Montag, 10. Juli 2006

Staatsschuldenausschuss-Präsident Helmut Frisch gestorben: Bei Konferenz in Italien

  • Erlitt im 70. Lebensjahr einen plötzlichen Infarkt

Der langjährige Vorsitzende des Staatsschuldenausschusses, Universitätsprofessor Helmut Frisch, ist am Samstag während einer Konferenz in Italien gestorben. Bei einem Vortrag in Monteriggioni bei Siena war der 69-jährige Ökonom zusammengebrochen, eine Herzmassage war vergebens. "Der plötzliche Tod von Professor Helmut Frisch bedeutet für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftswissenschaft in Österreich einen schweren Verlust", betont die Oesterreichische Nationalbank in der Todesnachricht.

Österreich verliere mit Helmut Frisch eine verdiente Persönlichkeit, erklärte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Finanzminister Karl-Heinz Grasser zeigten sich "tief betroffen". SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter würdigte Frisch, der sich sowohl in seiner wissenschaftlichen Arbeit wie auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Staatsschuldenausschusses als äußerst sachkundiger, aber auch, wo es angebracht war, sehr kritischer Experte hervorgetan habe. "Helmut Frisch war ein fachkundiger Ökonom und anerkannter Experte in Budget- und Finanzfragen", sagte der Grünen-Chef Alexander Van der Bellen.

Helmut Frisch galt mehrfach auch als ministrabel, zuletzt war er 1995 als einer der möglichen Nachfolger für den damals zurück getretenen SP-Finanzminister Ferdinand Lacina im Gespräch gewesen, hatte aber von sich aus abgewinkt. Frisch lehrte als Professor der Nationalökonomie seit 1970 an der Universität Linz und ab 1971 an der Technischen Universität Wien, wo er 2005 emeritiert wurde. Die von Frisch immer angestrebte Synthese von Theorie und Praxis der Ökonomie haben ihn dazu befähigt, höchste Funktionen in wirtschaftspolitischen Beratungs- und Entscheidungsinstitutionen auszuüben, heißt es in der Todesnachricht der Notenbank.

Frisch war seit 1978 Präsident des Staatsschuldenausschusses, zuerst in seiner Funktion als Präsident des Verwaltungsrates der Österreichischen Postsparkasse, seit 1997 in dem mit erweitertem Tätigkeitsbereich ausgestatteten, bei der Oesterreichischen Nationalbank angesiedelten Ausschuss. "Bundeskanzler und Minister aller Regierungen haben seinen Rat gesucht", berichtete die Nationalbank. "Seine Stimme hatte in der Öffentlichkeit großes Gewicht". Von 1993 bis 2003 war Frisch auch Generalrat der OeNB gewesen.

Unermüdlich hatte der Wirtschafts- und Staatswissenschafter, Jurist, Finanzmathematiker und Haushaltsexperte vor Budgetnöten gewarnt, die Schuldenmacherei von amtierenden Finanzministern als "unsozial" gegeißelt. Wenn er alljährlich den "Staatsschuldenbericht" präsentierte, dann zog er ernüchternde Bilanz und ließ regelmäßig durch radikale, oft unpopuläre Spar-Ansätze aufhorchen, mit denen er zugleich auch "Sozialutopisten" abkanzelte.

Der Staatsschuldenausschuss, der seit 1970 ein Gremium der Österreichischen Postsparkasse war, wurde 1997 rechtlich verselbständigt und bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) angesiedelt. Der von den Sozialpartnern besetzte Staatsschuldenausschuss ist ein von der OeNB unabhängiges Forum zur Beratung des Bundes.
(apa/red)

10.7.2006 12:10