Endlich Ruhe in Wimbledon: Scharapowa trieb "Kreischometer" bis zum Anschlag
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Französin schlägt Henin-Hardenne in drei Sätzen
Sir Peter Ustinov machte schon vor Jahren schlüpfrige Witze über ihresgleichen. Wimbledons Oberschiedsrichter Alan Mills hätte ihr am liebsten noch das Handwerk gelegt, bevor er in Rente ging. Und die Londoner "Times" widmete der "kreischenden Maria" sogar eine ganze Seite. Doch Maria Scharapowa zeigte sich unbeeindruckt von Kritik und Spott. Sie stöhnte und grunzte ohne Unterlass auch im Halbfinale des Grand-Slam-Tennisturniers, ehe sie nach drei Sätzen gegen die Französin Amelie Mauresmo ausschied.
Endlich Ruhe auf dem "Heiligen Rasen". "Beim nächsten Mal werde ich mich beschweren", meinte die stille Russin Jelena Dementjewa. Weil sie ihrer in Florida lebenden Kollegin im Viertelfinale klar unterlegen war, hatte sie nichts sagen wollen. "Das hätte doch ausgesehen wie eine faule Ausrede."
Amelie Mauresmo widerstand auf dem Weg in ihr erstes Wimbledon-Finale, in dem sie am Samstag auf Justine Henin-Hardenne aus Belgien trifft, den Stöhn-Arien mit beeindruckendem Gleichmut. Dabei schlug das "Kreischometer" immer dann besonders heftig aus, wenn Scharapowa am Rande der Niederlage stand. Und das war gegen die Australian-Open-Siegerin aus Frankreich öfters der Fall.
Am Ende nutzte der Russin auch Platz 3 auf der Dezibel-Hitliste der "Times" nicht. Laut Lautstärke-Messung der Tageszeitung machen lediglich Propeller-Flugzeuge beim Start und extrem ekstatische Nachtclubs mehr Krach als Scharapowa auf dem Center Court. Selbst Anwohner in einer Meile Entfernung sollen die lärmende Blondine gehört haben, ohne dass sie dafür den Fernseher einschalten mussten.
Eine Strafe hat Scharapowa dafür noch nie bekommen. Selbst beim traditionsreichsten Tennisturnier der Welt verbietet keine Regel das abnorme Stöhnen. Im offiziellen Grand-Slam-Regelbuch heißt es dazu: "Wenn ein Spieler durch absichtliche Aktionen seines Gegenübers daran gehindert wird, den Punkt zu machen, ist der Punkt ihm zuzuerkennen." Allerdings heißt es auch, dass der Referee erst dann einschreiten kann, wenn sich der Kontrahent beschwert.
"Die Spielerinnen bemerken die Geräusche meistens gar nicht, weil sie viel zu sehr auf sich und das Spiel konzentriert sind", erklärt der angesehene britische Sportpsychologe John Syer. "Es hat nur einen psychologischen Effekt, wenn sich die Gegnerin davon stören lässt." Doch genau das tat Mauresmo bei ihrem Dreisatzsieg nicht.
Die 13.800 Zuschauer auf dem Center Court hatten Mitte des zweiten Satzes dagegen genug. Sie begannen, sich über das Gestöhne lustig zu machen. Die Wimbledonsiegerin von 2004 riss sich daraufhin für ein paar Spiele zusammen. Was beweist, dass sie sich - wenn sie will - ja doch unter Kontrolle haben könnte.
(apa/red)
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