Freitag, 30. Juni 2006

Brenner-Basistunnel: Spatenstich für
längsten Eisenbahntunnel der Welt erfolgt

  • Soll 2015 fertiggestellt & insgesamt 63 km lang sein
  • Fahrtzeit Innsbruck-Bozen dann nur mehr 50 Minuten!

Mit einem Großaufgebot an Politikern vor allem aus der Region rund um den Brennerpass und aus Österreich ist am Freitag wenige Stunden vor dem Ende der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft der Spatenstich für eines der größten europäischen Infrastrukturprojekte - den Brenner-Basistunnel (BBT) - begangen worden. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nannte beim Festakt am Brenner die Umsetzung der Alpenkonvention als "wichtigen zweiten Schritt". Vertreter Italiens stellten die Unterzeichnung des Verkehrsprotokolls durch Rom in Aussicht, die erst vor wenigen Wochen wieder verschoben worden war.

Mit dem Sondierungstollen würde eine Weiche für die nächsten Jahrhunderte gestellt, sagte Schüssel. Es wäre "unseriös" zu behaupten, dass der Verkehr in dieser Region durch das Bauwerk weniger würde. Aber die Zuwächse könnten damit auf die Bahn verlagert werden.

Der stellvertretende Transportminister Italiens, Cesare De Piccoli, (er war der ranghöchste Vertreter Italiens, Ministerpräsident Romano Prodi und mehrere Minister hatten sich kurzfristig entschuldigt; Anm.) betonte, dass Italien das Verkehrsprotokoll zur Alpenkonvention unterzeichnen werde. Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach zeigte sich von dieser Ratifizierung überzeugt. Ihm sei versichert worden, dass dies in den nächsten Wochen erfolgen werde.

Der EU-Koordinator für das Projekt, der frühere Verkehrskommissar Karel van Miert betonte, dass der Brennerbasistunnel "keine Kathedrale in der Wüste" sein werde. Das Vorhaben sei auch ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit zwischen zwei Staaten und mehreren Ländern einer Region und damit ein europäisches Projekt.

Durchaus kritisch könnte man die Worte zur Segnung durch den Bozner Diözesanbischof Wilhelm Egger verstehen. "Wir bitten Gott um Segen, damit das Projekt nicht zum Fluch für die Bevölkerung wird", meinte er, "dieses Werk kann auch zu einem Segen werden".

Der BBT wird mit 63 Kilometern - inklusive der Innsbruck-Umfahrung - der längste Eisenbahntunnel der Welt. Das zwischen Österreich und Italien vereinbarte Ziel ist die Fertigstellung im Jahr 2015. Ein Jahr später soll der BBT in Betrieb gehen. Die reinen Baukosten wurden mit 4,5 Mrd. Euro angegeben, inklusive Finanzierungskosten sollen es rund acht Mrd. Euro sein. Dazu kommen noch die Ausgaben für die Zubringerstrecken. Mit dem Projekt wird die Hoffnung verbunden, den Gütertransitverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern zu können.

Der Brenner-Basistunnel ist das erstgereihte von 30 vorrangigen Projekten des Trans-European Transport Network-Programmes (TEN) der Europäischen Union. Er wird Innsbruck mit Franzensfeste in Italien verbinden und stellt somit einen wesentlichen Bestandteil der insgesamt etwa 2.200 Kilometer langen Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsachse Berlin-München-Verona-Bologna-Palermo dar. 31 Kilometer befinden sich auf österreichischem Staatsgebiet, 24 Kilometer auf italienischem Boden. Dazu kommen rund acht Kilometer Tunnelstrecke der bestehenden Umfahrung Innsbruck, wodurch sich die Gesamtlänge auf 63 Kilometer erstreckt.

(APA/red)

30.6.2006 14:36