Freitag, 30. Juni 2006

Stärkstes Wirtschaftswachstum seit 2000: Wifo erhöht seine BIP-Prognose für 2006

  • Begünstigt durch Exporte, Investitionen, Konsum
  • 2007 dämpft schwächere deutsche Nachfrage

Österreichs Wirtschaft dürfte heuer so stark wachsen wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat die BIP-Prognose für 2006 von 2,4 auf 2,6 Prozent angehoben, das Institut für Höhere Studien (IHS) erwartet für heuer weiterhin 2,5 Prozent Plus. Im Vorjahr war Österreichs Wirtschaft um 1,8 Prozent expandiert.

2007 wird das Wachstum dann wieder abnehmen - vor allem wegen einer schwächere Nachfrage aus Deutschland durch die dortige Mehrwertsteuer-Erhöhung, die heuer noch zu Vorzieheffekten führt.

Im kommenden Jahr sieht das Wifo laut der am Freitag vorgelegten neuen Vorschau die heimische Wirtschaft um 2,1 Prozent wachsen, bei der Frühjahrs-Prognose im März waren es noch 2,0 Prozent gewesen. Das IHS glaubt weiterhin an 2,2 Prozent BIP-Plus im nächsten Jahr.

In einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote schlägt sich das heuer kräftigere Wirtschaftswachstum nicht analog nieder. Zwar dürfte laut IHS-Einschätzung die Quote nach nationaler Definition 2006 von 7,3 auf 6,9 Prozent zurückgehen, im nächsten Jahr aber dann auf diesem Niveau stagnieren. Auch das Wifo erwartet für heuer einen Rückgang in dieser Höhe, für 2007 dann 7,0 Prozent Arbeitslosigkeit.

Die Zahl der Arbeitssuchenden werde 2006 und 2007 ungefähr konstant bleiben, so das Wifo. Die Konjunkturbelebung reiche aus, um das stark wachsende Arbeitskräfteangebot zu absorbieren - aber nicht, um einen signifikanten Rückgang der Arbeitslosigkeit herbeizuführen.

Die heimische Inflationsrate dürfte 2006 und 2007 mit 1 3/4 Prozent relativ niedrig bleiben, schätzt das Wifo. Primär die höher als erwartet ausgefallenen Energiepreise seien dafür verantwortlich, dass sich die Geldentwertung zuletzt wieder leicht beschleunigt hat, so das IHS, das seine VPI-Prognose für heuer geringfügig auf 1,6 Prozent erhöht hat. Auch für 2007 sieht man 1,6 Prozent Preisanstieg. Das Wifo erwartet für 2007 nur mehr 1,8 statt 1,9 Prozent VPI-Plus.

Nach 1,5 Prozent gesamtstaatliches Defizit (laut Maastricht) erwartet das IHS für heuer ein Defizit von 1,8 Prozent des BIP. Für 2007 wird weiter davon ausgegangen, dass das im Stabilitätsprogramm angepeilte Defizit-Ziel von 0,8 Prozent erreicht werden kann. Dazu sei aber strikte Ausgabendisziplin nötig, so das IHS. Aus Sicht des Wifo dürfte das Defizit aller öffentlichen Haushalte 2006 bei 1,7 Prozent des BIP liegen. 2007 dürfte es infolge der günstigeren Konjunktur zurückgehen, "sofern die Ausgaben restriktiv gehandhabt werden und die Verwaltungsreform II zügig umgesetzt wird".

Den Ölpreis sehen Wifo und IHS weiter hoch. Das Wifo geht heuer und 2007 von jeweils 68 Dollar pro Fass aus, nach 50,3 Dollar im Vorjahr. Das Institut für Höhere Studien erwartet heuer 68 und dann 70 Dollar Ölpreis. Zweitrundeneffekte über Lohnerhöhungen löse der Anstieg der Ölpreise kaum aus, so das Wifo, allerdings stelle das Öl nach wie vor ein hohes Risiko für die Konjunkturprognose dar.

In den USA dürfte sich die Konjunktur bei hoher Dynamik abkühlen, wird erwartet. Nach 3,5 Prozent im Vorjahr sieht das Wifo dort heuer nur noch 3,3 und dann 3,0 Prozent. Die Weltwirtschaft werde 2006 und 2007 anhaltend kräftig wachsen, um 4,6 bzw. 4,4 Prozent. Die beiden Wachstumspole würden die USA und der asiatische Raum bleiben, wobei für China 9,5 und 9,0 Prozent Realwachstum gesehen werden. Das IHS erwartet für den Euroraum für 2006 ein Wachstum von 2 Prozent, danach 1 3/4 Prozent (Wifo: 2,1 bzw. 1,9 Prozent). Deutschland habe seine Wachstumskrise überwunden und könne heuer mit 2 Prozent und nächstes Jahr mit 1 1/2 Prozent wachsen (Wifo: 1,9 und 1,2 Prozent).

(apa)

30.6.2006 12:09