Wiens Da Vinci-Code: NEWS über das
sagenhafte Geheimnis des Stephansdoms
- Kryptologen rätseln über mystische Zahlensymbolik
- PLUS: BILDER der sagenumwobenen Codes im Steffl!
Freimaurer-Codes und kaiserliche Verstecke: Mit den Geheimnissen des Doms könnte ,Sakrileg'-Autor Dan Brown einen neuen Bestseller schreiben. NEWS bringt einen Rundgang durch den Wiener Stephansdom: Wo der Stein spricht.
Wenn Dompfarrer Anton Faber durch das Kirchenschiff von St. Stephan führt und mit einem Bein um sich zu treten beginnt, hat das nichts mit unfrommen Aggressionen zu tun. Der aufgeschlossene Kirchenmann präsentiert eines jener Bildrätsel des Doms, die Millionenautor Dan Brown wohl in seinen Romanen verwenden würde. Auf dem von Niklas Gerhaert van Leyden gestalteten Hochgrab für Friedrich III. ist der Monarch mit hochgestrecktem Bein dargestellt. Der hatte die Angewohnheit, Türen per Fußtritt - daher die gymnastischen Übungen des Pfarrers - zuzuwerfen, bis er sich da-bei ein Bein brach, das hernach dezimeterweise amputiert werden musste. So war es folglich früher im Himmel.
In Verbindung mit dem Tod birgt der Dom noch einiges: etwa die Grabplatte für Simon Paur, der laut Inschrift 1643 "meuchelmörderisch aus Neid erschossen" wurde. Wer er war und warum er so prominent platziert wurde, darüber rätselt Domarchivar Reinhard Gruber noch.
Unter der Erde in den Katakomben sucht man wiederum vergeblich nach sagenumwobenen Geheimgängen einer Gelddruckerei aus dem 19. Jahrhundert. Dafür gibt ein ausgestreckter Zeigefinger an der Decke zu denken. Zeigt er auf ein Grab? Steht er für eine Segnungsgeste? Der Zeigefinger soll auch ein Symbol der Freimaurer sein.
Freimaurer-Symbole
Hinweise auf die lange exkommunizierte Geheimgesellschaft finden sich schon am Riesentor. Das Tympanon zeigt Christus mit nacktem Knie.
Gruber: "Das könnte sich auf Rituale der Freimaurer beziehen. Immerhin sind im Riesentor auch ein Baumeister und ein Geselle der Dombauhütte dargestellt."
Das Wissen des Dombaus war ab dem 11. Jahrhundert - der Hochzeit des europäischen Kathedralenbaus - von hoch spezialisierten Mönchsbruderschaften auf Laienorganisationen übergangen. Diese tagten aus Konkurrenzgründen unter Geheimhaltung und gaben ihr Wissen nur mündlich weiter. Die Wiener Dombauhütte und Meister Anton Pilgram waren führend im deutschsprachigen Raum. (Ob er der "Fenstergucker" auf der Kanzel ist, wird heute übrigens angezweifelt.)
Als Ende des 16. Jahrhunderts der Dombau an Bedeutung verlor, wurden auch Laien in die Gesellschaften aufgenommen. Freimaurerlogen, wie wir sie heute kennen, entstanden erst im 18. Jahrhundert, doch sie berufen sich auf die geheimen Symbole der Dombaumeister.
Phallus am Domportal
An prominenter Stelle links und rechts des Riesentors sind ein Phallus-und ein Vaginasymbol in Stein gehauen. Für Dompfarrer Faber sind sie Zeichen, "dass wir alle als Mann und Frau hier willkommen sind, wiewohl wir eine Läuterung zum Guten brauchen". Domarchivar Gruber sieht dieses überraschende Dekor auch als Hinweis auf ein Fruchtbarkeitsheiligtum, das vor den ab dem 4. Jahrhundert nachweisbaren Kirchen hier gewesen sein dürfte. "Vielleicht wollte man dessen Macht durch die Anbringung dieser Symbole brechen."
Mit der römischen Vergangenheit hat man beim Kirchbau ebenfalls aufgeräumt: Römische Grabsteine wurden umgestürzt im Riesentor eingemauert. Hinter einem Greif auf der Westfassade wurde erst bei der letzten Restaurierung ein römischer Frauengrabstein entdeckt. Warum er dort versteckt ist, weiß man nicht.
Am Bischofstor, im heutigen Domshop, ist indes eine leere Nische, in der früher drei Tatermänner hinter Gittern standen. Sie waren wahrscheinlich heidnische Götter, vor deren Anbetung eine Inschrift warnt.
Rudolfs Geheimnisse
Einige Rätsel des Doms gehen schon auf dessen Stifter zurück. Am Bischofstor ließ er eine Geheimschrift anbringen. Sie ist entschlüsselt und verweist auf "Rudolf aus edlem Stamm, der Stifter". Unklar ist hingegen, was der ehrgeizige Herrscher mit der zugemauerten Tür in der Bartholomäuskapelle bezweckte. 1359 hatte er das Privilegium maius fälschen lassen, das dem österreichischen Herzog Sonderrechte zugestand. Nun wird angenommen, dass in dem abgemauerten Gang Insignien eines noch zu gründenden Reichs aufbewahrt werden sollten. In derselben Kapelle findet sich übrigens ein maurisches Symbol, und Rudolf ließ sich in mit Suren besticktem Brokat bestatten.
Gerätselt wird auch, ob auf dem hinter der Orgel verborgenen Fresko auf der Westempore Rudolf dargestellt ist, der als Kind mit einem Reich belehnt wird. Andere Deutungen halten den Knaben für den Neffen des letzten Babenbergers Friedrich.
Zahlen und Verschwörungen
Gestandene Kryptologen werden auch mit der Zahlensymbolik des Doms ihre Freude haben. Die himmlische Zahl 3, die Erden-Zahl 4, deren Summe 7 und 37 sind wichtige Maßzahlen des Doms. Dreimal 37 ergibt 111 - ein Symbol für die Dreifaltigkeit, denn eins steht für Gott. 111 Fuß ist der Dom breit, 333 Fuß ist er lang, 444 Fuß ist der Südturm hoch. Sieben mal sieben mal sieben Stufen führen zur Türmerstube des "Steffl", rechnet Gruber in seinem Buch "Der Stephansdom. Monument des Glaubens. Steingewordene Geschichte" (Pichler-Verlag) vor. Die Zahl 37 wird auch von Verschwörungstheoretikern benützt, die mit schwer verständlichen Alphabet-Zahlen-Zuordnungen eine Verbindung zwischen den Domen von Wien und Speyer, Beethoven-Sinfonien, dem World Trade Center und dem Heiligen Gral - aber auch zu den Worten Bundeskanzler und Barbie - herstellen.
Die ganze Story lesen Sie im aktuellen NEWS!










