Rätstel um mumifizierte Leiche in Wien: Ermittler schließen Fremdverschulden aus
- Lebensgefährte der Frau nun in Hotel aufgespürt
- Verwirrter man hatte "Begräbnis" angekündigt
Eines natürlichen Todes dürfte jene Wiener Pensionistin gestorben sein, deren nackter, stark verwester Körper von WEGA-Beamten am Donnerstagnachmittag in einer Wiener Wohnung in Leopoldstadt gefunden wurde. Der Lebensgefährte der 63-Jährigen hatte zuvor ihr Begräbnis angekündigt. "Die Obduktion hat ergeben, dass kein Fremdverschulden vorliegt", sagte Oberstleutnant Karl Kmoch vom Kriminalkommissariat Zentrum Ost am Freitag zur APA.
"Es gibt keine besondere Todesursache", berichtete der Ermittler. Der 54-Jährige Lebensgefährte Gerhard W., der in der Nacht auf Freitag in einem Hotel am Praterstern aufgespürt wurde, sei nun nicht mehr tatverdächtig und könne "sein Erbe antreten".
In den Einvernahmen hatte der Mann angegeben, Helga F. am 1. Juli zuletzt gesehen zu haben. Er habe die Wohnung in der Afrikanergasse 7 im zweiten Stock gegen 10.00 Uhr verlassen. Seine Partnerin habe zu diesem Zeitpunkt einen Bademantel getragen und sei vor dem Fernseher gesessen, soll er zu den Polizisten gesagt haben. Gefunden wurde die 63-Jährige später nackt auf einem Küchensessel sitzend.
Am Nachmittag des 1. Juli kam Gerald W. zurück - seine Lebensgefährtin machte ihm die Wohnungstür jedoch nicht auf. So etwas sei immer wieder vorgekommen, habe der 54-Jährige berichtet. Schlüssel besaß der Mann keine.
Der schlechte Gesundheitszustand der Frau soll dem Wiener Sorgen bereitet haben. Als der Lebensgefährte die Pensionistin wochenlang nicht erreichte, erzählte er Bekannten, sie sei an einer Lungenembolie im Krankenhaus verstorben, sagte der Ermittler. Für Donnerstag vormittag hatte der Wiener 20 Bekannten das Begräbnis der Frau am Friedhof Sievering angekündigt. "Er hat sich da in etwas hineingesteigert", meinte Kmoch über den Mann, der verwirrt sein dürfte. Wochenlang habe er schwarze Anzüge getragen.
Einem der Trauergäste sei es "spanisch" vorgekommen, dass die Beerdigung kurzfristig abgeblasen worden war - er hatte am Donnerstag die Polizei alarmiert, sagte Kmoch. Dadurch war die Amtshandlung ins Rollen gekommen. Gegen 17.30 Uhr stiegen Beamte der WEGA über den Balkon in die Wohnung der Frau und machten den grausigen Fund. Auf Grund der Spuren dürfte die Frau Rotwein und Medikamente konsumiert haben. Die Wohnung müsse nun mit chemischen Mitteln desinfiziert werden, kündigte der Kriminalist an. "Wenn dort drei Wochen eine Tote liegt, lebt dort etwas", sagte er.
(apa/red)
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