Freitag, 23. Februar 2007

30 Jahre Anschnall-Pflicht in Österreich: 21.000 Menschenleben wurden so gerettet

  • Nach der Einführung drastisch weniger Verkehrstote
  • Ohne Gurtenpflicht doppelt so viele Verkehrstote

Vor über 30 Jahren, am 15. Juli 1976, wurde die Gurtanlegepflicht für Pkw-Insassen eingeführt. Nach Berechnungen der Statistik Austria hätte es ohne Sicherheitsgurt in diesen drei Jahrzehnten fast doppelt so viele getötete Pkw-Insassen gegeben. Das bedeutet, dass der Gurt - auch in Kombination mit anderen Verkehrssicherheitsmaßnahmen - mehr als 21.000 Fahrern und Mitfahrern das Leben gerettet hat, so Statistik Austria. Außerdem gab es durch die Verwendung des Gurtes rund 66.000 schwer Verletzte weniger.

Die Gurtpflicht wurde 1976 zunächst für Pkw-Insassen auf Vordersitzen eingeführt. Rechtliche Konsequenzen für das Nichtbeachten der Anschnallpflicht gab es damals jedoch noch nicht. Der Gurt wurde im Ortsgebiet auch nur von rund einem Drittel und im Freiland bzw. auf Autobahnen von rund der Hälfte der Österreicher verwendet. Erst die ab 1. Juli 1984 eingeführte Strafandrohung für das Nichtverwenden des Sicherheitsgurtes führte zu einem deutlichen Anstieg der Verwendungsquoten auf über 80 Prozent. In den Folgejahren ging jedoch die Disziplin, den Gurt anzulegen, zurück.

70 - 80% fahren mit Gurt
In den vergangenen Jahren verwendeten laut Kuratorium für Verkehrssicherheit im Ortsgebiet rund 70 Prozent auf den Vordersitzen den Gurt, im Freiland bzw. auf Autobahnen betrug der Wert rund 80 Prozent. Mit 28. Juli 1990 wurde die Gurtverwendungspflicht auf alle Sitze im Pkw ausgedehnt. Allerdings verwenden auf Rücksitzen derzeit nur rund 50 Prozent der Passagiere den Gurt. Die bisher letzte Maßnahme in diesem Zusammenhang war die Erhöhung der Strafen für das Nichtverwenden des Sicherheitsgurtes per 1. Jänner 2005.

Drastisch weniger Tote
Laut Statistik Austria verunglückten in den 30 Jahren seit Einführung der Gurtpflicht rund eine Million Pkw-Insassen auf Österreichs Straßen; davon wurden 23.700 getötet. In den Jahren vor der Einführung wurden jährlich rund 1.000 Menschen in Autos im Straßenverkehr getötet. Ab 1984 ging dieser Wert auf rund 800 Getötete zurück und sank - nach einem Anstieg in den nachfolgenden Jahren - auf nunmehr unter 500 (432 getötete Pkw-Insassen im Jahr 2005). In den vergangenen Jahren wurde von den nicht Angegurteten jeder vierte bei einem Unfall mit Personenschaden getötet oder schwer verletzt, von den Angegurteten hingegen "nur" jeder elfte.

Wer hat’s erfunden?
In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Gurt von einem relativ einfachen Band zu einem komplexen System entwickelt: Aufrollautomatik, Gurtstraffer, Gurtkraftbegrenzer und höhenverstellbarer Verankerungspunkt gehören heute zum Standard. Obwohl Gurte schon in den zwanziger Jahren im Einsatz waren, gilt der Volvo-Ingenieur Nils Bohlin als Erfinder des Dreipunkt-Sicherheitsgurts; diesen ließ die Firma Volvo bereits 1958 patentieren. Bohlin erkannte die Notwendigkeit der kontrollierten Rückhaltung der Passagiere durch den Gurt bei der Verzögerung durch einen Unfall. Seine Erfindung wurde 1985 vom Deutschen Patentamt als eine der acht Erfindungen ausgewählt, die der Menschheit in den vergangenen 100 Jahren den meisten Nutzen brachten.

Gut, aber nicht perfekt
Die Unfallforschung hat aber auch gezeigt, dass die Schutzfunktion des Dreipunkt-Gurts allein begrenzt ist. So wird beim Aufprall mit Tempo 50 der Kopf des Lenkers trotz Gurtes gegen das Lenkrad geschleudert. Seit etwa zwanzig Jahren verhindert das der Airbag. (APA)

23.2.2007 12:02