Freitag, 14. Juli 2006

Schnuller verhindert plötzlichen Kindstod: Reduktion des Risikos von bis zu 90 Prozent

  • Verschluss der Atemwege mit Sauger schwer möglich
  • Plus: Weitere Tipps wie Sie Ihr Baby schützen können

Die Verwendung von Schnullern beim Einschlafen kann "plötzlichen Kindstod" (Sudden Infant Death Syndrome SIDS) verhindern. In verschiedenen Studien wurde durch den Einsatz von Saugern eine Risiko-Reduktion von bis zu 90 Prozent nachgewiesen. Die Zahl der Todesfälle habe sich verglichen mit 2004 im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt, sagte Univ.-Prof. Dr. Reinhold Kerbl, Leiter des SIDS-Ambulanz an der Grazer Universitätsklinik.

2005 starben 31 Kinder an SIDS, 2004 waren 16 Babys davon betroffen, berichtete Kerbl, Laut Experten könnte eine "Präventionsmüdigkeit" für die Umkehr des seit den achtziger Jahren rückläufigen Trends verantwortlich sein. SIDS ist die Bezeichnung für den ungeklärten Tod eines Kindes zwischen dem ersten und zwölften Lebensmonat. Laut Forschung können allerdings 50 bis 90 Prozent der Fälle durch Vorsorgemaßnahmen verhindert werden. SIDS gilt als häufigste Todesursache im Kindesalter nach der Neugeborenenphase, wobei die meisten Babys während des Schlafs sterben.

Schutz durch Schnuller
Die präventive Wirkung von Saugern wurde 2005 in einer Metaanalyse verschiedener Studien mit einer Risiko-Verminderung von 53 Prozent nachgewiesen. Ein kurze Zeit später veröffentlichte Untersuchung ergab eine 90 prozentige Reduktion der SIDS-Wahrscheinlichkeit. Die Verwendung von Saugern wurde daher nun in die Liste der empfohlenen Vorsorgemaßnahmen integriert, sagte Kerbl. Warum Schnuller das SIDS-Risiko reduzieren, kann bisher nur vermutet werden. Möglich ist, das sie ein Zurückfallen der Zunge und damit ein Verschließen der Atemwege verhindern, erklärte der Mediziner. Auch stimulierende Effekte auf die Atmung könnten sich positiv auswirken.

Weitere Tipps
Die Rückenlage beim Einschlafen sowie die ausschließliche Nahrungszufuhr durch Stillen in den ersten sechs Monate zählen ebenfalls zu den empfohlenen Vorsorgemaßnahmen. Auch die Verwendung von festen, luftdurchlässigen Matratzen und Schlafsäcken statt Decken soll präventiv wirken. Zu den Risikofaktoren zählen Polster oder Stofftiere im Gitterbett, Nikotinbelastung und zu warme Schlafräume. Ideal ist eine Umgebungstemperatur zwischen 18 und 20 Grad.

Welche Kinder sind gefährdet?
Als "Risikogruppe" für SIDS gelten unter anderem Babys mit zu geringem Geburtsgewicht, gesundheitlichen Problemen in den ersten Lebenswochen oder Frühchen mit Komplikationen während der Schwangerschaft. Kinder, die vor der Geburt Nikotin, Alkohol oder Drogen ausgesetzt waren, haben ebenfalls eine erhöhte Wahrscheinlichkeit durch plötzlichen Kindstod zu sterben. (APA/red)

14.7.2006 11:57