Freitag, 7. Juli 2006

Feuerwerhren im Dauereinsatz: Viele Keller nach schweren Unwettern überschwemmt!

  • Tirol: Bäume stürzten auf Kaunertal-Gletscherbahn
  • Auch Salzburg und OÖ betroffen. PLUS: Prognose!

Vom Westen her ziehen wieder schwere Unwetter über Österreich. Besonders stark betroffen waren Donnerstagnacht Tirol, Salzburg und Oberösterreich. Im Tiroler Kaunertal stürzten zwei Bäume infolge des Sturms um und trafen die Kaunertal-Gletscherbahn. Die Anlage wurde daraufhin automatisch gestoppt. Acht Passagiere - vier Franzosen und vier Deutsche - mussten von der Bergrettung und einem Polizeihubschrauber geborgen werden. Verletzt wurde niemand. Ob die Bahn beschädigt wurde, ist noch unklar. In Salzburg und Oberösterreich kam es nach heftigen Regenfällen zu zahlreichen Überschwemmungen.

Ein heftiges Gewitter mit enormem Starkregen hat auch den Norden Salzburgs heimgesucht. In etwa einer stunde fielen rund 30 Liter Regen pro Quadratmeter, was laut Statistik nur alle fünf Jahre passiert, so Bernhard Niedermoser von der Wetterdienststelle Salzburg. Die Folge waren zahlreiche kleinräumige Überschwemmungen.

Auf dem Untersberg habe ein privater Beobachter sogar 45 Liter Regen gemessen, schilderte Niedermoser. Auch wenn so große Mengen statistisch nur selten vorkommen, hatte es in Salzburg erst acht Tage davor ein Gewitter mit denselben Mengen gegeben. Hagel und Sturmschäden gab es am Donnerstag zum Glück keine.

80 Einsätze in Salzburg
In der Landeshauptstadt mussten Berufs- und Freiwillige Feuerwehr zu 80 Einsätzen ausrücken. Die Kanalisation konnte die großen Regenmengen in der kurzen Zeit nicht aufnehmen, so dass zahlreiche Keller, Tiefgaragen und Unterführungen unter Wasser standen. 84 Feuerwehrleute hatten innerhalb von vier Stunden die Einsätze abgearbeitet. Da aber der Regen schon nach kurzer Zeit wieder stark nachgelassen hatte, rann das Wasser vielfach von alleine ab, so dass die Feuerwehr gar nicht mehr kommen musste.

In 19 Landgemeinden wurde die Feuerwehr insgesamt 52 Mal gerufen, wie ein Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos schilderte. Am häufigsten betroffen war der Flachgau, wo es in zwölf Orten zu Überschwemmungen kam. Außerdem mussten die Helfer in Hallein (Tennengau), St. Johann im Pongau, Unken, Lofer, St. Martin bei Lofer, Maishofen und Zell am See (alle Pinzgau) ausrücken, wobei es in Maishofen keine Überschwemmung gab, sondern etliche Bäume vom Sturm ungerissen worden waren.

Starke Niederschläge in Oberösterreich
Auch im oberösterreichischen Zentralraum waren die Feuerwehren im Dauereinsatz. Im Bezirk Ried schlug der Blitz in eine Scheune ein und setzte sie in Brand. Zwei Kälber starben. Zahlreiche Keller mussten ausgepumpt werden. In Enns (Bezirk Linz-Land) hatte die Feuerwehr nicht weit zum Einsatzort: Der starke Regen setzte das Zeughaus unter Wasser.

Die Feuerwehr in Traun bei Linz musste ausrücken, weil ein mehrere tausend Quadratmeter großes Feld zu brennen begonnen hatte. Brandursache waren Hitze und Trockenheit. Wenige Stunden später dann das Kontrastprogramm: Heftige Regenfälle gingen nieder und binnen kürzester Zeit standen Keller und Straßen unter Wasser. Hunderte Florianijünger standen im Einsatz und pumpten Wasser aus überfluteten Häusern. Mehr als 60 Mal wurden sie in der Nacht zu Hilfe gerufen.

In Enns waren die Niederschläge so stark, dass der Kanal schnell überlastet war. Das Wasser konnte nicht mehr abfließen und drang in mehrere Keller ein. Als die Feuerwehrmänner gerade ausrücken wollten, mussten sie allerdings feststellen, dass sich ihr Zeughaus mit Wasser füllte. Der längste Einsatz der Nacht fand "in den eigenen vier Wänden" statt.

Blitz tötet zwei Kälber
In Mehrnbach (Bezirk Ried im Innkreis) schlug ein Blitz in eine Scheune eines Bauernhofs ein und setzte sie in Brand. Die Flammen griffen schnell auf den angrenzenden Stall über. 122 Mann der Feuerwehr waren im Einsatz. Es gelang ihnen, einen Großteil der Kühe in Sicherheit bringen. Zwei Kälber konnten aber nicht mehr gerettet werden und verbrannten hilflos. Die Scheune und der Dachstuhl des Stalls wurden ein Raub der Flammen, der Schaden dürfte etwa 250.000 Euro betragen.

Zusätzlich zum ohnehin großen Arbeitspensum der Feuerwehr kam noch so mancher leere Kilometer: Blitzschläge irritierten in vielen Teilen des Landes die Brandmeldeanlagen. Zahlreiche Fehlalarme waren die Folge.

Umgestürzte Bäume und Blitzschlag in Tirol
In Tirol haben sich die Unwetterschäden in Grenzen gehalten. Im Bezirk Landeck mussten acht Passagiere aus einer Gondelbahn geborgen werden, nachdem entwurzelte Bäume auf das Tragseil gestürzt waren.

Nach Angaben der Polizei waren im Gemeindegebiet von Fendels auf Grund starker Windböen zwei Lärchenbäume aus den Wurzeln gerissen worden. Sie fielen auf das Tragseil der Achter-Gondelbahn, die von Ried nach Fendels führt. Durch den Anprall der Bäume auf das Seil wurde die Bahn sofort gestoppt, weshalb die acht Personen in drei Gondeln eingeschlossen waren. Die Bergrettung führte die Bergung von sechs Personen aus zwei Gondeln durch. Zwei Personen wurden mittels Hubschrauberbergung aus einer Gondel geborgen. Verletzt wurde niemand.

Im Sellraintal (Bezirk Innsbruck-Land) löste Blitzschlag einen Waldbrand aus. Die Feuerwehr hatte die Flammen im Gemeindegebiet von Gries am Berg "Freihut" rasch unter Kontrolle.

(apa/red)

7.7.2006 12:26