Schwerer Start für Peek & Cloppenburg: FORMAT über Troubles im Immobilienmarkt
- Moderiese kaufte Objekt in Kärntnerstraße für 80 Mio.
- Langfristige und uralten Verträge gegen Neumieter

Der deutsche Modehändler P & C will in der neu erworbenen Immobilie in der Kärntner Straße einen Megastore eröffnen. Doch die Altmieter legen sich quer.
Die Expansionsmanager des deutschen Moderiesen Peek & Cloppenburg (P & C) hatten sich ihren Antritt in der Wiener City einfacher vorgestellt. Der prominente Filialist, der auch in der Wiener Mariahilfer Straße und in der SCS erfolgreiche Einkaufstempel betreibt, hat im Juni um geschätzte achtzig Millionen Euro von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) den Block Kärntner Straße 29-31 erworben. P & C will dort in gewohnter Manier einen Megastore mit Topmarken wie Boss, Armani und Co sowie preiswerten Eigenmarken wie McNeal errichten.
Das Problem: In der neu erworbenen Immobilie sind Kaufleute mit langfristigen und teils uralten Verträgen eingemietet, und die machen P & C jetzt das Leben schwer. Ein Großmieter, das Altwiener Einrichtungshaus Backhausen, hat zwar das Feld geräumt, doch der frei gewordene Platz würde gerade für eine größere Boutique reichen. Will P & C sein geplantes Raumkonzept durchziehen, müssen auch die anderen Mieter, darunter D'Ambrosio, Wolford, Sisley, United Chocolate oder Resi Hammerer, ausziehen. Doch die sträuben sich.
Muzicant recherchiert
P & C hat nun den Wiener Immobilienspezialisten Ariel Muzicant (Collier Columbus Immobilien) mit den Verhandlungen beauftragt, doch die Karten sind denkbar schlecht. Die Mieter zahlen für ihre zwei Stockwerke mit je sechzig Quadratmeter großen Läden rund 5.000 Euro Miete, und damit weniger als die Hälfte des an dieser Adresse marktüblichen Zinses. Muzicant hat fette Ablösen von 2 bis 2,5 Millionen Euro im Talon und bietet Ausweichlokale in derselben Straße an. Doch das Spiel läuft trotzdem nicht gut.
Die meisten Mieter haben für die Geschäfte im einstigen BIG-Gebäude Ablösen bezahlt, die sie nun verlieren würden. Zudem würden sie in den Ausweichlokalen deutlich höhere Mieten zahlen. "Ich denke nicht daran, mein Geschäft aufzugeben", meint etwa Schuhhändler Cesare D'Ambrosio. "So hoch kann die Ablöse gar nicht sein."
Andere Ladenbetreiber wollen sich Muzicants Angebote zumindest anhören. "Es gibt Gespräche", sagt Gabriele Gärner, Geschäftsführerin des seit 1958 an der Adresse firmierenden Modegeschäftes Resi Hammerer, "aber ihr Ausgang ist noch völlig offen."
Das Kalkül der widerspenstigen Einzelhändler: P & C will das Haus unbedingt leer bekommen und muss daher tief in die Tasche greifen. 3,5 Millionen Euro werden als interessante Ablöse genannt, was den ursprünglichen Kaufpreis für Peek & Cloppenburg in Summe um mehr als ein Viertel nach oben treiben würde.
"Beim Kauf des Gebäudes gab es keine Möglichkeit, über den Bestand an Altmietern zu diskutieren", meint Muzicant. "Peek & Cloppenburg konnte nur kaufen oder nicht."
Erpressen lassen will sich der routinierte Immobilienmakler, der es einst auch geschafft hat, aus dem Haas-Haus 17 Mieter abzusiedeln, aber trotzdem nicht. "Mehrere Einigungen sind schon unter Dach und Fach", berichtet er. "Peek & Cloppenburg kann auch bauen, wenn einzelne Mieter bleiben. Für die bestünde aber das Problem, dass sie zwei Jahre lang von einer Baustelle umgeben wären."
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