Mittwoch, 12. Juli 2006

Wegen neuer Plakatkampagne: Wiener Psychotherapeutin will 'Die Möwe' verklagen

  • Wegen Störung der öffentlichen Ordnung
  • Anti-Missbrauchsverein reagiert, überlegt Änderungen

Der Anti-Missbrauchsverein "Die Möwe" sieht sich wegen der geplanten Anbringung der Plakatkampagne "Love Doll" mit einer Anzeigedrohung konfrontiert: Die Wiener Psychotherapeutin Silvia Franke, die auf die Arbeit mit Traumaopfern spezialisiert ist, will im Falle einer Affichierung der Plakate wegen Störung der öffentlichen Ordnung und sittlicher Gefährdung gegen den Verein vorgehen.

Franke befürchtet, dass es bei Kindern und Erwachsenen, denen sexuelle Gewalt angetan wurde, zu einer Retraumatisierung kommen könnte, wie "Der Standard" (Mittwochausgabe) berichtete. Zudem sieht sie in dem Plakat, das eine kindliche Sexpuppe zeigt, ein Verständnisproblem für den Nachwuchs, und fragt sich, wie man das "pornografisch bizarre Sujet" Kindern erklären solle. Auf Täter würden die Plakate sogar noch erregend wirken, gab die Psychotherapeutin zu bedenken.

Der Verein "Die Möwe" sieht laut "Standard" derzeit vom ursprünglich geplanten Kampagnenstart, dem 13. Juli, ab. Wegen der stark polarisierenden Wirkung des Sujets habe der Verein "eine kleine Abtestung" eingeschoben, so eine Sprecherin. Die Plakate würden aber auf jeden Fall affichiert.

Verein denkt Änderungen an
Der Verein "Die Möwe" denkt über Änderungen der "Love Doll"-Plakate nach. Nachdem die Kampagne für empörte Reaktionen gesorgt hatte, werden die Plakate vor dem Aufhängen im öffentlichen Raum noch von Experten "getestet", sagte "Möwe"-Präsidentin Martina Fasslabend zur APA. Unter anderem wird geprüft, ob der Zusatztext "Sie brauchen ihre Hilfe" zu wenig sichtbar ist.

So kann es etwa sein, dass der Text vergrößert oder ergänzt wird, sagte Fasslabend. "Ganz wichtig ist, dass die Botschaft unmissverständlich ist."

Gegen das Sujet hatte es zahlreiche Proteste gegeben. Fasslabend betonte, dass es sich bei der kindlichen Sexpuppe um eine Fotomontage handle. Zudem habe es auch von Betroffenen unterschiedliche Rückmeldungen gegeben: Wir haben welche, die sagen 'endlich' und wir haben welche, die sagen: 'Das ist schockierend und erinnert mich'."

Generell sei es wichtig, das Thema Kindesmissbrauch breit zu diskutieren, meinte Fasslabend. "Österreich sollte nicht auf einen Fall Dutroux warten."
(apa)

12.7.2006 17:15