Streit um LKW-Maut wieder voll entbrannt: Kommt Ausdehnung auf Auswechrouten?
- AK & VCÖ für flächendeckende Maut, WKÖ dagegen
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Der Streit um eine Ausdehnung der Lkw-Maut ist am Dienstag anlässlich einer Fachtagung der Arbeiterkammer zu diesem Thema wieder voll entbrannt. Der Autofahrerklub ÖAMTC forderte die Ausdehnung der Lkw-Maut auf die Ausweichrouten. Arbeiterkammer und Verkehrsclub Österreich (VCÖ) traten für eine generelle Abgabe auf allen Straßen ein. Die Wirtschaft lehnt eine flächendeckende Lkw-Maut entschieden ab, bekräftigte WKÖ-General Reinhold Mitterlehner.
Der ÖAMTC bezeichnete eine Ausweitung der Lkw-Maut auf untergeordnete Straßen als notwendig, die parallel zum hochrangigen Straßennetz verlaufen. Nur so könne verhindert werden, dass Lkw auf Bundes- oder Landesstraßen ausweichen, um der Straßenmaut zu entgehen, sagte ÖAMTC-Expertin Elisabeth Brugger-Brandau.
AK-Verkehrsexpertin Sylvia Leodolter sagte, die bereits geltende EU-Wegekosten-Richtlinie erlaube endlich die Umsetzung der alten AK-Forderung, die Lkw-Maut auf das gesamte Straßennetz auszudehnen, also auf Länder- und Gemeindestraßen, wie in der Schweiz. Wenn nicht die Allgemeinheit, sondern der Lkw endlich seine Kosten bezahle, könne mehr Geld für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und des öffentlichen Verkehrs ausgegeben werden. Laut deutschem Umweltressort würden die Straßen durch einen schweren 40-Tonner-Lkw etwa 60.000-mal so stark belastet wie durch einen Pkw, so Leodolter.
Österreich soll Möglichkeiten der Wegekosten-Richtlinie nützen
Wolfgang Rauh vom VCÖ verlangte, Österreich sollte die mit der Wegekosten-Richtlinie gegebene Möglichkeit nützen, um das rapide Wachstum des Lkw-Verkehrs zu bremsen. In der Schweiz gelte seit dem Jahr 2001 eine Lkw-Maut auf allen Straßen. Die Lkw-Kilometer seien daraufhin von 2,2 auf 1,9 Mrd. pro Jahr zurückgegangen. Durch eine flächendeckende Lkw-Maut würden sich Investitionen in eine bessere Logistik rentieren, die Leerfahrten würden abnehmen.
Die Wirtschaftskammer lehnt Forderungen nach einer Lkw-Maut auch abseits von Autobahnen und Schnellstraßen entschieden ab, da dies fast ausschließlich heimische Betriebe treffen würde und die Nahversorgung verteuern würde, so WKÖ-General Mitterlehner: "Eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene ist so sicher nicht zu erreichen. Gerade im kleinräumigen Verteilerverkehr gibt es keine Alternative zur Straße. Schienentransporte stellen grundsätzlich erst ab einer Distanz von rund 300 km eine sinnvolle Alternative zur Straße dar", sieht Mitterlehner im AK-Vorstoß eher eine "Strafaktion gegen den Straßengüterverkehr."
Bei kürzeren Entfernungen sei der Straßentransport zu und von den Bahnhöfen dann oft länger als die reine Schienenstrecke. Und der Umschlag vom Lkw auf die Bahn und wieder zurück verteuere den Transport noch zusätzlich. Als Beispiel nennt Mitterlehner einen Transport von Wien nach Wels: Während sich die Kosten für diese Strecke auf der Straße auf 320 Euro belaufen würden, koste derselbe Transport unter Einbindung der Bahn 433 Euro, sei also um mehr als ein Drittel teurer.
(apa/red)
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