Dienstag, 11. Juli 2006

Atomgespräche zwischen EU und Iran ohne Ergebnis: "Wir müssen Geduld haben"

  • Unterhändler Larijani spricht von "langem Prozess"
  • US-Präsident George Bush erhöht Druck auf Teheran

Bei den Atomgesprächen zwischen dem Iran und der EU am Dienstag in Brüssel hat es wie erwartet keine konkreten Ergebnisse gegeben. Der iranische Chefunterhändler Ali Larijani erklärte nach einem Treffen mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana in Brüssel, bei den Gesprächen handle es sich um einen "langen Prozess". "Wir müssen Geduld haben", sagte Larijani. Die iranische Führung hatte bereits früher ankündigt, dass es eine Antwort auf das Angebot der Sechser-Gruppe nicht vor Mitte August geben werde.

Die Beratungen seien "sehr breit" angelegt gewesen, es seien einige wichtige Punkte erwähnt worden, sagte Larijani nach dem Gespräch in Brüssel, an dem auch Vertreter Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs und Russlands teilnahmen. Der Weg zur Beilegung des Streits sei noch lang. Solana müsse sich nun "mit seinen Freunden beraten, und dann müssen wir gemeinsam die weiteren Schritte festlegen, denn vor uns liegt ein langer Weg, und wir müssen genau und geduldig sein".

Auch Solana konnte von keiner Annäherung berichten: "Wir werden jetzt sehen müssen, wie es weiter geht". Solana erklärte, das Treffen werde bei den Beratungen der Außenminister der fünf UNO-Vetomächte und Deutschlands am Mittwoch in Paris ausgewertet werden. Dann werde über das weitere Vorgehen entschieden.

Die Äußerungen von Larijani gelten als Dämpfer für erhoffte Fortschritte noch vor dem Treffen der Außenminister. Die sechs Länder hatten dem Iran das jüngste Kompromissangebot vorgelegt, in dem sie Teheran mit wirtschaftlichen und politischen Anreizen zum Verzicht auf die Urananreicherung bewegen wollen.

US-Präsident George W. Bush erhöhte unterdessen den Druck auf die Teheraner Regierung. "Wir werden mit unseren Freunden zusammenarbeiten, um die Angelegenheit diplomatisch zu lösen", sagte Bush dem "Handelsblatt" (Mittwoch-Ausgabe). "Sollten die Iraner jedoch keine positive Antwort liefern, werden wir reagieren."

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad gibt sich im Atomstreit hingegen weiter hart: Der Iran werde "nicht ein Jota" von seiner Absicht abweichen, den Brennstoffkreislauf vollständig zu beherrschen, sagte Ahmadinejad am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Isna. "Die iranische Nation ist entschlossen, alle ihre Rechte zu erlangen, darunter alle ihre nuklearen Rechte", sagte der Präsident demnach bei einer Rede in der Provinz Aserbaidschan. Die Propaganda westlicher Mächte zu dem Thema sei "übel gesinnt".
(apa/red)

11.7.2006 16:31