"Unerhörte Ungerechtigkeit": Entsetzen
und Wut nach Urteilen im Italien-Skandal
- Verurteilte beklagen Strafen und gehen in Berufung
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Affäre kam am 3. Mai 2006 erstmals in Medien
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Das "System Moggi"
Anweisungen an Schiris. Auslosungen manipuliert
Entsetzte Klubs, wütende Fans, verunsicherte Weltmeister und verwunderte Juristen - die drastischen Sportgerichtsurteile im Fußball-Skandal haben Italien endgültig aus dem WM-Freudentaumel gerissen: Juventus Turin, Lazio Rom und der AC Fiorentina verurteilte das Gericht des italienischen Fußballverbands (FIGC) wegen Spielmanipulationen zu Zwangsabstieg in die Serie B und Strafpunkten, der AC Milan kam mit Punktabzügen und der Verbannung aus der Champions League davon.
Rekordmeister Juve wurden zudem die beiden jüngsten Meistertitel aberkannt. Die Verurteilten beklagten die Strafen als "unerhörte Ungerechtigkeit" und kündigten Berufung an.
Endgültige Urteile bis 25. Juli
In zweiter Instanz werden bis zum 25. Juli die endgültigen Urteile gesprochen, damit Italien rechtzeitig seine Klubs für die Europacup-Wettbewerbe melden kann. Die Verurteilten kritisierten den Prozess als unfaires Eilverfahren. "Uns hat nicht Mal einer eine Frage gestellt, geschweige denn mit Beweisen konfrontiert. Wir haben nichts getan", schimpfte der Florentiner Klub-Präsident Diego Della Valle. Lazio-Chef Claudio Lotito kündigte an, vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen.
Juve-Präsident Cobolli Gigli nannte das Urteil "unerhört". "Ich bin stinksauer", sagte der Turiner, nach dessen Meinung "kein einziger Beweis für eine Spielmanipulation" zu Gunsten von Juve vorliege. Auch Milan betonte seine Unschuld und beklagte die "außergewöhnliche Ungerechtigkeit".
Der frühere Präsident des FC Bologna, Giuseppe Gazzoni, der bereits vor Jahren in Bezug auf Juve-Manager Luciano Moggi und seinem Netzwerk von einer "Fußball-Mafia" gesprochen hatte, zeigte sich dagegen zufrieden. "Für mich ist das eine moralische Wiedergutmachung", erklärte Gazzoni. Ministerpräsident Romano Prodi hatte einer Amnestie nach dem WM-Titel eine klare Absage erteilt und vom Gericht gefordert, dem "Fußball wieder Moral zu geben". Dass das Sportgericht mit aller Härte gegen die Liga-Manipulationen vorging, brachte ihm in Italien und im Ausland Respekt ein.
Stars verlassen sinkende Schiffe
Als Folge der Urteile werden 13 Weltmeister in den betroffenen Klubs zu Provinzkickern degradiert. Einen Abstieg, zu dem nur die wenigsten bereit sind: "Ich hoffe, dass einige Stars bleiben", sagte Juve-Chef Gigli. Trainer Fabio Capello ist schon zu Real Madrid geflüchtet, Gianluigi Buffon, Gianluca Zambrotta, Fabio Cannavaro und Mauro Camoranesi werden wohl auch das Weite suchen. Nur Alessandro Del Piero hat Juve Treue geschworen.
Durch die 30 Strafpunkte, die das Gericht Juve aufbrummte, erscheint der direkte Wiederaufstieg unrealistisch. Der "Alten Dame" droht vielmehr der Abstieg in die Serie C. Etwas besser ist die Ausgangsposition für Fiorentina (12 Strafpunkte) und Lazio (7). Milan wird mit einem Handicap von 15 Zählern in der Serie A starten. Zudem wurde Milan der Titel 2005 zuerkannt. Der Meistertitel 2006 bleibt bisher unvergeben.
Berufsverbot für Moggi
Moggi erhielt als Drahtzieher der Liga-Manipulationen ein Berufsverbot von fünf Jahren und eine Geldstrafe von 50.000 Euro. "Mich bedaure ich weniger als die Klubs und Fans", sagte Moggi. Juve und alle anderen seien durch das Urteil betrogen worden. Er habe nie Spiele manipuliert oder Schiedsrichter beeinflusst.
Das Gericht war anderer Meinung und verurteilte auch Ex-Verbands-Präsident Franco Carraro und Star-Schiedsrichter Massino De Santis zu viereinhalb Jahren Berufsverbot. Die Urteile sind hart, blieben aber noch hinter den Forderungen von Chef-Ankläger Stefano Palazzi zurück, der unter anderem Juve sogar in die dritte Liga verbannen wollte.
(apa/red)
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