Dienstag, 11. Juli 2006

Insolvenzen um fünf Prozent gestiegen: Mit 7.206 Pleiten neuer Rekord im 1. Halbjahr

  • Gesamt-Passiva belaufen sich auf 1,7 Mrd. Euro
  • Gaststätten und Baugewerbe besonders betroffen

Im ersten Halbjahr 2006 gab es um 4,85 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahr. Dabei verzeichnete der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) einen leichten Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen und ein kräftiges Plus bei den Privatkonkursen. Der AKV fordert eine bessere wirtschaftliche Schulung von Jugendlichen, die - im Gegensatz zur Eltern- und Großelterngeneration unter einem starken Konsumdruck stünden.

Von den in den ersten sechs Monaten durch die Gerichte entschiedenen 7.206 Insolvenzverfällen entfallen rund 47 Prozent auf Unternehmen und rund 53 Prozent auf Privatpersonen, so der AKV in einer Aussendung.

Mit insgesamt 7.206 Insolvenzen im ersten Halbjahr 2006 wurde ein neuer Pleiterekord verzeichnet. Im Vorjahr gab es in den ersten sechs Monaten 6.873 Insolvenzen. Die Gesamtsumme der Passiva lag im 1. Halbjahr 2006 bei 1,74 Mrd. Euro. Fast 15.000 Arbeitsplätze wurden durch Insolvenzen gefährdet. Bei den Branchen war das Gaststätten- und Hotelleriewesen führend vor dem Baugewerbe und Transportunternehmen.

Im ersten Halbjahr verzeichnete der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) einen geringfügigen Rückgang bei den von Gerichten eröffneten Insolvenzverfahren im Bereich der Unternehmen, nämlich um 1 Prozent auf 1.536 Insolvenzen. Stärker rückläufig entwickelten sich im Jahresabstand die Unternehmen betreffenden Konkursabweisungen mangels kostendeckenden Vermögens, nämlich um 9 Prozent auf 1.852 Abweisungen.

Bei den privaten Schuldnern gingen die abgewiesenen Konkursanträge um 4 Prozent auf 597 zurück. Die eröffneten Insolvenzverfahren über das Vermögen privater Personen (durchwegs Konkurse) wuchsen um 21 Prozent auf 3.221 Fälle hingegen deutlich an.

Breite Schichten der mittelständischen Unternehmen suchen in Insolvenzverfahren eine Chance für eine Neupositionierung oder können ihre Liquidation nur noch auf diesem Wege meistern, so der AKV. Von den Unternehmensinsolvenzen im 1. Halbjahr 2006 entfielen auf Aktiengesellschaften nur 0,24 Prozent, auf andere Kapitalgesellschaften (GesmbH, GesmbH & Co KG) 31 Prozent, während die Einzelfirmen den Spitzenplatz mit 57 Prozent einnahmen. Besonders betroffen sind also jene Unternehmen, für deren Verbindlichkeiten der Unternehmer unbeschränkt und persönlich haftet.

Der AKV fordert daher ein Nachdenken über eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen, da diese längst ihren einstigen Zerschlagungscharakter verloren hätten. Gleichzeitig sollte die Steuer- und Wirtschaftspolitik das Ziel der Eigenkapitalstärkung der Unternehmen im Auge behalten.
(apa)

11.7.2006 17:08