Pflegefall: FORMAT zeigt, wieviel der Staat zahlt und was private Assekuranzen leisten
- Gut aufgehoben: Tipps zur rechtzeitigen Vorsorge
- Staatliches Pflegegeld bis zu 1.562 pro Monat!
Jeder 20. Österreicher ist ein Pflegefall. Oft führt dies zum finanziellen Engpass für Pflegebedürftige und Angehörige. Wie viel zahlt der Staat im Pflegefall und was leisten private Assekuranzen? FORMAT zeigt, wie Sie sich Pflege leisten können.
Nach einem Schlaganfall ist Anita Schneider schlecht auf den Beinen. Kochen, Einkaufen und Hausarbeit sind für die 83-jährige Frau unmöglich geworden. Sie nimmt daher Hilfe in Anspruch. Die Wienerin bezieht 1.100 Euro Rente. Als staatliches Pflegegeld erhält sie 273 Euro. Damit stehen ihr 1.373 Euro pro Monat zur Verfügung. Diesen Einkünften stehen aber deutlich höhere Ausgaben gegenüber: Für Pflege-und Besuchsdienst (78 Stunden im Monat) bezahlt sie 1.100 Euro, Medikamente kosten 40 Euro, Essen auf Rädern 210 Euro, die Miete mit Strom und Heizung sowie sonstige Ausgaben betragen 700 Euro. Sind in Summe 2.050 Euro, was zu einem monatlichen Fehlbetrag von 677 Euro führt, den sie von ihrem Sparbuch begleicht. "Vor fünf Jahren hatte ich noch ein erkleckliches Vermögen. Das zergeht aber wie gerade das Eis in der Hitze", sagt die ehemalige Kauffrau.
Große Spanne im Pflegegeld
In Österreich beziehen 317.661 Menschen Pflegegeld. Seit Einführung des Pflegegeldes im Jahr 1993 stieg die Zahl der Pflegebedürftigen um 38 Prozent. Das Pflegegeld reicht - je nach gesundheitlicher Beeinträchtigung - von 148 bis 1.562 Euro pro Monat. Der Staat bringt dafür jährlich 1,8 Milliarden Euro auf. Laut demografischen Berechnungen wird es 2020 um 500.000 mehr Menschen über 60 Jahre geben als jetzt. Die steigende Lebenserwartung wird die Gesundheitsausgaben bis 2050 mehr als verdoppeln. Die private Vorsorge wird daher immer wichtiger. FORMAT zeigt, was Sie vom Staat erwarten können und was private Vorsorge kostet.
Jeder Pflegebedürftige kann einen Zuschuss vom Staat beantragen. Die Höhe des Pflegegeldes richtet sich nach dem Grad der Behinderung. Es gibt insgesamt sieben Stufen. Der maximal ausbezahlte Betrag macht in der Stufe sieben monatlich 1.562 Euro aus. Diese Summe gilt für Patienten, deren Gesundheitszustand so schlecht ist, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Bewegungen selbst zu steuern. Sie benötigen für Betreuung zumindest 180 Stunden pro Monat. Eine Pflegerstunde kostet etwa 18 Euro. Daher würde eine derartige Pflege schon 3.240 Euro ausmachen; das sind um 1.678 Euro mehr, als der Staat zu zahlen bereit ist. Johannes Rudda, Pflegegeld-Experte des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger: "Es ist gesetzlich so gewollt, dass nur ein Teil der Betreuungskosten durch das Pflegegeld abgedeckt wird." Daher wird die private Pflegevorsorge immer wichtiger. Doch die steckt noch in den Kinderschuhen. Nur 20.000 Österreicher haben eine Pflegegeld-Versicherung. In Österreich gibt es lediglich vier Anbieter für derartige Produkte.
Die attraktivsten Angebote
* Frauen zahlen immer mehr als Männer - für denselben Schutz. Und je nach Alter steigen die Prämien im Alter sprunghaft an. Ab drei Euro pro Monat bekommt ein siebenjähriges Kind ein umfassendes Leistungspaket. Ein 50-Jähriger zahlt bereits bis zu 200 Euro im Monat für denselben Schutz.
* Achten Sie beim Abschluss darauf, dass Ihre Versicherung sich bei der Beurteilung Ihrer Beeinträchtigung nach den Pflegegesetz-Stufen richtet. Denn die öffentliche Hand steht in dem Ruf, freizügiger als private Rechner zu sein. In Österreich teilt nur die Uniqa nach eigenen Kriterien ein.
* Wichtig ist zu klären, wie im Leistungsfall ausbezahlt werden soll. Die Uniqa richtet sich nach den tatsächlichen Kosten und begleicht 80 Prozent (höchstens 1.238 Euro) davon, alle anderen zahlen pauschal.
* In den meisten Fällen dauert die Pflegebedürftigkeit mehrere Jahre an - im Schnitt sechs Jahre. Deshalb gibt es eigene Langzeitangebote. Bei der Uniqa ist dies bei frühem Einstieg recht günstig möglich. Ein unter 25-jähriger Mann erhält ab 17 Euro Monatsprämie eine ausreichend dotierte Polizze. Dabei besteht im Leistungsfall die Wahlmöglichkeit zwischen Pflegeheim oder der Betreuung zuhause durch Angehörige (sie bekommen 619 Euro).
* Oft ist die Pflegebedürftigkeit von kürzerer Dauer; etwa nach einer Operation. Generali und Uniqa decken mit der Langzeitvariante als Einzige auch vorübergehende Pflegebedürftigkeit ab. Die Monatsprämie beträgt bei Uniqa zwischen 2,80 Euro und 16,80 Euro. Beim Generali-Produkt BestCare können in zwei Jahren 60 Pflegetage beansprucht werden. Wer in dieser Zeit einen Schutz braucht, erhält 100 Euro pro Tag.
* Bevor die Versicherung zahlt, müssen Wartezeiten (gilt nicht bei Unfällen) ausgesessen werden. Die Fristen reichen von null Monaten (Städtische) über drei Monate (Uniqa und Oberösterreichische Versicherung) bis zu einem Jahr (Generali).
* Achten Sie darauf, dass im Vertrag eine Prämienfreistellung bei Pflegebedürftigkeit fixiert ist. Nur bei der Generali ist diese Klausel nicht vorgesehen - ist aber verhandelbar.
* Viele Anbieter ohne eigene Pflegeversicherung bieten Pflegeleistungen in Unfall-, Lebens-oder Krankenversicherung an. So kann der Inhaber einer Lebensversicherung bei der Wiener Städtischen für neun Euro monatlich eine vorübergehende Pflegeversicherung abschließen. Die Städtische bietet auch einen Langzeitschutz. Mit dem "Extra-Pflegegeld" kann das staatliche Pflegegeld um bis zu 200 Prozent erhöht werden. Beispiel: Eine 45-jährige Frau möchte ihr staatliches Pflegegeld verdoppeln. Das kostet sie 37 Euro an Prämie pro Monat. Männer zahlen 28 Euro.
Pflegegeld vom Staat: Zuschuss von bis zu 1.562 pro Monat
Die Höhe des Pflegegeldes ist vom Grad der körperlichen und geistigen Beeinträchtigung abhängig. Zumeist deckt der staatliche Zuschuss nur einen Teil der tatsächlichen Pflegekosten ab.
| Stufe | Betreuung | Geld/Monat |
| 1 | ab 50 Stunden | 148,30 |
| 2 | ab 75 Stunden | 273,40 |
| 3 | ab 120 Stunden | 421,80 |
| 4 | ab 160 Stunden | 632,70 |
| 5 | ab 180 Stunden | 859,30 |
| 6 | ab 180 Stunden1 | 1.171,70 |
| 7 | ab 180 Stunden2 | 1.562,10 |
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