Freitag, 7. Juli 2006

Sensationsfund in Altötting: Einzigartiges Foto von Mozarts Witwe Constanze entdeckt

  • 78-Jährige hat sich im Jahr 1840 fotografieren lassen
  • Musikwissenschafter: Constanze-Bild ein "alter Hut"

Im bayerischen Wallfahrtsort Altötting ist das einzige bekannte Foto der Mozart-Witwe Constanze entdeckt worden. Das Bild stamme aus dem Oktober 1840 und sei bei einer Feier entstanden, berichtete die Altöttinger Stadtverwaltung am Donnerstag. Da erst ein Jahr zuvor überhaupt das Verfahren für Fotografien - die Daguerreotypie - veröffentlicht worden war, zähle das Bild zu den frühesten Beispielen der Fotografie in Bayern.

Es sei das erste und einzige Mal gewesen, dass die damals 78-jährige Witwe des Komponisten sich habe fotografieren lassen. Die Geschichte von der Entstehung des Bilds wird nun in einer Ausstellung im Altöttinger Rathaus erzählt.

Den Angaben zufolge entdeckten Forscher im vergangenen Jahr im Stadtarchiv das auf dem 70. Geburtstag des Altöttinger Komponisten Max Keller aufgenommene Bild. Die in zweiter Ehe mit Georg Nikolaus Nissen verheiratete Mozart-Witwe ist darauf mit der Familie Keller abgelichtet zu sehen. Bei dem gefundenen Bild handle es sich aber nicht um die ursprüngliche Daguerreotypie, sondern um eine Ablichtung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch intensive Forschungen von Stadtheimatpflege und Stadtarchiv seien die Authentizität des Bildes, seine Entstehungsgeschichte und Überlieferung weitestgehend geklärt worden.

Wolfgang Amadeus Mozart hatte die gebürtige Constanze Weber 1782 geheiratet. Die beiden hatten zusammen sechs Kinder, von denen allerdings nur zwei das Säuglingsalter überlebten. Nach dem Tod Mozarts 1791 bewahrte die im badischen Zell im Wiesental geborene Tochter eines Amtsmannes das musikalische Erbe ihres Mannes.

Wissenschafter: Foto "alter Hut"
Das Foto ist laut dem Wiener Musikwissenschafter Michael Lorenz "ein alter Hut". Das Bild sei bereits in den 1950er Jahren zwei Mal publiziert worden, teilte Lorenz in einer Aussendung mit Verweis auf einen Aufsatz von E. H. Mueller von Asow in der Österreichischen Musikzeitschrift vom März 1958 mit. Bis heute gebe es allerdings keinen glaubhaften Nachweis einer Deszendenz dieser Ablichtung aus der Familie des Altöttinger Komponisten Max Kellers.

(apa/red)

7.7.2006 12:48