'Kein Giebelkreuz über BAWAG': Mehrere Institute an Kauf der ÖGB-Bank interessiert
- RZB-Rothensteiner: Kann nicht daran vorbei gehen
- Nowotny für Konsortien aus Banken & Versicherungen
·Bawag-Kauf für Erste
noch nicht vom Tisch
NEWS-Interview mit Generaldirektor Treichl
·Nächste Woche erste Info zu Bawag-Verkauf
Nowotny erwartet Kombi aus Bank & Versicherung
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Schützt BAWAG, ÖGB vor
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BAWAG: Steuervorteil bei Erwerb von Penthouse
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Staatsanwaltschaft sichtet
derzeit Beweismaterial
Vor dem Aufliegen der ersten Informationsbroschüre zum Verkauf der angeschlagenen Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. am 14. Juli haben praktische alle großen Banken in Österreich - mehr oder weniger vorsichtig - ein mögliches Interesse an den Tag gelegt. Auch ausländische Finanzinstitute zeigen sich interessiert. BAWAG-Chef Ewald Nowotny hatte in Zeitungsinterviews von "langen und bunten" Interessentenlisten gesprochen, allerdings auch betont, dass im Verlauf des Verkaufsprozedere zum Datenraum nur zugelassen werde, wer es wirklich ernst meint.
Nowotny räumt den großen Instituten allerdings aus kartellrechtlichen Gründen eher wenig Chancen ein und erteilt jedenfalls Raiffeisen eine Absage. Über der BAWAG werde "sicher nie das Giebelkreuz prangen", so Nowotny in einer Interview in den "Oberösterreichischen Nachrichten". Als neue Eigentümer präferiert werden vom BAWAG-Chef Konsortien von Banken und Versicherungen aus dem In- oder Ausland.
Raiffeisen trotzdem interessiert
Raiffeisen Zentralbank (RZB)-Generaldirektor Walter Rothensteiner sieht bezüglich kartellrechtlicher Fragen durchaus Übereinstimmung mit dem BAWAG-Chef, deponiert aber trotzdem das Interesse von Raiffeisen. In der ersten Phase könne man nicht an einem so renommierten Institut mit einem großen Netzwerk und dem Zahlungsverkehr der Republik Österreich vorbeigehen, sagte Rothensteiner heute. Kartellrechtliche Probleme ließen sich unter Umständen lösen. Beschlüsse gebe es bei Raiffeisen aber noch keine.
Der Chef der größten Bank in Österreich, Bank Austria Creditanstalt (BA-CA)-Generaldirektor Erich Hampel, wollte für sein Haus eine BAWAG-Übernahme nicht ausschließen. Das Informationsmemorandum werde man sich "sehr genau" ansehen. Mit dem Eigentümer, der italienischen Großbank UniCredit sei akkordiert, dass die BA-CA nach wie vor daran interessiert sei, durch Akquisitionen zu wachsen. Konkrete Beschlüsse gebe es aber nicht.
Erste will nicht selber aktiv werden
Aus der Erste Bank, der Nummer zwei am österreichischen Bankenmarkt, heißt es, man werde nicht selber aktiv werden, "aber wenn es der dringende Wunsch ist, dass wir uns gemeinsam mit der Wiener Städtischen - wir würden das nur zusammen machen - um die BAWAG bemühen sollen, dann werden wir sicherlich nicht Nein sagen", so Erste Bank-Generaldirektor Andreas Treichl in der dieswöchigen Ausgabe des Magazin "News". Die Verkaufsunterlagen will sich auch die Erste abholen. Treichl: "Natürlich sollte man sich diese anschauen, weil man Informationen über den Mitbewerber erhalten kann."
Die österreichischen Volksbanken sind eher vorsichtig. Die ÖVAG zähle sich nicht zu den Top-Interessenten und beobachte aus der zweiten oder dritten Reihe, hatte zuletzt der Generaldirektor der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG), Franz Pinkl erklärt. "Strategisch" interessant wären die 1,2 Millionen Kunden für die Volksbanken jedenfalls, weise man im Retail-Bereich doch nicht jene Stärken auf wie in anderen Geschäftsfeldern.
Mögliche Käufer aus dem Ausland
Aus dem Ausland fielen bisher unter anderem Namen wie die spanischen Institute Banco Santander Central Hispano (BSCH) und Banco Bilbao Vizcaya Agentaria (BBVA), aber auch die italienische Intesa. Intesa kooperiert in Italien mit der Generali Versicherung. Generali Österreich-Chef Karl Stoss hatte erst kürzlich erklärt, dass er sich im Rahmen eines Konsortiums eine Beteiligung von 3 bis 5 Prozent vorstellen könne. Einen Teaser würde er sich abholen. Die Generali war in Medien gemeinsam mit der Commerzbank als BAWAG-Bieter ins Spiel gebracht worden, aus der italienischen Versicherung und er deutschen Bank hatte es dazu nur knapp "kein Kommentar" geheißen. Als ein Interessent aus Deutschland war auch die Allianz Versicherungsgruppe genannt worden.
Ins Gespräch gebracht hat sich auch das ukrainische Konsortium rund um den Ukrpodshipnik-Konzern, das bei der Bank Burgenland abgeblitzt ist. Die Wiener Ukrpodshipnik-Tochter Slav-AG könnte gemeinsam mit einer großen ausländischen Bank ein Angebot legen, hatte das Unternehmen Mitte Juni erklärt - und das wurde gegenüber der APA bekräftigt. Ob man tatsächlich mitbieten werde und in welcher Form, sei noch nicht entschieden. Man habe bisher lediglich "mit dem Gedanken gespielt, ein kleines Aktienpaket" der BAWAG zu kaufen. Als weiterer möglicher Interessent aus Osteuropa wurde heute auch die ungarische OTP genannt.
Verkauf an "Heuschrecken" nicht goutiert
Nicht goutiert wird ein möglicher Verkauf der BAWAG an "Heuschrecken", also hochspekulative Finanzinvestoren, wenngleich dies in Finanzkreisen immer wieder als mögliche Variante genannt wurde. Finanzminister Karl-Heinz Grasser hatte Mitte Juni erklärt, er sehe sich zwar in einer "passiven Rolle" beim BAWAG-Verkauf, lehne einen Verkauf an hochspekulative Finanzinvestoren aber ab. ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer hatte erst diese Woche klar gestellt, der ÖGB verkaufe die BAWAG "vernünftig und Standort orientiert, weswegen Hedge Fonds nicht unbedingt unsere Adressaten sind".
Die kolportierten Zahlen über einen möglichen Kaufpreis gehen derzeit weit auseinander. Den Refco-Gläubigern jedenfalls wird jeder dritte Euro mehr zufließen soll, der über einen Kaufpreis von 1,8 Mrd. Euro hinaus geht, maximal aber 200 Mio. Dollar (157 Mio. Euro). Von vielen Experten wird ein Kaufpreis von 1,8 bis 2 Mrd. Euro für möglich gehalten. In der heutigen Ausgabe des "Standard" spricht ein Analyst sogar davon, dass man für die BAWAG sicher den doppelten Buchwert bekommen könnte, also rund 3,2 Mrd. Euro. Sein Vergleich: In Rumänien werden Banken zum Fünffachen ihres Buchwerts verkauft. Dort seien zwar die Wachstumkurven ungleich steiler als im gesättigten Markt Österreich, trotzdem liege in der BAWAG "viel Potenzial".
Ungarn bekunden Interesse
Als möglicher BAWAG-Käufer ist nun auch die ungarische Großbank OTP im Gespräch. "Die OTP prüft derzeit, ob es den Aufwand lohnt, sich am Bieterverfahren zu beteiligen", wird eine mit der Situation vertraute Quelle zitiert. "Es gibt gute Gründe zu bieten und auch gute Gründe, nicht zu bieten. Österreich ist bereits ein reifer Bankenmarkt, wächst aber noch immer und die BAWAG hat einige gute Positionen." Die OTP selbst wollte diese Angaben nicht kommentieren.
Falls die OTP tatsächlich für die BAWAG bieten sollte, wäre es das erste Mal, dass sich die ungarische Bank in Westeuropa engagiert. Die OTP hat vor kurzem Banken in Russland, der Ukraine und Serbien gekauft und sucht auch nach weiteren Übernahmezielen in Osteuropa - Zukäufe in Westeuropa seien "unwahrscheinlich", hieß es bisher aus Budapest.
OTP fehlt Geld zum Bieten
Die OTP verfüge derzeit auch nicht über das Geld, um für die BAWAG bieten zu können, deren Buchwert 1,7 Mrd. Euro beträgt. "Die OTP könnte das Geld aufbringen, etwa durch die Ausgabe neuer Aktien - aber derzeit verfügt sie nicht über die nötigen Mittel", sagte die Quelle. Die OTP verfügt nach letzten Angaben über eine Kriegskasse von 1,2 Mrd. Euro für Akquisitionen. Ein Teil dieses Geldes ist de facto aber bereits ausgegeben - erst heute wurde der Vertrag für die Übernahme der serbischen Kulska banka um 118,6 Mio. Euro unterzeichnet, nachdem vor wenigen Tagen die Akquisition der russischen Investsberbank um 375 Mio. Euro fixiert worden war. Ein Vorvertrag für die Totalübernahme der größten montenegrinischen Bank Crnogorska komercijalna banka (CKB) um 100 Mio. Euro soll laut lokalen Medienberichten bereits Mitte Juni unterzeichnet worden sein.
(apa/red)
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