Freitag, 14. Juli 2006

Gusenbauer auf Wahlkampf-Tour: SP-Chef geht sechs Wochen lang auf Stimmenjagd

  • Eventuelle Überraschungskandidaten noch offen
  • Darabos sieht Chance auf Wahlsieg bei 50 Prozent

Die SPÖ wird ihren Intensiv-Wahlkampf auf sechs Wochen beschränken. Ende August startet Parteichef und Spitzenkandidat Alfred Gusenbauer nach einem großen Auftakt-Event in Wien eine Tour durch alle Wahlkreise. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die ersten großen Plakatwellen gestartet, erklärte Wahlkampfleiter Norbert Darabos. Zum Einsatz kommen werden etwa 40.000 freiwillige Mitarbeiter, 40 Prozent davon entstammen der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter, die ja zuletzt mit der Partei einige Sträuße rund um die Wahllisten ausgefochten hatte.

Als Wahlkampfbudget gibt Darabos sieben Millionen Euro an, die auch im geplanten Fairnessabkommen zwischen den Parteien verankert werden sollen. Mehr werde und könne man nicht ausgeben, da man den finanziellen Konsolidierungskurs der Partei auch nicht durch einen Wahlkampf gefährden wolle.

Dementsprechend will man in den Wahlkampf auch relativ spät, nämlich Ende August, starten, wobei gewisse Aktivitäten auch bereits im Juli gesetzt werden. So bezieht Wahlkampfleiter Darabos bereits mit seinem engsten Team die Wahlkampfzentrale, ein 600 Quadratmeter-Großraumbüro am Lugeck in der Wiener Innenstadt. Und Spitzenkandidat Gusenbauer geht auf Wanderschaft. Von 22. Juli an unternimmt er zwischen Niederösterreich und Vorarlberg tägliche mehrstündige Berg-Wanderungen, an denen vor allem lokale Funktionäre und Sympathisanten teilnehmen sollen.

"Wir verstecken uns nicht"
Die eigentliche Tour durch die Lande beginnt dann erst am 25. August, wobei Darabos praktisch ausschließlich auf Outdoor-Veranstaltungen setzt: "Wir verstecken uns nicht" lautet die Devise der Sozialdemokraten, die auf engen Kontakt des Spitzenkandidaten mit der Bevölkerung setzen. Ob auf den begleitenden Plakaten nur auf den Parteichef gesetzt wird, wollte Darabos ebenso wenig sagen wie die Frage beantworten, ob man bei der Erstellung der Bundesliste, die erst möglichst spät feststehen soll, erneut auf Quereinsteiger setzen wolle. Zu einem Wahlkampf gehöre auch der Überraschungsmoment. Ein Schattenkabinett werde es aber sicher nicht geben.

Als Kernthemen für die Wahlauseinandersetzung sieht der SP-Bundesgeschäftsführer die Bereiche Bildung, Gesundheit, Soziales und Arbeitsmarkt. Günstig sei dabei, dass die Bevölkerung gerade in diesen Bereichen der SPÖ die größte Kompetenz zuschreibe und diese Themen letztlich der Bevölkerung auch näher stünden als die BAWAG-Affäre.

Chance auf Wahlsieg bei 50 Prozent
Dass diese trotzdem für Irritationen bei potenziellen Wählern gesorgt hat, bestreitet Darabos nicht. Gut sei aber, dass sich die Enttäuschten nicht einer anderen Partei zugewendet sondern sich in den politischen Warteraum zurückgezogen hätten. Deshalb geht der Bundesgeschäftsführer davon aus, dass diese Wähler noch gewonnen werden könnten.

Wahlziel bleibt dementsprechend die Rückkehr auf Platz eins, den die SPÖ beim letzten Urnengang erstmals seit Jahrzehnten verloren hatte. Die Chancen dafür beziffert Darabos mit 50 Prozent. Letztlich werde alles auf den Wahlkampf ankommen und dabei habe sich in Deutschland erwiesen, dass selbst der wesentlich größerer Umfragen-Rückstand der dortigen Sozialdemokraten fast noch aufgeholt werden konnte, nimmt der Wahlkampfleiter die Kampagne der SPD als "Vorbild" für die SPÖ.

(apa/red)

14.7.2006 11:37