer, das hat eher ausgeschaut wie ein Schöpfer mit einem Stiel". Auf die Frage, warum er überhaupt handgreiflich wurde, antwortete der 49-Jährige: "Sie hat mich so aufgeregt. Sie ist noch immer meine Frau."

Die Verhandlung ist auf 5. September vertagt worden. Der Verteidiger bestand darauf, dass das psychiatrische Gutachten über den Angeklagten, das sich im Akt findet, im Rahmen der Hauptverhandlung nicht nur verlesen, sondern vom Sachverständigen persönlich erörtert wird. Der Angeklagte bleibt bis zum nächsten Verhandlungstermin in U-Haft.(apa/red)

21.7.2006 14:35