Nachfolge von Jürgen Klinsmann geklärt: Jogi Löw wird neuer deutscher Nationalcoach
- Ehemaliger Austria-Trainer hat EM-Titel '08 im Visier
- Klinsmann will wieder "in Normalität zurückkehren"
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Der bisherige Assistenztrainer Joachim Löw ist vom deutschen Fußball-Bund DFB als neuer Bundestrainer des Weltmeisterschafts-Dritten präsentiert worden. Sein Vorgänger Jürgen Klinsmann selbst präsentierte bei einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main seinen Thronfolger, der einen Zwei-Jahres-Vertrag bis nach Ende der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz unterschrieb.
Der neue Bundestrainer gab in seiner ersten Pressekonferenz als Chefcoach den Titelgewinn bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 als Ziel aus. "Ich sage ganz klar, das Ziel von Oliver Bierhoff, Andreas Köpke, des gesamten DFB-Präsidiums und natürlich auch mir ist es, den EM-Sieg zu holen", der 46-jährige Löw. Dem gesamten Team sei es bei der Weltmeisterschaft gelungen, eine sehr hohe Identifikation zu schaffen.
Deutschland hätte ein Ensemble von hoch qualifizierten Spielern, darunter auch viele Talente, die in den kommenden Monaten und Jahren an das Nationalteam herangeführt werden sollten. "Meine erste Amtshandlung wird sein, einen Assistenten zu finden", meinte Löw, der sich zunächst mit Teammanager Oliver Bierhoff über mögliche Kandidaten beraten wird.
Klinsmann will wieder "Normalität"
Klinsmann begründete seinen Abschied mit dem großen Wunsch, "wieder in die Normalität zurückzukehren". Er habe sehr viel Kraft gelassen während seiner zweijährigen Amtszeit als Bundestrainer. "Ich will danken für zwei fantastische Jahre", meinte der 41-Jährige, der sichtlich mit den Tränen kämpfte. Im Team stecke noch sehr viel. "Ich bin sehr glücklich, dass Jogi dieses Aufgabe annimmt", meinte Klinsmann.
Für seinen Nachfolger war Klinsmann voll des Lobes, es sei die "einzig sinnvolle und logische Schlussfolgerung, Löw zu bitten, dieses Amt zu übernehmen." Die Mannschaft sei charakterlich top, sie habe eine so tolle Weltmeisterschaft gespielt und sei reif genug, den nächsten Schritt zu gehen. "Für mich war Löw nie ein Assistenztrainer", betonte Klinsmann, "Jogi war immer ein fester Partner."
Österreich-Vergangenheit
Löw hatte das Amt des Assistenztrainers fünf Monate nach seinem Rauswurf beim österreichischen Bundesligisten Austria Wien im März 2004 angetreten. Er war erst im Juni 2003 als Nachfolger von Christoph Daum präsentiert worden. Mit dem FC Tirol gewann er in der Saison 2001/02 den Meistertitel in der österreichischen Bundesliga, verließ die Innsbrucker nach deren Konkurs und Zwangsabstieg aber im Juni 2002.
Spieler über Löw-Nominierung erfreut
Die Nationalspieler selbst sahen in Löw den idealen Nachfolger Klinsmanns. "Ich finde es schade, dass Jürgen Klinsmann nicht weitermacht. Gleichzeitig bin ich froh, dass wir in Joachim Löw einen neuen Bundestrainer haben, der die Mannschaft kennt und den Stil der bisherigen Arbeit fortsetzen wird", meinte der Kapitän der DFB-Auswahl, Michael Ballack. Für Nationaltorhüter Jens Lehmann war die Berufung Löws "eine logische Entscheidung". Es sei ein klares Zeichen an die Mannschaft, dass der bei der WM anerkannte Stil auch in Zukunft beibehalten werde.
DFB kämpfte vergeblich um Klinsmann
Laut "Bild" hatte sich Klinsmann mit DFB-Präsident Theo Zwanziger zu einem persönlichen Gespräch getroffen. Der DFB-Chef wollte den Bundestrainer, der sich nach der WM-Feier "einige Tage" Bedenkzeit erbeten hatte, unbedingt bis zur EURO 2008 in Österreich und der Schweiz oder sogar bis zur WM 2010 in Südafrika halten. "Er kämpfte, doch er konnte das Ja-Wort des Bundestrainers nicht gewinnen", berichtete die Boulevardzeitung.
Klinsmann "fiel Rückzug nicht leicht"
Mit sichtbaren Emotionen hat Jürgen Klinsmann seinen Abschied als Bundestrainer bekannt gegeben. "Es ist mir alles andere als leicht gefallen. Ich bin aber nicht im Stande, die Arbeit mit der gleichen Energie und der gleichen Power weiterführen zu können", meinte er mit Tränen in den Augen. Ausschlaggebend für den Entschluss, wieder in die USA und zu seiner Familie zurückzukehren, wäre die bittere Niederlage im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Italien (0:2 n.V.) gewesen.
"Da ist der Gedanke schon gereift, dass ich die Kraft nicht mehr habe", berichtete Klinsmann und bat mehrfach um Verständnis für seine Entscheidung. "Da fällt man in ein Loch." Den Kontakt zu seinem Nachfolger Joachim Löw wolle er weiterhin aufrecht halten, er sei auch in Zukunft für die Spieler da.
Nun wolle er aber einmal ein halbes Jahr Urlaub machen, meinte der 41-Jährige, der versicherte keine anderen Trainer-Angebote annehmen zu wollen. Vor allem in den Vereinigten Staaten - seiner Wahlheimat - war der Deutsche mehrfach als Teamchef gehandelt worden. Auch eine Rückkehr nach Deutschland schloss Klinsmann nicht ganz aus: "Ich weiß nicht, was 2010 oder 2014 ist. Ich bin kein Hellseher."
(apa/red)
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