Kommt Soldat bald frei? Israel verweigert Verhandlungen über Gefangenenaustausch!
- Präsident Abbas ruft zu Ende der Gaza-Offensive auf
- Israel vs. radikale Palästinenser: Kämpfe dauern an
·Kämpfe in Gaza:
16 neue Todesopfer
Der blutigste Tag seit Beginn der Offensive
·Kommt israelischer Soldat doch bald frei?
Bedingungen für Frei- lassung: Häftlingstausch
·UNO beschäftigt sich mit Gaza-Offensive
EU rief Israel zum Stopp der Militäroperation auf
Israel schließt nach den Worten seines Innenministers Roni Bar-On Verhandlungen mit der radikalen Hamas über einen Austausch palästinensischer Gefangener gegen den entführten Soldaten Gilad Shalit aus. Darin sei er sich in einem am Abend mit Regierungschef Ehud Olmert geführten Gespräch einig gewesen, sagte der Innenministerim israelischen Fernsehen.
Mit dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, habe es einst Möglichkeiten für Gespräche über einen Gefangenenaustausch gegeben. Mit der Hamas gebe es diese Möglichkeiten jedoch nicht, fügte Bar-On hinzu.
Der Minister für innere Sicherheit, Avi Dichter, hatte nur wenige Stunden zuvor laut der Online-Ausgabe der Zeitung "Yedioth Ahronoth" gesagt: "Wenn Israel Gefangene freilassen soll, um seinen Soldaten zurückzubekommen, wird es das tun." Ein Vertrauter des Sicherheitsministers hatte später erläutert, Dichter habe keinen Gefangenenaustausch vorgeschlagen, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass Israel Gefangene freilassen könne, wenn sich die Lage beruhigt haben sollte.
Abbas: "Gaza-Offensive beenden"
Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas rief die internationale Gemeinschaft auf, für ein Ende der israelischen Offensive im Gaza-Streifen zu sorgen, um Platz für Vermittlungsbemühungen zu schaffen. "Wir arbeiten mit arabischen Vertretern, vor allem Ägypten, daran, dass der Soldat seiner Familie zurückgegeben wird", sagte Abbas am Freitag vor Journalisten in Gaza. "Die Fortsetzung der israelischen Aggression behindert diese Bemühungen." Abbas zufolge erhielt Ägyptens Präsident Hosni Mubarak "israelische Versprechen", wonach palästinensische Gefangene nach einer Herausgabe des Soldaten freigelassen würden. Die Ägypter seien nach wie vor der Überzeugung, dass eine Einigung möglich sei, so Abbas. Er forderte zudem die militanten Palästinensergruppen erneut zu einem Ende des Raketenbeschusses gegen Israel auf.
Der palästinensische Präsident kritisierte Hamas-Innenminister Said Siam, weil er seine Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt und sie aufgefordert hatte, den israelischen Angriff im Gaza-Streifen abzuwehren. Eine solche Mobilisierung könne nur vom Präsidenten selbst angeordnet werden, sagte Abbas.
Kämpfe gehen weiter
Im Gaza-Streifen gingen die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern unterdessen weiter. Bei Schusswechseln in der Stadt Beit Lahiya starben nach Angaben von Ärzten vier Palästinenser. Zwei weitere kamen bei einem Luftangriff ums Leben. Ein palästinensischer Kameramann wurde durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt, als er die Kämpfe in Beit Lahiya filmte.
Auch am Freitag feuerten Palästinenser wieder Raketen auf Israel. Nach Armeeangaben landeten fünf Geschoße in der israelischen Stadt Sderot und verletzten drei Menschen leicht. In der 120.000-Einwohner-Stadt Ashkelon landete eine weitere Rakete, die jedoch keinen Schaden anrichtete.
"Die Terroristen haben bisher einen hohen Preis bezahlt", meinte Israels Generalstabschef Dan Halutz zum Verlauf der Kämpfe. Er drohte den Palästinensern mit weiteren Angriffen. Halutz sagte bei einem Besuch der Soldaten im nördlichen Gaza-Streifen, es werde die bewaffneten palästinensischen Gruppierungen "teuer zu stehen kommen", wenn sie Shalit weiter festhielten und den Raketenbeschuss fortsetzten.
Die Hamas erklärte dagegen, die "an unserem Volk begangenen zionistischen Massaker" seien nicht geeignet, um die Freilassung des Soldaten zu erreichen. Dies könne nur durch Verhandlungen erzielt werden. Der Mann werde entsprechend der Vorgaben des Islam gut behandelt. Bisher hat es keine Beweis gegeben, dass der Soldat noch am Leben ist. Die israelische Regierung geht jedoch nach eigenen Angaben davon aus.
EU-Kritik an Israel
Die Europäische Union übte scharfe Kritik an Israels Vorgehen im Gaza-Streifen. "Die EU verurteilt den Verlust an Menschenleben, der durch die unangemessene Gewaltanwendung der israelischen Streitkräfte verursacht wurde und die humanitäre Krise, die sie verstärkt hat", erklärte Finnlands Ministerpräsident Matti Vanhanen. Sein Land hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Die EU forderte die Freilassung des israelischen Soldaten, ein Ende der Raketenangriffe auf Israel und eine Freilassung der festgehaltenen Hamas-Regierungsmitglieder. Israel hat mehr als ein Drittel des Hamas-Kabinetts festgenommen. Die Gruppe hat sich die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben. (apa/red)
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