Freitag, 30. Juni 2006

Neues Bin Laden-Video aufgetaucht: Terror-Pate würdigt getöteten 'Märtyrer al-Zarqawi'

  • Iraks Ex-Terrorboss als 'Löwe des Heiligen Krieges'
  • USA sehen keinen Grund, an Echtheit zu zweifeln

Al-Kaida-Chef Osama bin Laden hat sich erstmals zur Tötung seines irakischen Stellvertreters Abu Musab al-Zarqawi zu Wort gemeldet. In einer im Internet verbreiteten Botschaft warnte er US-Präsident George W. Bush davor, sich zu sehr über diesen Erfolg seiner Armee zu freuen. Er werde im Irak, in Afghanistan, Somalia und Sudan den Kampf gegen die USA und ihre Verbündeten so lange fortsetzen, bis deren finanzielle Ressourcen erschöpft und ihre Kämpfer tot seien.

"Nach einer technischen Analyse des Tonbands geht die CIA davon aus, dass dies die Stimme von Osama bin Laden ist", sagte ein Sprecher. Die USA haben für die Ergreifung Bin Ladens ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (knapp 20 Millionen Euro) ausgesetzt. Die gleiche Summe war für Zarqawis Ergreifung ausgeschrieben. Es ist damit das vierte Mal in diesem Jahr, dass sich der Al-Kaida-Chef mit einem Tonband an die Öffentlichkeit wendet. Die letzte Videoaufnahme liegt mehr als eineinhalb Jahre zurück.

"Der Löwe des Heiligen Krieges, Abu Musab al-Zarqawi wurde bei einem US-Angriff getötet. Wir hoffen, Gott nimmt ihn als Märtyrer auf." Mit diesen Worten leitet Bin Laden sein Loblied auf den Extremisten ein, den die US-Armee am 8. Juni bei einem Angriff in einer Rebellen-Hochburg nördlich von Bagdad getötet hat. Die Stimme ähnelt sehr der in bisherigen Veröffentlichungen.

An die Adresse von Bush gerichtet setzt der Al-Kaida-Chef dann hinzu: "Freuen Sie sich nicht zu sehr darüber. Unsere Fahne (im Irak) wurde nicht eingeholt. Sie wurde von dem einen Löwen des Islam weitergegeben an den anderen Löwen des Islam." Als Nachfolger Zarqawis, den Bin Laden einmal als seinen Prinzen im Irak bezeichnet hat, nannte die Extremisten-Gruppe den relativ unbekannten Abu Hamsa al-Muhajir. Möglicherweise handelt es sich dabei Experten zufolge aber um ein Pseudonym, das die Deckung des Extremisten verstärken soll.

"Wir werden unseren Kampf gegen Sie und Ihre Verbündeten, so Gott will, überall fortsetzen, im Irak, in Afghanistan, in Somalia und im Sudan. Bis all Euer Geld verschwendet ist und Eure Männer getötet sind und Ihr geschlagen in Eure Länder zurückkehrt, so wie wir Euch in Somalia geschlagen haben." Das kriegszerrüttete Somalia gilt als Hochburg der Al-Kaida in Afrika. Im Sudan wehrt sich die Regierung gegen ein Eingreifen internationaler Friedenstruppen in den Konflikt im Westen des Landes, wo arabische Milizen einen Völkermord zu verüben drohten.

Bin Laden nutzt die Gelegenheit aber auch dazu, sich für eine Freigabe der Leiche Zarqawis einzusetzen. Die US-Truppen sollten den Leichnam Zarqawis dessen jordanischer Familie übergeben und der jordanische König Abdullah solle eine Beerdigung des Kämpfers in dessen Heimatstadt erlauben, fordert er. Abdullah habe "verhindert, dass Abu Musab lebendig in sein Land zurückkehrt", sagt Bin Laden. "Was Sie nun nach seinem Tod in Angst versetzt, ist, dass seine Beerdigung riesig werden und zeigen würde, wie groß die Unterstützung der Moslems für die Mujaheddin ist."

Zarqawi war in seinem Heimatland mehrfach zum Tode verurteilt worden. Am Anfang seiner Extremisten-Karriere hatte er versucht, das Königshaus zu stürzen.

Die bisher letzte Bin Laden zugeschriebene Tonaufnahme wurde im vergangenen Monat veröffentlicht. Darin bezichtigte sich der Al-Kaida-Chef als Drahtzieher der in den USA verübten Anschläge vom 11. September 2001. (apa)

30.6.2006 17:39