EZB hält Leitzins konstant bei 2,75 %: Nächste Steigerung für August erwartet
- Hatte wegen Preisstabilitäts-Risiken zuletzt erhöht
·Zinsen im Euro-Raum
weiter im Steigflug
Zentralbank erhöht -Zinsen erwartungsgemäß
·Litauen nicht reif für Beitritt zur Eurozone
Finanzminister sehen Kriterien nicht erfüllt
Die Verbraucher im Euro-Raum müssen sich auf weiter steigende Zinsen einstellen. Zwar ließ die Europäische Zentralbank die Zinsen am Donnerstag erwartungsgemäß unverändert, deutete aber eine Erhöhung für Anfang August an. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte nach der Rats-Entscheidung in Frankfurt am Main, die Währungshüter seien sehr wachsam, um Risiken für die Preisstabilität auszuschließen. Der Gebrauch des Wortes "wachsam" gilt Beobachtern als Zeichen dafür, dass die EZB den Weg für eine Zinserhöhung bereitet.
Zudem betonte Trichet, bei der nächsten Zinssitzung am 2. August werde nicht wie während der Sommerferien üblich per Telefonkonferenz entschieden, sondern die Ratsmitglieder würden anwesend sein. Analysten halten nun mit eine Zinserhöhung Anfang August von 0,25 Prozentpunkte für wahrscheinlich.
Die Inflationsrate im Euro-Raum lag im Juni nach ersten Schätzungen bei 2,5 Prozent und damit über der von der EZB als Preisstabilität definierten Marke von 2 Prozent. Auch in der zweiten Hälfte 2006 und im Schnitt des Jahres 2007 werde die Inflationsrate vermutlich über 2 Prozent liegen, abhängig von der weiteren Entwicklung der Energiepreise, sagte Trichet. Er wies darauf hin, dass das größte Risiko für einen weiteren Anstieg der Lebenshaltungskosten in den hohen Ölpreisen liege.
Positiv beurteilte der EZB-Präsident die Konjunkturaussichten, die sich weiter verbessert hätten. Das Wirtschaftswachstum habe im ersten Halbjahr an Stärke gewonnen. Die Weltkonjunktur laufe gut, was den Exportunternehmen im Euro-Raum zu Gute komme, die Investitionen sollten steigen und der private Konsum anziehen, erläuterte Trichet.
Die Währungshüter hatten zuletzt Anfang Juni die geldpolitischen Zügel angezogen. Es war die dritte Erhöhung in sieben Monaten. Der entscheidende Leitzins liegt seitdem bei 2,75 Prozent. Mit einem weiteren Zinsschritt zu diesem Zeitpunkt hatten Analysten nicht gerechnet. Zunächst hatten viele auch von der Ratssitzung Anfang August keine Zinserhöhung erwartet. Nach Trichets Äußerung änderte sich die Einschätzung jedoch. So erklärte die NordLB, die Wahrscheinlichkeit für eine Anpassung erst Ende August sei gesunken. Auch die HypoVereinsbank erklärte, die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritt Anfang August sei deutlich gestiegen.
(APA/red)
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