Freitag, 7. Juli 2006

Vatikan vs. Rechtsstaat: Christen dürfen unmoralische Gesetze nicht befolgen!

  • "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen"
  • Spanien: Kritik an Homo-Ehe bei Weltfamilientreffen

Es ist die Gewissenspflicht der Christen, staatlichen Gesetzen nicht Folge zu leisten, wenn sich diese Gesetze gegen die moralische Ordnung, die grundlegenden Menschenrechte oder die Lehre des Evangeliums richten. Dies betonte der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada, beim pastoraltheologischen Kongress im Rahmen des 5. katholischen Weltfamilientreffens im spanischen Valencia.

Menschliche Gesetze und richterliche Entscheidungen, die sich gegen das Gesetz Gottes richten, seien zutiefst "ungerecht", betonte Levada. "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen", so der Präfekt der Glaubenskongregation, der im Vorjahr dem zum Papst gewählten Joseph Ratzinger in diesem Amt nachgefolgt war.

Der US-amerikanische Kurienkardinal erinnerte daran, dass die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott gewollt sei; sie gehöre zur Natur des Menschen. Die Kirche habe daher immer die Bedeutung der Familie als der fundamentalen Einheit der Gesellschaft betont.

Auch der Präfekt des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten, Kardinal Julian Herranz, betonte in Valencia, man müsse von den Gesetzgebern in aller Welt verlangen, dass sie die Ehe "als Verbindung von Mann und Frau" anerkennen, die "offen für Nachkommenschaft ist". Diese Sicht der Ehe sei nicht "ein Postulat der Kirche", es handle sich vielmehr um eine "anthropologische Wirklichkeit", sagte er in Anspielung auf die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, die unter anderem auch von der sozialistischen spanischen Regierung eingeführt wurde.

Zugleich unterstrich der spanische Kurienkardinal, dass die moderne Wissenschaft die kirchliche Auffassung bestätigt hat, wonach "die befruchtete Eizelle vom Augenblick der Empfängnis an ein menschliches Wesen ist". Allen politischen und wirtschaftlichen Interessen zum Trotz müssten sich alle Verantwortungsträger im öffentlichen und juridischen Bereich diese Wahrheit bei allen Entscheidungen vor Augen halten.

Der Erzbischof von Toledo, Kardinal Antonio Canizares, bedauerte, dass die Familie heute vielfach ihrer Aufgabe im Bereich der "Weitergabe des Glaubens" nicht mehr nachkomme. Das sei zugleich die Ursache der verbreiteten "Krise des Glaubens". "Krise der Familie" und "Krise des Glaubens" seien zutiefst miteinander verbunden, betonte der Primas von Spanien.

Es gebe heute das Phänomen des "Dramas des stillen Glaubensabfalls", der "Säkularisierung" der kirchlichen Gemeinschaft, sagte Canizares. Daher habe die christliche Familie heute mehr denn je die Aufgabe, die neuen Generationen in den Glauben an Christus und in die kirchliche Gemeinschaft einzuführen. In einer fragmentierten Gesellschaft sei gerade die Familie die "erste und grundlegende Schule des Menschseins". (apa)

7.7.2006 18:36