Donnerstag, 6. Juli 2006

Goldmann kommt mit einem blauen Auge davon: ÖBB-Managerin bleibt weiter im Amt

  • Sah sich mit Vorwurf der Untreue konfrontiert
  • Nimmt Verwarnung "unter Protest zur Kenntnis"

Der Aufsichtsrat der ÖBB-Personenverkehrs AG hat am Donnerstag Vorstandsdirektorin Wilhelmine Goldmann wegen der "Verwendung betrieblicher Mittel für nicht betriebliche Zwecke" einen Verweis erteilt, diese aber nicht, wie vielfach erwartet, fristlos entlassen. Aufsichtsratschef Fredmund Malik und ÖBB-Chef Huber begründeten das Vorgehen mit prinzipiellen Überlegungen.

Der Aufsichtsrat sei aber einstimmig zur Meinung gelangt, dass die in die Öffentlichkeit gelangten Vorwürfe "keine ausreichenden Gründe darstellen, von Untreue zu sprechen", sagte Malik, Gründer des gleichnamigen Management-Zentrums St. Gallen. Der als SP-nahe geltende Goldmann, die seit geraumer Zeit Meinungsverschiedenheiten mit ÖBB-Chef Martin Huber hat, wird vorgeworfen, ÖBB-Ressourcen bzw. Personal für den gemeinnützigen Verein "Opernwerkstatt" verwendet zu haben. Ein vergangene Woche an die Öffentlichkeit gesickertes Gutachten hatte eine fristlose Entlassung für möglich erachtet.

Ob nach der Affäre, die zuletzt die österreichische Öffentlichkeit über die Maßen bewegt hatte, Goldmann längerfristig tatsächlich auf ihrem Posten bleibt, scheint heute freilich offen. Sie und ÖBB-General Huber werden auf Aufforderung des Aufsichtsrats jedenfalls Gespräche aufnehmen.

Huber meinte in der Pressekonferenz nach der Aufsichtsratssitzung, er sei "nicht jemand, der Leute verfolgt", wenn wieder Teamgeist einkehre habe er kein Problem mit Goldmann zusammenzuarbeiten. Er sprach von einer "seriösen Lösung", die der Aufsichtsrat gefunden hatte. Auch Goldmann hatte in einer ersten Reaktion ihre Offenheit für solche Gespräche bekundet, äußerte aber ihren Protest gegen den Verweis.

Goldmann hatte Ende vergangenen Jahres vor Journalisten allzu freimütig über die Lage ihres Unternehmens gesagt: "Die wirtschaftliche Situation ist dramatisch" und hatte dies auf zu geringe Vergütungen des Bundes für von der ÖBB erbrachte Leistungen zurückgeführt.

Weder Aufsichtsratschef Malik noch Huber wollten zunächst auf die Schadenshöhe der Goldmann zu Last gelegten Verstöße eingehen. Es gehe ihm ums Prinzip, betonte Malik mehrfach. "So genannte Kleinigkeiten sind unter Umständen Symptome für viel größere Dinge, die dahinter liegen." Es habe noch jeder Skandal mit scheinbaren Kleinigkeiten begonnen, sagte der unter offensichtlicher Anspielung auf die Vorgänge in der BAWAG P.S.K..

"Wir haben ein Thema, und das ist Kosten, Kosten, Kosten", sagte Huber. In einer Situation, in der die ÖBB sparen und Personal abbauen müssten gebe es "keine Kleinigkeiten". Der durch Goldmanns Verhalten entstandene Schaden liege auch sicher "über 1.500 Euro". Imagemäßig war die Sache für das gesamte Unternehmen "nicht gut, das ist gar keine Frage", räumt er ein.

Im Zuge der Diskussion um Goldmann war an die Öffentlichkeit gelangt, dass ein Tochterunternehmen des von Malik geleiteten Managementzentrums einen Vertrag mit den ÖBB hat. Malik musste sich daraufhin in der Öffentlichkeit vorwerfen lassen, dies sei mit seinem Posten als Aufsichtsratspräsident unvereinbar.

Malik räumt am Donnerstag zwar ein, dass er selbst ein "Problem mit der entstandenen schiefen Optik" habe, bestritt aber neuerlich, dass er Kenntnis von dem Vertrag gehabt habe. Es handelt sich um einen Rahmenvertrag über Beratungsleistungen in Höhe von einer Million Euro, ausgeschrieben von der Betriebs-AG der ÖBB. Dabei sei nach einem "klaren Vergabeverfahren" zu Gunsten des Bestbieters entschieden worden, sagte Malik.

Huber wiederholte die Entschlossenheit, die zuletzt auch vom Rechnungshof kritisierten Kosten für ÖBB-Berateraufträge senken zu wollen. Malik und Huber kündigten an, untersuchen zu lassen, auf welchem Weg das Rechtsgutachten, das die große öffentliche Aufmerksamkeit erst angefacht hatte, an die Öffentlichkeit gelangt war.

SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer beurteilte die Verwarnung als eine "völlig überzogene Fehlentscheidung, die nur dazu dient, eine in einer Männerdomäne erfolgreiche Frau hinaus zu katapultieren". Ähnlich auch die Stellungnahme der früheren Frauenministerin Johanna Dohnal und der grünen Verkehrssprecherin Gabriela Moser, die eine "Umfärbeaktion" und "politisches Mobbing" zu erkennen glaubt.

(apa)

6.7.2006 19:22