Rotes Kreuz plant Werbe-Kampagne: 2.000 Zivildiener fehlen bei Trägerorganisationen
- Alternative würde jährlich 300 Millionen kosten
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Junger Mann starb vor sechs Wochen bei Unfall
Den Trägerorganisationen würden spätestens ab nächstem Jahr jährlich mindestens 2.000 Zivildiener fehlen, warnt der stellvertretende Generalsekretär des Roten Kreuz, Werner Kerschbaum. "Wir haben derzeit zwischen 10.000 und 11.000 Zivildiener im Jahr, durch die Verkürzung von zwölf auf neun Monate mit Anfang 2006 gehen uns mittelfristig mehr als 2.000 Zivildiener ab." Um diesen Mehrbedarf an Personal zu erhalten, regt Kerschbaum eine Werbekampagne ähnlich jener des Bundesheers für Soldaten an.
"Beim Roten Kreuz sind derzeit rund 4.000 Zivildiener tätig. Wenn ich den worst case nehme und sage, die 4.000 gibt es nicht mehr, fällt entweder diese Dienstleistung - die sind großteils im Krankentransport tätig - weg, oder die Länder müssen das fehlende Personal anstellen." Das würde aber teuer. Man müsse bedenken, dass eine Alternative zum Zivildienst jährlich mindestens 300 Millionen Euro Mehrkosten ausmachen würde. "Das wäre eine Verteuerung des Sozialsystems. Natürlich geht es da auch um den Nebenschauplatz stiller Finanzausgleich. Das Innenministerium trägt die Kosten für die Zivildiener und die Früchte ernten großteils die Länder."
Werbekampagne soll Zivildiener locken
Den Trägerorganisationen und ihm als Vertreter des Roten Kreuzes gehe es aber um die Sicherstellung der Versorgung hilfsbedürftiger Menschen und nicht um politische Auseinandersetzungen: "Wie schaffen wir es, dass sich in einer Gesellschaft genügend Zivildiener für dieses soziale Engagement interessieren?" Mit einer Werbekampagne würde man natürlich in Konkurrenz zum Bundesheer treten. "Derzeit haben wir ein Potenzial von 35.000 jungen Leuten im Jahr, von denen rund 25.000 zum Heer und 10.000 zum Zivildienst gehen." Also gehe es darum, die "Attraktion des Zivildienstes zu steigern".
Kerschbaum kann sich vorstellen, dass das Innenministerium eine "Werbekampagne für Zivis startet, mit einer schönen Broschüre". Natürlich koste das auch Geld, "aber es muss ja nicht alles gleich zu großen finanziellen Eskapaden führen". Außerdem könnte die Zivildienstzeit auf Praktika angerechnet werden. "Ausgewählte Trägerorganisationen und das Innenministerium als Verantwortlicher sollten sich an einen Tisch setzen und über die notwendigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Leistung der Zivildiener für die Gesellschaft diskutieren."
Zuletzt hatte das niederösterreichische Rote Kreuz einen Hilferuf wegen zu wenig zugewiesener Zivildiener gestartet. Für den Zuweisungstermin im Juli seien der Institution statt der angeforderten 308 Männer nur 251 geschickt worden. Im Innenministerium hatte es dazu geheißen, dass "wir keine Zivildiener produzieren können". Das Ministerium sei aber bemüht, den Bedarf bestmöglich zu decken.
(apa)
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