Freitag, 23. Juni 2006

Cash nach dem Crash: NEWS über die Wiener Börse nach dem großen Kursgewitter

  • Zinsen-und Inflationsängste als Auslöser des Crashs
  • PLUS: Aktienempfehlungen von Top-Börsenexperten

Nach dem Ende des Börsengewitters zeigen sich erste Sonnenstrahlen am Aktienhimmel der Wiener Börse. Kluge Anleger sollten das niedrige Kursniveau nun zum Einstieg nützen.

Bis zum 8. Mai 2006 zählte die Wiener Börse zu den international erfolgreichsten Top-Playern. Anleger, die am Wiener Börsenplatz investierten, erzielten mit Austro-Aktien höhere Gewinne als in Frankfurt, Tokio oder in New York. Der Wiener Leitindex ATX legte bis zu diesem Zeitpunkt im Jahresvergleich um 55 Prozent auf 4.344 Punkte zu.

Heftiger Crash der internationalen Börsen. Doch in den vergangenen Wochen wurden die Investoren unsanft auf den Boden der Realität zurückgeholt. Der ATX verlor - wie viele Boombörsen - 20 Prozent innerhalb von sechs Wochen. Einzelne Aktien mussten gar Kursverluste von bis zu 50 Prozent verzeichnen. "Die Korrektur war notwendig geworden. Die Börse ist keine Einbahnstraße. Aber fundamental hat sich nichts verändert", so der Leiter der Erste-Bank-Aktienanalyse, Friedrich Mostböck. Die heftige Reaktion ist nicht überraschend, immerhin profitierte Wien in guten Zeiten stärker vom Boom der Ostbörsen als alle anderen Börsen Europas. Börsenchef Heinrich Schaller sieht die Entwicklung nicht tragisch: "Es handelt sich aus unserer Sicht um eine erwartete, notwendige Korrektur. Trotz jüngster Kursrückgänge ist der ATX seit 2001 um 240 Prozent gestiegen."

Zinsen-und Inflationsängste als Auslöser
Die Ursachen für den Börsencrash liegen vor allem im steigenden Zinsniveau sowie in den sich weltweit verstärkenden Inflationsängsten. "Wir haben eine solche Korrektur befürchtet und waren zuletzt bereits vorsichtiger positioniert. Das Ausmaß und das Tempo haben jedoch auch uns überrascht", gesteht Raiffeisen-Capital-Management-Boss Mathias Bauer. Vor allem internationale Investoren verabschiedeten sich allzu rasch aus den Ostmärkten und der Wiener Börse. "Natürlich haben auch Gewinnmitnahmen eine Rolle gespielt. Viele Anleger haben Kassa gemacht", ergänzt Capital-Invest-Aktienchef Paul Severin.

Maßgeblich verstärkt wurde diese Abwärtsbewegung durch die vielen Garantieprodukte, die mit Aktien der Wiener Börse bislang Traumrenditen erwirtschafteten. Denn in Zeiten fallender Kurse schichten die Fondsmanager bei diesen Produkten verstärkt von Aktien in Anleihen um, was die Abwärtsspirale beschleunigt. "Wenn alle zur selben Zeit bei derselben Türe hinaus wollen, ist das Ergebnis ein Chaos", bringt es Bauer auf den Punkt.

Kursniveau bietet Chance zum Einstieg
Für alle vom Kursgemetzel geschockten Anleger gibt es aber auch gute Nachrichten: Trotz der massiven Rückgänge bleibt der Aktienmarkt attraktiv. Allerdings "ist der Einstieg jetzt noch nicht ideal, aber ein regelmäßiger Zukauf etwa mittels Sparplans ist gerade richtig", rät Bauer.

Bestehende Aktionäre hingegen sollten nicht in Panik geraten und ihre Papiere mit Verlusten abstoßen, empfiehlt BA-CA-Aktienchef Alfred Reisenberger: "Der investierte Anleger sollte in Qualitätsaktien auf alle Fälle investiert bleiben und Risikoaktien sowie teure Aktien in den steigenden Markt hinein verkaufen."

Damit auch Sie vom Aktienboom profitieren, hat NEWS die besten Aktienempfehlungen von den Top-Börsenexperten eingeholt. Sie verraten, wo Investoren nach der Konsolidierungsphase wieder einsteigen sollen. Joachim Brunner von ir-world.com: "Der Markt ist selektiv noch interessant. Das heißt, die Chance liegt im Stockpicking." Unter den besten 20 Tipps mit dem chancenreichsten Kurspotenzial findet sich das Who's who des Wiener Kurszettels (siehe Tabellen). Bei den Analysten hoch im Kurs stehen dabei heimische Top-Player wie die Erste Bank, die OMV und die Edelstahlschmiede Böhler-Uddeholm, denen in den nächsten Monaten Kurssteigerungen von bis zu 57 % zugetraut werden.

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23.6.2006 21:03