Sonntag, 9. Juli 2006

"Bruno" schon früher dem Tod geweiht: Bayern änderte heimlich den Abschussbefehl

  • Finnische Bärenjäger sollten Tier täten, nicht fangen
  • Tiroler Landesrat: "Wir haben das lockerer gesehen"

Einen angeblichen "Geheimplan" der Bayern zum Abschuss des Braunbären JJ1 hat der Tiroler Landesrat Anton Steixner in "Die Neue" verraten. Schon drei Tage vor dem Ablauf der Fangaktion rund um den Bären sei der Fangbescheid heimlich geändert worden. "Die finnischen Bärenjäger, die JJ1 nur zum Selbstschutz in einer Gefahrensituation auch erschießen hätten dürfen, bekamen den Auftrag, den Bären aktiv zu erlegen", sagte Steixner.

"Wir in Tirol haben bei dieser Aktion aber nicht mitgemacht", sagte der Landesrat. In Tirol habe weiterhin nur die Notwehrklausel gegolten. "Die Bayern haben von Beginn an einen großen Reisgang vor dem Bären gehabt", fuhr Steixner fort. Sie hätten ihn gleich erschießen lassen wollen. Auf Grund der Tiroler, die JJ1 14 Tage lang eine Chance gaben, dass er gefangen werden könnte, hätten auch die Bayern mitgezogen, hieß es.

"Die Bayern haben uns immer wieder erklärt, dass jeder Tag, an dem der Bär am Leben ist, eine Gefahr sei. Ich war mir bewusst, dass ein Restrisiko besteht, aber ich habe nicht geglaubt, dass der Bär gleich am nächsten Tag ein Kind fressen wird. Auf Tiroler Seite haben wir das immer viel gelöster gesehen", meinte Steixner.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat mittlerweile bekannt gegeben, dass sie wegen des Bärenabschusses kein Ermittlungsverfahren gegen Politiker oder Jäger einleiten wird. In ihrer Begründung bestätige die Staatsanwaltschaft indirekt "den von Steixner aufgedeckten Geheimplan". Sie nenne in ihren Ausführungen als Datum des bayrischen Abschussbescheides den 23. Juni. Dies sei exakt drei Tage vor dem offiziellen Ende der Fangaktion, hieß es in "Die Neue".(apa/red)

9.7.2006 09:59