Montag, 10. Juli 2006

Federer schlägt Nadal in Wimbledon:
Neue, alte Rivalität geht am Rasen weiter

  • Vierter Titel in Serie für den König der Tenniswelt
  • Schweizer fehlt ein Sieg in Paris zum Grand Slam

Der Jubel war verhalten. Kein Vergleich mit den Emotionen bei den Australian Open, als ihm mit der Trophäe im Arm die Tränen nur so über das Gesicht liefen. Sind Siege auf dem "Heiligen Rasen" von Wimbledon für Tennis-Superstar Roger Federer schon zur Selbstverständlichkeit geworden? Der viermalige Champion aus der Schweiz negierte nach dem 6:0,7:6 (5),6:7 (2),6:3-Finalsieg gegen Rafael Nadal: "Sicher ist es nicht mehr so emotional wie beim ersten Mal. Aber natürlich ist es immer noch wunderschön."

Ganz langsam nur wich der Druck vom Topfavoriten, der seine wohl besten All England Championships gespielt hat. Vielleicht schwante dem "Rasen-König" aber auch, dass die ruhigen Tage mit glatten Finalsiegen vorbei sind. Roger Federer gegen Rafael Nadal - das könnte auch auf dem "Heiligen Rasen" eine besondere Rivalität werden. Der Spanier ist die Entdeckung von Wimbledon 2006.

Rasend schnell hat er gelernt, sich auf Rasen zurechtzufinden. "Mit dem Sieg gegen Andre Agassi hat er gezeigt, was er kann", sagte Federer anerkennend und gab zu: "Trotzdem habe ich nicht damit gerechnet, dass er ins Finale kommt." Der Schweizer wird es schwer haben, Rekordchampion Sampras (sieben Wimbledon-Siege) einzuholen. "Aber Rivalität ist gut für das Tennis", meinte Federer und ergänzte nach dem zweiten Sieg im achten Vergleich mit Nadal: "Jetzt macht sie mir auch wieder Spaß."

Sieg in Paris fehlt zum Grand Slam
Das war in Roland Garros ganz anders. Der Traum vom Grand Slam verflog wie der Sand im Pariser Wind. Ein Sieg bei den French Open fehlt in der Titel-Sammlung Federers, weil Nadal auf dem roten Untergrund bis dato so unbezwingbar ist wie der Schweizer auf Rasen. "Ich denke, jetzt sind wir quitt. Es steht ausgeglichen. Die Niederlagen in Dubai, Monte Carlo und Rom zählen für mich nicht", sagte er. Die vier einzigen Pleiten in 60 Saison-Matches brachte ihm Nadal ausnahmslos in Finalspielen bei. Das hat Federer noch immer nicht verdaut.

"Nadal lässt den Champion für seinen vierten Sieg schwitzen", titelte der "Guardian" am Montag. Deshalb wollte Federer von der Einstellung des Rekords von Björn Borg, der zwischen 1976 und 1980 fünf Mal in Serie gewann, auch noch nichts wissen. "Langsam", sagte der Weltranglisten-Erste. "Ich denke nur bis zur ersten Runde von Wimbledon 2007."

Nadal kommt auch auf Rasen in die Gänge
Außerdem ist da Nadal, der sich als lernfähig erwies und nun auch auf Rasen zum Herausforderer Nummer eins gewachsen ist. "Es war schrecklich eng, und ich bin schrecklich nervös geworden", gestand Federer und drückte den Pokal fest an sich. Nadal indes ging in der Gewissheit, dass Wimbledon für ihn kein Buch mit sieben Siegeln mehr ist. "Dies ist die Kathedrale des Tennis", meinte er andächtig. "Irgendwann will ich hier gewinnen."

Die Kampfansage legte er ins Urlaubsgepäck von Federer, der erstmals nach einem Wimbledon-Sieg Ferien macht. Der Champion ist müde und will seine Akkus aufladen. In zwei Wochen beginnt bereits die nordamerikanische Hartplatz-Serie und damit die Vorbereitung auf die US Open, wo er seinen Vorjahressieg wiederholen will. Es wäre der dritte große Titel der Saison. Aber eben nicht der Grand Slam. Dazu fehlt ihm ein Sieg in Paris, den auch Sampras nie geschafft hat.

(apa/red)

10.7.2006 13:44