Freitag, 23. Juni 2006

Psychotherapie hilft unfruchtbaren Frauen:
Schwangerschaft bleibt oft wegen Stress aus

  • Häufig ist selbst auferlegter Perfektionismus schuld
  • Therapie verhalf Großteil zu einem normalen Zyklus

Eine psychotherapeutische Behandlung kann laut einer vor Experten in Prag vorgestellten Studie Frauen zur Schwangerschaft verhelfen, die wegen ihres stressigen Lebens unfruchtbar sind. Die US-Gynäkologin Sara Berga von der Emory Universität in Atlanta entdeckte bei 16 Frauen, die seit mehr als einem halben Jahr keinen Eisprung mehr hatten, eine gesteigerte Dosis des Stress- und Depressionshormons Cortisol in der Rückenmarksflüssigkeit, wie sie bei einem Kongress in Prag erläuterte.

Es stellte sich heraus, dass ein Teil der Frauen unter Stress durch selbst auferlegten Perfektionismus in Haushalt oder Beruf litt. Andere fühlten sich überbeansprucht durch die Anforderungen ihres Alltags. Alle 16 litten an einer Form von Unfruchtbarkeit, die durch das Fehlen eines Hormons ausgelöst wird, ohne das der Eisprung ausbleibt.

Therapie zeigt bei meisten Frauen Wirkung
Nach der Feststellung der Cortisol-Werte teilte Berga die Frauen nach Zufallsprinzipien in zwei Gruppen. Die eine wurde 20 Wochen lang mit einer Verhaltenstherapie behandelt, die zweite lediglich beobachtet. Bei 80 Prozent der behandelten Frauen stellte sich wieder ein Eisprung ein, bei den Unbehandelten waren es nur 25 Prozent. In der ersten Gruppe hatten anschließend wieder sechs Frauen einen normalen Zyklus, eine zeigte Anzeichen. Binnen zwei Monaten waren zwei der sechs Frauen schwanger. In der unbehandelten Gruppe hatte lediglich eine Frau einen Eisprung, eine zeigte Anzeichen.

Psychotherapie günstiger als Hormonbehandlung
Die Studie zeige, wie wichtig Lebensumstände für die Gesundheit und vor allem für die Zeugungsfähigkeit seien, betonte Berga. Bei stressbedingten Ursachen der Unfruchtbarkeit reiche es nicht aus, sich auf Ursachen im Stoffwechselsystem zu konzentrieren. Die konventionelle Hormonbehandlung bringe zudem hohe Kosten und körperliche Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme mit sich. (APA/red)

23.6.2006 11:32