Donnerstag, 29. Juni 2006

Bei Kopfschmerzen kann Ernstes dahinter stecken: Gefahr wird jedoch oft unterschätzt

  • Migräne mit Aura kann Anzeichen für Thrombose sein
  • Gefürchteter Hirntumor kommt aber nur selten vor

Kopfschmerzen - fast jeder leidet gelegentlich darunter; aber nur selten wird bei derlei Beschwerden ein Arzt aufgesucht. Dabei sollte man die Gefahr keinesfalls unterschätzen: 95 Prozent aller Betroffenen weisen zwar verhältnismäßig harmlose Arten auf. - Der Rest kann aber mitunter gefährlich werden. Der meistbefürchtete Hirntumor stecke dabei allerdings in nur rund 0,1 Prozent der Fälle dahinter, so Christian Lampl vom AKH Linz, Abteilung für Neurologie und Psychiatrie. Die Migräne mit "Aura" könne aber ein Alarmsignal darstellen.

Eine junge Frau bekommt leichte, dumpf-drückende Kopfschmerzen, innerhalb einer Woche nehmen die Beschwerden stark zu. Der Hausarzt bemerkt eine erweiterte Pupille. Bei der Ankunft im Spital ist die Frau ansprechbar, verfällt dann aber Zusehens und stirbt wenige Tage nach Beginn des Kopfschmerzes an einer so genannten Sinusvenenthrombose. Mit solchen Extrembeispielen will Lampl, wie er sagt, eine Sensibilisierung bei den Apothekern herbeiführen, dass auch bei Kopfschmerzen "etwas sein kann". Gerade bei Kopfweh würden die Betroffenen zuerst zum Apotheker kommen.

Bei Kopfschmerzen ab zum Arzt!
Wesentlich für die Diagnose seien der Beginn und der zeitliche Verlauf der Beschwerden, so Lampl. Das Alter des Patienten, Qualität und Quantität der Schmerzen sowie Begleiterscheinungen müssen ebenso abgeklärt werden. So können ein plötzlicher, schlagartiger Beginn von Kopfweh u. a. auf eine Subarachnoidalblutung (Blut fließt in einen mit Hirnflüssigkeit gefüllten Raum um das Zentralnervensystem), eine Aufspaltung hirnversorgender Arterien, einen Glaukomanfall oder auch "ganz banal" auf eine Blutdruckkrise hinweisen.

Höheres Schlaganfallrisiko bei Migräne
Häufig tritt Migräne auf. "Wir kennen die herkömmliche Migräne und ich kann versichern, sie ist harmlos", erklärte Lampl. Es gebe aber Risikofaktoren wie u. a. Genetik, Aura oder Migränekomplikationen. Studien würden zeigen, dass wiederholte Migräneattacken mit einer visuellen Aura (Patienten sehen Blitze und Muster vor den Augen) zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen - "die graue Gehirnmasse schrumpft" - und somit vor allem bei Frauen zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko. Je nach Fall müsse mit Akut-Therapie oder Prophylaxe behandelt werden.

Intensität des Schmerzes sagt wenig über Gefahr aus
Die Intensität des Kopfwehs stehe keineswegs immer direkt proportional zur Größe der möglichen Gefahr, weiß der Mediziner. So kann ein Hirntumor unter Umständen kaum Kopfweh verursachen. Grundsätzlich sollten Zusatzuntersuchungen bei erstmaligen, nie gekannten oder untypischen bzw. neuen Kopfschmerzen und Therapieresistenz durchgeführt werden. Außerdem sollte jeder Patient mit chronischen Kopfschmerzen ebenso wie "Tumorphobie"-Betroffene einmalig tiefgehender untersucht werden. (APA/red)

29.6.2006 09:13