Bahnfahren samt Sauerstoffflasche: China weiht höchstgelegene Linie der Welt ein
- Züge verkehren teilweise in über 5.000 Meter Höhe
- Ärzte fahren mit, um Höhenkrankheiten zu behandeln

Der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao hat am Samstag die neue Eisenbahnverbindung nach Tibet eingeweiht. Die 1142 Kilometer lange Bahnlinie von Golmud in der Provinz Qinghai nach Lhasa sei eine "große Errungenschaft", die der abgelegenen Region Wohlstand bringen werde, sagte Hu bei den vom staatlichen Fernsehen live übertragenen offiziellen Feierlichkeiten in Golmud. "Das Projekt ist nicht nur ein Meisterstück chinesischen Bahnbaus, sondern auch ein Wunder der Eisenbahngeschichte weltweit", betonte Hu bei der Verabschiedung des ersten Zuges. Die höchste Bahnstrecke der Welt führt über mehr als 5000 Meter hohe Pässe.
Das tibetische Exil-Oberhaupt, der Dalai Lama, hatte erklärt, das Bahnprojekt werde Pekings Herrschaft über Tibet zementieren. "Nationale Einheit", wie Chinas Kommunisten sie verstünden, bedeute den Verlust der tibetischen Kultur und Identität. Chinesische Truppen waren 1950/51 in den buddhistischen Klosterstaat einmarschiert und hatten 1959 den tibetischen Volksaufstand blutig niedergeschlagen. Der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, musste mit rund hunderttausend Landsleuten nach Indien fliehen.
Mit Sauerstoffgeräten bestückt
Die Bahnstrecke solle Tibet Wohlstand bringen und die ökonomische Entwicklung im westlichen China fördern, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Reise von Golmud in die tibetische Hauptstadt Lhasa dauert zwölf, von Peking aus 48 Stunden. Über 1956 Kilometer führt die Qinghai-Tibet-Trasse von der Provinzhauptstadt Xining durch das Kunlun- und Tanggula-Gebirge. Allein 960 Kilometer der Bahnstrecke liegen mehr als 4000 Meter über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt misst 5072 Meter, 255 Meter höher als die peruanische Andenbahn. Die Station Tanggula auf 5068 Meter ist der höchste Bahnhof der Welt. Da in dieser Gegend der Sauerstoffgehalt der Luft nur halb so hoch ist wie im Flachland, sind die Spezial-Waggons mit Sauerstoffgeräten bestückt. Ähnlich wie durch eine Klimaanlage wird Sauerstoff in die Kabinen geblasen. Wie im Flugzeug hat im Notfall jeder Passagier eine eigene Atemmaske. Ärzte fahren mit, um Patienten zu behandeln, die an Höhenkrankheit leiden.
Exil-Tibeter fürchten, dass die Eisenbahnlinie den Bevölkerungstransfer von Han-Chinesen weiter beschleunigt, und haben zu einem Boykott der Verbindung aufgerufen. Drei ausländische Mitglieder der Kampagne "Free Tibet" waren am Freitag auf dem Hauptbahnhof von Peking festgenommen worden, als sie ein Transparent mit Protestparolen entrollten. Die neue Bahnverbindung soll "Touristen, Händler und chinesische Siedler" anziehen, wie die englischsprachige Pekinger Zeitung "China Daily" schrieb.
(apa/red)
Syrien-Krise18:14
Obama ein Feigling?Wegschauen oder eingreifen? US-Präsident schweigt zum Massaker von Houla
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
