Mittwoch, 21. Juni 2006

Pharma-Ehe: Bayer & Schering gemeinsam
"internationales Spitzenunternehmen"

  • Größter deutscher Pharmahersteller & Nr. 10 der Welt
  • Wegen Aktien-Zwists Übernahme lange auf der Kippe

Der Übernahmekampf um Schering ist endgültig entschieden: Mit dem neuen Unternehmen Bayer Schering Pharma geht im September der größte deutsche Pharmahersteller und die Nummer zehn der Welt an den Start. Das gaben der Leverkusener Konzern Bayer und die Berliner Schering in Berlin bekannt. Zuvor hatte Bayer das Ergebnis seines Übernahmeangebots mitgeteilt: Demnach kontrolliert der Konzern 88 Prozent der Schering-Aktien. Bayer strebt allerdings eine hundertprozentige Übernahme an, die dann insgesamt 16,9 Mrd. Euro kosten würde. Bayer-Chef Werner Wenning forderte nach dem Kampf mit dem Konkurrenten Merck Nachbesserungen am deutschen Übernahmerecht.

Mit dem Zusammenschluss entstehe ein "internationales Spitzenunternehmen", sagte Wenning in Berlin. Mit einem Umsatz von neun Mrd. Euro pro Jahr werde es das größte der Branche in Deutschland sein. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung von Schering im September soll der neue Vorstand die Leitung von Bayer Schering Pharma mit Sitz in Berlin übernehmen. Chef soll der Leiter der Bayer-Gesundheitssparte, Arthur Higgins, werden. Aufsichtsvorsitzender wird Wenning, der bisherige Schering-Chef Hubertus Erlen sein Stellvertreter. Bayer produziert Schmerzmittel wie Aspirin und Antibiotika, Schering Verhütungsmittel und Medikamente gegen Multiple Sklerose. Beide Unternehmen betreiben zudem Krebsforschung.

Happy End nach Drama?
Die Übernahme ist die größte Transaktion in der Geschichte von Bayer - und war in den vergangenen Wochen zu einem Drama geworden: Konkurrent Merck hatte trotz des offiziellen Übernahmeangebots von Bayer für Schering tagelang Schering-Aktien an der Börse erworben und Bayer so letztlich gezwungen, ihm die Papiere zu einem höheren Preis wieder abzukaufen. Der Erfolg der Übernahme hatte deswegen auf der Kippe gestanden: Bayer musste selbst massiv am Markt aktiv werden und Schering-Papiere erwerben. 42 Prozent der Schering-Aktien wurden auf diese Weise erstanden, nur 46 Prozent im Rahmen des offiziellen Übernahmeangebots angedient. Alle verbliebenen Schering-Aktionäre haben nun noch einmal von Freitag bis zum 6. Juli Zeit, Bayer die Papiere für 89 Euro pro Stück zu verkaufen.

Ursprünglich hatte Bayer 86 Euro pro Aktie geboten, wegen der Einmischung von Merck dann aber aufstocken müssen. Die Übernahme verteuerte sich dadurch um mehrere hundert Mio. Euro. Wenning erklärte, wegen der Bedeutung des Geschäfts für Bayer seien die "Mehraufwendungen sicher gerechtfertigt". Letztlich würden die Zusatzausgaben durch die künftigen Gewinne ausgeglichen.

"Prinzip der Waffengleichheit"
Mit Blick auf den Kampf mit Merck forderte der Bayer-Chef den Gesetzgeber auf, das "Prinzip der Waffengleichheit" stärker in den entsprechenden Vorschriften zu verankern. "Während unser Vorgehen einem detaillierten Regelwerk folgen musste, konnte Merck in Konkurrenz zu uns weitgehend frei operieren. Hier besteht nach meiner Überzeugung Nachbesserungsbedarf", sagte Wenning weiter. Ähnlich hatten sich bereits vor einigen Tagen Experten geäußert.

Der Zusammenschluss gefährdet nach früheren Angaben von Wenning bis zu 6.000 Arbeitsplätze. Von der "Diskussion über den Abbau weiterer Arbeitsplätze" halte er aber nichts, sagte Wenning mit Blick auf jüngste Presseberichte am Mittwoch. Einzelheiten nannte er nicht. An der Börse überwog Zustimmung zu dem Geschäft: Die Bayer-Aktie lag am Mittag in Frankfurt trotz eines insgesamt rückläufigen Handels mit 32,82 Euro gut 0,3 Prozent im Plus. (APA/red)

21.6.2006 14:10