Sonntag, 9. Juli 2006

Deutschkenntnisse als Kriterium: ÖVP will eigene Schulklassen für Zuwandererkinder

  • Vor allem "Quereinsteiger" sollen gefördert werden
  • Soll Sprachschwierigkeiten in der Schule ausgleichen

Die ÖVP will Zuwandererkinder ohne genügende Deutschkenntnisse für ein Jahr in eigene Ausländerklassen stecken. "Man sammelt im städtischen Bereich quer durch alle Nationen alle, die nicht genügend Deutsch können - vor allem Quereinsteiger, die während des Schuljahres bzw. in der Schulpflichtphase ins Land kommen", sagte ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek der Tageszeitung "Kurier".

"Es braucht treffsichere Maßnahmen zur sprachlichen Integration", betonte Brinek. So solle in Bezirken mit vielen Kindern nichtdeutscher Muttersprache die Klassenschülerhöchstzahl von derzeit 30 auf etwa 15 gesenkt werden. Eine Alternative wäre eine Migrantenkinder-Quote pro Region: In einer Klasse sollen nicht mehr als vier bis fünf Schüler mit Sprachschwierigkeiten sein, "ähnlich der Behindertenintegration".

Eine Klasse pro Bezirk
Für Acht- bis Neunjährige sowie Zehn- bis Zwölfjährige mit ungenügenden Deutschkenntnissen solle es jeweils eine eigene Klasse pro Bezirk oder Region geben. Nach einem Jahr sollten diese "außerordentlichen Schüler" (keine Noten, nur Schulbesuchsbestätigung) so weit sein, dass sie dem Regelunterricht folgen und in die zuständige Sprengelschule wechseln können.

Brinek fordert außerdem eine Berücksichtigung des kulturellen Hintergrunds bei der Auswahl der Lehrer. Es sollten primär Männer der zweiten oder dritten Generation sein, "weil vor allem türkische Buben zuerst gleichgeschlechtliche Orientierung brauchen, um erfolgreich zu sein. Für sie ist es ein Kulturschock, wenn ihnen eine österreichische Lehrerin sagt, wo es langgeht."

Die ÖVP-Politikerin denkt auch über eine "Elternschule" nach. "Mütter und Väter, die mit schulpflichtigen Kindern ins Land kommen, sollten in die schulische Leistungskultur eingeführt werden, etwas über das Schulsystem lernen." Auch das Schulgeld sollte sozial gestaffelt sein: "Der UNO-Beamte zahlt mehr als der Abwäscher aus der Türkei." (APA/red)

9.7.2006 22:07