Freitag, 14. Juli 2006

Chiracs letzter Nationalfeiertag im Amt: Riesige Militärparade am Champs-Elysées

  • In Pariser Vorstädten brannten insgesamt 51 Autos
  • 47 Menschen in der Nacht von Polizei festgenommen

Zum französischen Nationalfeiertag hat Staatspräsident Jacques Chirac zum wahrscheinlich letzten Mal die traditionelle Militärparade auf den Pariser Champs-Elysées abgenommen. Unter dem Schutz von 5000 Polizeibeamten ließ sich Chirac in einem offenen Militärfahrzeug über den Prachtboulevard fahren, ehe 3500 Angehörige der Streitkräfte an ihm vorbeidefilierten. Neun Armeejets zogen Rauchfahnen in den Nationalfarben blau, weiß und rot in den Himmel. Erstmals seit drei Jahren waren wieder Panzer des Typs Leclerc mit von der Partie. Nach Beschwerden über Schäden am Straßenbelag waren sie vorübergehend von der Teilnahme verbannt worden.

Für den 73-jährigen Chirac war es aller Wahrscheinlichkeit nach der letzte Auftritt als Präsident an einem Nationalfeiertag. Im kommenden April stehen Präsidentschaftswahlen an. Zwar hat Chirac, der 1995 zum Nachfolger von Francois Mitterrand gewählt wurde, bisher eine Wiederkandidatur nicht ausgeschlossen; wegen seiner anhaltend niedrigen Beliebtheitswerte in Umfragen wird ihm aber kaum eine Chance auf einen Sieg eingeräumt. Bei einer Umfrage im Juni hatten sich nur 22 Prozent der Befragten mit Chirac, dem 22. Präsidenten der Französischen Republik, zufrieden erklärt.

Die Parade in Paris unterlag strengen Sicherheitsbestimmungen, um einen Anschlagsversuch wie den von 2002 auf Chirac zu verhindern. Zur Vorbeugung von Gewaltakten war zudem der Verkauf von Treibstoff in Kanistern in mehreren Départements verboten worden. Im Département Seine-Saint-Denis bei Paris registrierte die Polizei in der Nacht von Donnerstag auf Freitag 51 in Brand gesteckte Autos. 47 Verdächtige seien im Zusammenhang mit den Brandstiftungen festgenommen worden. Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten wurden nicht gemeldet.

In zahlreichen französischen Städten war schon am Mittwochabend mit Feuerwerken und Konzerten an die Erstürmung des Pariser Bastille-Gefängnisses, Symbol der königlichen Despotie, am 14. Juli 1789 erinnert worden. Dieses Ereignis gilt als Beginn der Französischen Revolution. (apa)

14.7.2006 15:22