Donnerstag, 22. Juni 2006

EXKLUSIV IN NEWS: Das geheime BAWAG- Dossier der Oesterreichischen Nationalbank!

  • Der vernichtende Prüfbericht der OeNB im Wortlaut
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Der geheime Bericht der Nationalbank-Prüfer rechnet mit Elsner & Co ab. Die brisante neue Spur: Wurden die BAWAG-Milliarden bewusst verschoben? NEWS präsentiert exklusiv das geheime BAWAG-Dossier: Der vernichtende Prüfbericht der Nationalbank im Wortlaut. Jetzt auf www.networld.at auch als Download!

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Angenommen, es war alles anders, völlig anders. Angenommen, es gab keine zufälligen Spekulationsverluste in der Karibik, keine sonstigen Verlustwidrigkeiten und erst recht keine ungeplanten Milliardenlöcher in den BAWAG-Bilanzen der vergangenen Jahre.

Gesetzt also den Fall: Alles war ausgetüftelt und nichts zufällig! Die BAWAG: kein Opfer widriger Weltmarktumstände - sondern das Ziel einer von langer Hand vorbereiteten Ausbeutung und systematischen Totalzerstörung! Wären diese Gedanken tatsächlich völlig abwegig? Zu absurd, um wahr zu sein?

Die zehn PrüferInnen der Bankenrevisionsabteilung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und der Finanzmarktaufsicht (FMA) stellen in ihrem allerjüngsten Prüfbericht (3. Mai 2006) über die "Sondergeschäfte" der BAWAG P.S.K. jedenfalls einen interessanten Gedanken in den Raum. Unter Punkt 45 dieses hochbrisanten Dokumentes vermerken sie nämlich: "Es stellte sich in diesem Zusammenhang die grundsätzliche Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass ein erfahrener Portfoliomanager wie Wolfgang Flöttl über Jahre hindurch jedes ihm anvertraute Geld in einen Totalverlust führt."

Verdacht: Malversationen
Tatsächlich ist es erstaunlich, dass die BAWAG dem in New York lebenden Investmentbanker Wolfgang Flöttl, Sohn eines ehemaligen BAWAG-Generaldirektors, 1995 Spekulationsgeld überantwortet, das keine drei Jahre später auf Dollar und Cent verzockt war.

"Totalverlust im Oktober 1998: 639 Millionen Dollar" (OeNB-Prüfbericht). Flöttl hatte mit dem Dollar gegen den Yen anspekuliert - und verloren.

Anstatt dieses Abenteuer sofort zu beenden, ließ sich BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner sofort wieder auf neue Geschäfte mit Flöttl ein. "Spezielle Investmentbeschränkungen wurden Flöttl dabei nicht auferlegt" (Punkt 9 OeNB-Prüfbericht).

Bis Ende 1998 war ein "Verlust von 758 Millionen Dollar eingetreten" (Bericht Punkt 17). Wohin dieses Geld verschwunden ist, kann bis heute niemand nachvollziehen. "Es kann daher nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob die Gelder tatsächlich verspekuliert worden sind oder ob sonstige Malversationen stattgefunden haben" (OeNB, Punkt 16).

Anstatt nun wenigstens die Reißleine zu ziehen, entschloss sich der "zu strengstem Stillschweigen - auch gegenüber dem Aufsichtsrat - verpflichtete" Vorstand, "Flöttl weitere 250 Millionen Dollar anzuvertrauen" (Punkt 20).

Das geschah "abermals in der Hoffnung auf einen sinkenden Yen-Kurs" - und wiederum wurde auch dieses Geld verspielt. Was aber tat BAWAG-General Elsner? "Weiters wurde Flöttl noch ein zusätzlicher Kredit im Ausmaß von rund 90 Millionen Dollar gewährt" - diesmal zu dem Zweck, dass dieses (kurze Zeit danach ebenfalls verschwundene) Geld "sicherstellen sollte, dass er - Flöttl - seine Firmen weiter betreiben konnte" (OeNB-Bericht Punkt 21).

In diesem Sinn ging es munter weiter. Flöttl bekam von der BAWAG Geld zum Ankauf eines Learjets - und die BAWAG sah diese 18 Millionen Dollar nie mehr wieder (Punkt 39). Nachdem 1999 das Obligo der BAWAG gegenüber Flöttl bereits auf 1.474 Millionen Euro (Punkt 38) angewachsen war, entschloss sich Elsner - und mit ihm ein Teil des Vorstandes -, diese aberwitzige Geldvernichtung auch im Jahr 2000 fortzusetzen. In jenem Jahr investierte die BAWAG weitere 350 Millionen Euro und 83 Millionen Dollar in Flöttl - und verlor auch dieses Geld.

Anfang 2001 betrug das Gesamtobligo der BAWAG gegenüber Flöttl 1,9 Milliarden Euro. Laut Vorstandsprotokoll "erteilte GD Elsner allen Anwesenden die Weisung, nach allen Seiten Stillschweigen zu bewahren - ausdrücklich auch gegenüber dem Aufsichtsrat und den Aktionären, insbesondere auch gegenüber der Bayerischen Landesbank. Der Aufsichtsratsvorsitzende Weninger schloss sich dem Vorstandsbeschluss vollinhaltlich an" (OeNB-Bericht, Punkt 23).

Alles das kam den OeNB-Prüfern spanisch vor. "Es ist nicht auszuschließen, dass diese Beträge an Dritte geflossen sind" (Bericht, Punkt 35).

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22.6.2006 18:22