Sonntag, 9. Juli 2006

Schwere Spannungen in Asien: Indien
testet wieder atomwaffenfähige Rakete

  • Auch Nordkorea erhebt Anspruch auf Raketentests
  • Kim Jon II schließt jedes Zugeständnis an USA aus

Inmitten der schweren Spannungen in Asien nach den nordkoreanischen Raketentests hat Indien am Sonntag eine atomwaffenfähige Rakete vom Typ "Agni III" erprobt. Sie wurde von der Insel Wheeler vor der Küste des indischen Unionsstaates Orissa abgefeuert und schlug in der Nähe der Nikobaren in der Bucht von Bengalen im Meer ein, wie die indische Nachrichtenagentur PTI meldete. Die Rakete kann mit einem Atomsprengkopf bestückt werden und bis zu 3000 Kilometer weit fliegen. Es war der erste Test dieses Raketentyps.

2004 war die Rakete vom Typ Agni-II mit einer Reichweite von bis zu 2500 Kilometern getestet worden. Das Nachbarland Pakistan hatte seinerseits eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete vom Typ Ghauri V getestet. Der indische Verteidigungsminister Pranab Mukherjee hatte im Mai mitgeteilt, die Agni-III-Rakete stehe zum Abschuss bereit. Allerdings habe sich die indische Regierung vor einem Test "Zurückhaltung" auferlegt, sagte er damals.

Nordkorea hatte am Mittwoch ohne Vorwarnung mehrere Raketen getestet. Darunter war auch eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von mehr als 6000 Kilometern. Der nordkoreanische Botschafter in Australien, Chon Jae Hong, erklärte in einem Zeitungsinterview, die jüngste Raketentestserie seines Landes sei "militärische Routine" und solle die Fähigkeiten Nordkoreas zur Selbstverteidigung erhöhen. Der Versuch, dies zu verhindern, könne einen Krieg auslösen. Nordkorea habe keine andere Wahl, als "stärkere physische Maßnahmen anderer Formen" zu ergreifen, sollte "es irgendein Land wagen, etwas gegen die Übungen zu haben und Druck dagegen auszuüben", erklärte Chon.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il hat jedes Zugeständnis an die USA ausgeschlossen. Es werde "nicht die kleinste Konzession" geben, erklärte Kim Jong Il, der Partei- und Armeechef ist, am Sonntag nach einem Bericht des nordkoreanischen Fernsehens in Pjöngjang.

Japan besteht wie die USA nach den nordkoreanischen Tests auf Sanktionen seitens der Vereinten Nationen. Eine entsprechende Resolution soll möglicherweise schon am Montag in New York zur Abstimmung gestellt werden. Diese Resolution ignoriert aber die Bedenken der Ständigen Mitglieder China und Russland, die gegen Sanktionen sind. Einen Kompromiss schloss der japanische Außenminister Taro Aso aus. Japan werde nicht nachgeben; eine UNO-Resolution in dieser Angelegenheit müsse Sanktionen gegen Pjöngjang enthalten, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Kyodo.
(apa/red)

9.7.2006 15:16