Montag, 10. Juli 2006

3er-Allianz Renault, Nissan und GM: General
Motors-Tochter Opel wehrt sich gegen Pläne

  • Betriebsrat sucht bei Renault Hilfe gegen Allianz
  • Diese Woche Gespräch mit Betriebsrat von Renault

Der Opel-Betriebsrat will zur Abwehr einer möglichen Allianz des Mutterkonzerns GM mit Renault und Nissan Unterstützung bei der Belegschaftsvertretung von Renault suchen.

"Wir wollen diese Woche noch ein Gespräch mit dem Betriebsrat von Renault arrangieren", sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz am Montag in Hamburg. "Wir müssen unsere Einschätzungen austauschen", fügte er hinzu. Am Freitag wollen Renault-Chef Carlos Ghosn und der Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM), Rick Wagoner, in Detroit erstmals über die von GM-Großaktionär Kirk Kerkorian betriebene Annäherung des schwer angeschlagenen Weltmarktführers an die seit langem kooperierenden Autobauer Renault und Nissan beraten.

Wegen zahlreicher Überschneidungen mit Renault in Europa befürchtet Franz, dass Werke von Opel geschlossen und abermals massiv Stellen abgebaut würden, wenn es zu der Dreier-Allianz käme. Renault verfüge über zahlreiche Fertigungsstätten in Osteuropa. Die Abwanderung von Produktion nach Osten würde sich damit verstärken. "Opel würde als Marke und Unternehmen unter die Räder kommen", sagte Franz. Er wolle über die Größenordnung des befürchteten Stellenabbaus nicht spekulieren. "Aber man muss das realistisch einschätzen und nicht vollmundig von Synergien sprechen", fügte der Opel-Betriebsratschef hinzu.

General Motors hat für sein Europageschäft schon vor über einem Jahr ein Sparprogramm aufgelegt, um in der Region wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Durch das Programm fallen 12.000 Arbeitsplätze in Europa weg, 10.000 davon allein bei Opel. Der Mutterkonzern will mit einem harten Sanierungskurs wegen des dramatisch gesunkenen Marktanteils weitere 30.000 Stellen in Nordamerika abbauen und zwölf Werke schließen.

Das GM-Direktorium hatte den Weg für Sondierungsgespräche mit den Konkurrenten Renault und Nissan am Freitag freigemacht. Hinter den Bestrebungen für ein Bündnis vermuten Experten den Versuch Kerkorians, Wagoner als Sanierer von GM durch den bei Investoren hoch angesehenen Ghosn abzulösen.

Angesichts der Probleme bei GM, der im vergangenen Jahr mehr als zehn Mrd. Dollar (7,83 Mrd. Euro) Verlust eingefahren hat, hatte das französische Industrieministerium bereits zur Vorsicht gemahnt. Frankreich hält 19 Prozent der Stimmrechte an Renault. Renault selbst ist mit 44 Prozent an Nissan beteiligt und der japanische Autobauer mit 15 Prozent an Renault.
(apa/red)

10.7.2006 16:21