Samstag, 1. Juli 2006

Anschlag in Bagdad: Autobombe mitten auf Markt tötet mindestens 66 Menschen

  • Rund ein Dutzend Fahrzeuge bei Explosion beschädigt
  • Einige Geschäfte fingen Feuer: Rund 100 Verletzte

Bei einem Bombenanschlag in unmittelbarer Nähe eines belebten Marktes in einem schiitischen Stadtviertel Bagdads sind am Samstag im Irak mindestens 66 Menschen ums Leben gekommen. Knapp hundert Menschen wurden verletzt, als die Autobombe am Morgen im Stadtteil Sadr City explodierte, wie die Polizei mitteilte. Die Opfer seien überwiegend Zivilisten. Durch die Wucht der Explosion wurden mehr als 20 Fahrzeuge zerstört und zahlreiche umliegende Gebäude beschädigt. Im Osten der Stadt kamen bei einem weiteren Anschlag drei Polizisten ums Leben. In einem spektakulären Überfall wurden eine sunnitische Parlamentsabgeordnete und acht Leibwächter entführt.

Knapp vier Stunden nach der Explosion sprach die Polizei von 66 Toten und 98 Verletzten. Nach Angaben von Sicherheitskräften zielte die Bombe auf eine Polizeipatrouille, traf aber hauptsächlich Zivilisten. Wie Augenzeugen am Al-Oula-Markt berichteten, explodierte gegen 10.00 Uhr (08.00 MESZ) ein mit Sprengstoff beladener Lkw nur wenige Meter von den Obst- und Gemüseständen entfernt. Widersprüchliche Angaben gab es darüber, ob das Fahrzeug dort abgestellt war oder von einem Selbstmordattentäter gelenkt wurde. Zahlreiche Krankenwagen, Feuerwehr- und Privatfahrzeuge brachten die Opfer in Krankenhäuser.

Die Anwesenheit von Anhängern der Miliz "Mahdi-Armee" des radikalen Schiitenpredigers Muktada al-Sadr erhöhte zusätzlich die Spannung am Ort des Anschlags. Ein Milizionär warf der irakische Armee und dem US-Militär vor, nichts zu tun, um die Anschläge zu verhindern. Seit 14. Juni patrouillieren rund 50.000 US-Soldaten und irakische Sicherheitskräfte in der Hauptstadt. Die Gewalt konnten sie jedoch nicht stoppen. Ein Beamter des Innenministeriums machte im staatlichen Fernsehen die sunnitischen Aufständischen für das Attentat verantwortlich. Er forderte für die Sicherheitskräfte elektronische Systeme zur Ausschaltung von ferngesteuerten Sprengsätzen.

Die sunnitische Parlamentsabgeordnete Taizeer Naja Awad al-Majhadani wurde auf der Fahrt nach Bagdad von Bewaffneten entführt. Wie ein sunnitischer Vertreter mitteilte, wurden die Politikerin und ihre Bewacher an einer Kreuzung im Norden der Hauptstadt gestoppt.

Die US-Armee hat inzwischen besorgt auf Berichte über ein weiteres schweres Vergehen ihrer Soldaten im Irak reagiert. Nach eigenen Angaben vom Freitag ermittelt sie gegen mindestens zwei Soldaten, die im März vier Mitglieder einer irakischen Familie in deren Haus in Mahmudiya südlich von Bagdad umgebracht haben sollen. Eines der Opfer sollen sie zuvor vergewaltigt haben.
(apa/red)

1.7.2006 13:11