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Rezepte für den Ausstieg. Wer will schon bis 65 arbeiten? FORMAT zeigt Ihnen, wie Sie den Ausstieg mit 50 schaffen, worauf man dabei achten muss und wo man seine Frühpension am besten genießt.
Nur mehr Sonne, Sand und warmes Meer - ein Traum, der jede Woche Tausende Menschen in die Trafiken treibt. Doch die Chance, beim Lotto die sechs Richtigen zu tippen, liegt bei 1:8.000.000.
Der Traum vom Ausstieg mit 45 oder 50 Jahren kann aber auch ohne Glück im Spiel in Erfüllung gehen. Man muss dafür auch nicht unbedingt Zocker oder Millionär sein. Mit 500.000 bis 800.000 Euro Kapital ist eine sorgenfreie Pension mit rund 3.000 Euro monatlich möglich. Lesen Sie, wie Sie Ihren Berufsausstieg richtig vorbereiten und wo sich das Frührentnerleben am besten genießen lässt.
Mit einem monatlichen Betrag von 3.000 bis 4.000 Euro netto lebt man komfortabel. Um eine Pension in dieser Größenordnung zu bekommen, braucht man aber mindestens eine halbe Million Euro Kapital. Ein Betrag, der sich mit dem Zinseszinseffekt und dem Faktor Zeit ansparen lässt. Zahlt man 99 Euro über fünfzig Jahre bei einem Zinssatz von sieben Prozent ein, dann hat man am Ende 500.000 Euro am Konto (siehe Tabelle Seite 80). Doch fünfzig Jahre ist eine lange Zeit - es geht auch wesentlich schneller.
Achtung, Inflation: Wichtig ist die Wertsicherung
Ronald Zilavec, Finanzplaner beim Bankhaus Spängler: "Um sich eine Pension von 3.000 Euro finanzieren zu können, braucht man mindestens 615.000 Euro, denn die Rente sollte wertgesichert sein, damit bei einer 40-jährigen Laufzeit die 3.000 Euro am Ende noch die gleiche Kaufkraft haben und man nicht am Hungertuch nagt." Erreicht wird das Ziel mit einer monatlichen Sparrate von 365 Euro über zwanzig Jahre und einem Startgeld der Eltern oder einer Erbschaft über 200.000 Euro. Finanzexperte Zivalek: "Gerade heute sind Erbschaften oder Startgelder in dieser Größenordnung keine Seltenheit mehr."
Friedrich Nikolaus, Chef der Bank Privat: "Wird schon im Kindesalter mit der Vorsorge von den Eltern begonnen, ist sogar ein Ausstieg mit 45 und einer monatlichen Rente zwischen 4.000 und 5.000 Euro denkbar. Dafür notwendig ist aber ein Kapital von 853.000 Euro." Die Sparraten liegen zwischen 300 und 400 Euro im Monat. Friedrich Nikolaus setzt zudem nicht auf ein reines Wertpapierdepot, sondern auf eine Mischung aus staatlich geförderter Zukunftsvorsorge, Pensionsmanagement-Fonds und Wertpapieren.
Langfristig hohe Erträge trotz niedriger Sparraten versprechen aber nicht nur ausgefeilte Anlagesysteme der heimischen Top-Banker. Auch Fondssparer haben gute Chancen auf eine halbe Million Euro. Wer in den vergangenen zehn Jahren in den HSBC Indian Fonds 100 Euro pro Monat investierte, der hat 12.000 Euro einbezahlt und daraus beachtliche 58.519 Euro herausgeholt. Bei einer monatlichen Sparrate von 1.000 Euro wäre in nur zehn Jahren der Grundstein für eine 3.000-Euro-Rente gelegt worden.
Wenig steuerliche Abzüge durch die richtige Anlage
Auch vor der Steuer müssen sich die Frühpensionisten nicht fürchten. Roland Reisch, Geschäftsführer der Steuerberatungskanzlei TPA Horwath: "Einkommensteuer ist bei rein kapitalmarktbasierten Erträgen keine zu bezahlen. Aktienerträge sind nach einem Jahr steuerfrei. Auf Anleihen und sonstige festverzinsliche Anlagen werden 25 Prozent Kapitalertragsteuer fällig." Nachdem aber gerade in der Ansparphase und in den ersten Jahren der Auszahlphase ein hoher Aktienanteil in den meisten Depots ratsam ist, fällt nur wenig Erspartes an den Fiskus. Steuerexperte Reisch: "Bei Vermögen mit Immobilien, großen Beteiligungen und sonstigen Anlagen, die zwei Millionen Euro übersteigen, ist eine Stiftung ratsam. Diese bietet mehr Gestaltungsmöglichkeiten." Bei Leibrentenmodellen muss man bei Vertragsabschluss vier Prozent Versicherungsteuer berappen. "Danach fallen erst wieder Steuern an, wenn die Summe der Auszahlungen größer ist als der eingezahlte Betrag", so Reisch. Grundsätzlich sind Leibrenten mit einem Einmalerlag eine interessante Alternative. Ein 50-jähriger Mann darf bei einer prognostizierten Rendite von 7,5 Prozent mit einer Rente von 3.903 Euro pro Monat bis zum Lebensende rechnen. Ein Problem stellt dabei die geringe Flexibilität der Verträge dar.
Wer sich endgültig aus dem Berufsleben verabschiedet, sollte nicht auf eine entsprechende Krankenversicherung vergessen. Denn mit dem Berufsausstieg muss privat vorgesorgt werden. Eine gute Versicherung ist für einen 50-Jährigen ab 550 Euro pro Monat zu haben. Frühzeitig ausgestiegen, sollte nicht auf die staatliche Pension verzichtet werden. Nach 180 Beitragsmonaten - also 15 Jahren - hat jeder Exberufstätige einen rechtmäßigen Anspruch auf Pension. Viel wird es aber nicht sein, denn die Höhe berechnet sich aus der Anzahl und Höhe der eingezahlten Beiträge. Mit solchen Gedanken muss sich aber nicht jeder herumschlagen. Gut Betuchten bleibt vieles erspart.
Prominente Aussteiger im In-und Ausland
In südlichen Gefilden kann ein volles Portemonnaie nicht schaden. Auch einige Promi-Österreicher hatten keine Lust mehr auf Arbeit und sind ausgestiegen. So entflieht auch Millionenerbe Christian Niedermeyer dem grauen Alltag. Bis Ende August residiert er in seiner 400-Quadratmeter-Luxusvilla in der andalusischen Mittelmeerstadt Marbella und lässt sich an der Costa del Sol die Sonne auf den Bauch scheinen. Deshalb gehe es ihm, wenig überraschend, auch "ausgezeichnet". Niedermeyer: "Ich habe in Marbella ein traumhaft schönes Haus mit einem eigenen Strandzugang. Das Wetter hier ist herrlich, im Juli und August gibt es kein einziges Wölkchen am Himmel." Nachdem der heute 52-jährige Exunternehmer und Multimillionär sein Leben lang "immer sehr fleißig" war, hatte er 1999 die Nase gestrichen voll und verkaufte die von seinem Vater übernommene Elektrokette. Seither ist Hauptsächlich Dolce Vita angesagt. Doch ganz ohne Arbeit geht es auch bei Niedermeyer nicht: "Ich habe nach dem Verkauf der Firma einige Semester Geschichte studiert und auch Klavier und Querflöte gelernt. Im Vorjahr bin ich auch bei der renommierten Wiener Werbeagentur tischSieben eingestiegen."
Niedermeyer ist aber nicht der Einzige, der sich über Strandspaziergänge, Cocktails am Pool und zehn Stunden Schlaf freut. US-Multimilliardär Paul Allen etwa, der zusammen mit Bill Gates Anfang der 70er Jahre den Softwaregiganten Microsoft gründete, entschloss sich mit der Zurücklegung seines Aufsichtsratspostens im November 2000 zu einem ähnlich großspurigen Lebensstil. Seit wenigen Jahren investiert der Amerikaner sein Vermögen in teure Sportmannschaften, gibt Unsummen für wohltätige Zwecke aus und kauft je nach Lust und Laune Immobilien an schönen Plätzen dieser Erde. Allesamt Leidenschaften, die Aussteiger Stephen Wozniak, Gründer des Computerherstellers Apple, mit ihm teilt.
Weltweit gibt es laut dem renommierten US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" 791 Dollarmilliardäre, 395 davon leben in Amerika; in Österreich gibt es immerhin 67.700 Millionäre, ihr Gesamtvermögen wird auf 190 Milliarden Dollar taxiert. Doch diesen Geldsegen dürfte Finanzminister Grasser nicht stark zu spüren bekommen: Laut Experten zieht es Österreichs Geldadel immer öfter ins Ausland, vornehmlich in die Schweiz. Grund: Die Vermögensteuer ist dort lediglich im Promillebereich angesetzt, und selbst Spitzensteuersätze auf Einkommen fallen bei den Eidgenossen niedrig aus. Damit ermöglicht die so genannte Pauschalbesteuerung auch weniger betuchten Aussteigern ein sorgloses Leben. Diese Besteuerungsart richtet sich nicht nach dem tatsächlichen Vermögen und Einkommen, sondern nach dem jeweiligen Lebensaufwand. Dieser wird wiederum anhand des durchschnittlichen Mietwertes etwa der gepachteten Häuser und Wohnungen errechnet.
Superreiche schlagen ihr Quartier aber nicht nur im Steuerparadies der Alpen auf. "Meistens haben sie zwei bis drei Wohnsitze", erzählt Luxusimmobilienmakler Peter Marschall. "Mindestens einer davon ist in einer Topmetropole, etwa in New York, Paris, Rom oder London. Auch Wien ist angesagt." Für ein 200 Quadratmeter großes Penthaus legen die Megareichen laut dem Experten problemlos zwei Millionen Euro auf den Tisch. Ihre im Schnitt 300 Quadratmeter großen Häuser auf angesagten Inseln wie Ibiza, Mallorca und Sardinien sind gut vier Millionen Euro wert. Nur an der Côte d'Azur heißt es selbst für die Reichen der Reichen: "Bitte warten." Grund: In Meereslage etwa um St. Tropez steht so gut wie kein Haus mehr zum Verkauf.
Wesentlich entspannter ist die Lage in Kroatien, nach Italien und Deutschland die beliebteste Reisedestination der Österreicher. Obschon die Preise für Immobilien dort wesentlich niedriger sind als in Südfrankreich, kann von Schnäppchen keine Rede sein. "Strandhäuser gibt es nur mehr für 2.000 bis 3.000 Euro je Quadratmeter", sagt Immobilienfachfrau Alma Kukuruzovic von Remax.
Über besonders niedrige Preise dürfen sich Aussteiger in Thailand, auf den Philippinen oder den Inseln rund um Panama freuen. Laut Kukuruzovic lohnt sich derzeit vor allem der Kauf eines Hauses auf einer der 2.000 bewohnten Inseln der Philippinen. "Schöne Villen gibt es schon um 70.000 Euro", so die Expertin. Auch Panama lockt mit Tiefpreisen. Dort kosten selbst Apartments in Toplagen mit zwei Schlafzimmern, zwei Bädern, einem Parkplatz samt Gemeinschaftspool im Schnitt gerade einmal 50.000 Dollar, der Quadratmeterpreis für Häuser an Sandstränden liegt bei nur 450 Dollar.
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