Freitag, 23. Juni 2006

'Il Fenomeno' ist wieder da: Ronaldo meldet sich mit Doppelpack gegen Japan zurück!

  • Mit WM-Toren 13 & 14 Rekord von Müller eingestellt
  • Sohn Ronald sah seinen Papa zum ersten Mal spielen

Titelverteidiger Brasilien, als bisher einziges Land bei allen 18 WM-Turnieren mit von der Partie, hat wie zuvor Gastgeber Deutschland und der EM-Zweite Portugal mit dem Maximum von neun Punkten das Achtelfinale erreicht. Was aber viel bemerkenswerter ist: Ronaldo zeigte der Fußball-Welt sein wahres Gesicht. Das 4:1 gegen Japan war überstrahlt vom Comeback von "Il Fenomeno". Der Stürmer gab auf dem Rasen mit zwei Toren den Kritikern eine deutliche Antwort.

Der 29-Jährige ließ die zuletzt immer heftiger gewordenen Diskussionen um seine körperliche Verfassung mit einem Doppelpack verstummen. Durch seine WM-Treffer Nummer 13 und 14 egalisierte Ronaldo den WM-Torrekord des legendären deutschen "Bombers" Gerd Müller. Und im Achtelfinale am Dienstag im größten deutschen WM-Stadion gegen Ghana hat er nun die Chance, bester Torjäger aller Endrunden-Zeiten zu werden. "Ich hatte das Ziel, Müllers Bestmarke zu schaffen und ich bin glücklich, es geschafft zu haben", meinte Ronaldo sichtlich erleichtert.

Lange Diskussionen um Gewicht
Wie war er doch nach den ersten zwei WM-Auftritten beschimpft worden. Zu dick, zu unbeweglich, zu langsam, eine Vorgabe sei er gewesen. Die Medien unter dem Zuckerhut forderten schon die Verbannung auf die Ersatzbank. Debattiert wurden nicht mehr seine Spielkünste, sondern sein Gewicht. Zum Beginn des Trainingscamps soll der Star noch fast 95 kg gewogen haben. Zuletzt wurde sein Gewicht mit 90,5 kg bei 1,83 m Größe angegeben.

Erleichterung bei "Il Fenomeno"
"Ich möchte mit meiner Familie feiern, mit meinen Freunden, mit meinem sechsjährigen Sohn Ronald, der gekommen ist, um das Spiel zu sehen. Es war übrigens das erste, das er gesehen hat", sagte Ronaldo mit sichtlichem Stolz. In den letzten Minuten, als Torhüter Dida ausgewechselt wurde, durfte das einstige "Sorgenkind" dann sogar die Kapitänsschleife tragen. Doch der WM-Torschützenkönig von 2002 dachte nicht nur an sich: "Ich habe mich von Spiel zu Spiel gesteigert, aber jetzt müssen wir konzentriert weiterarbeiten."

In der Stunde der Erlösung räumte der dreifache "Weltfußballer des Jahres" später freilich erstmals doch ein, dass er nicht zu Unrecht wegen seiner paar Kilo zu viel kritisiert worden war. "Nach 45 Tagen ohne Training bin ich in einem schlechteren körperlichen Zustand als meine Teamkollegen hier angekommen. Und ich wusste, dass ich mich sehr anstrengen musste, um das Niveau der anderen zu erreichen", meinte Ronaldo. Nun sei er viel besser drauf, er müsse aber noch einiges verbessern.

Zeitungen feiern altes Idol wieder
Die Zeitungen machen schon jetzt eine Kehrtwende und eine Verbeugung vor "Il Fenomeno", wie Ronaldo während seines Inter-Engagements in Mailand getauft wurde. "Ronaldos Rekord: Brasilien entdeckt, was für ein Schwergewicht er ist", schrieb "La Gazzetta dello Sport." Vor den Augen von Pele, mit dem ihm nicht unbedingt eine Freundschaft verbindet, überholte Ronaldo auch das brasilianische Idol (12 WM-Tore).

"Für mich hat die WM erst begonnen"
"Diese Tore geben mir Selbstvertrauen. Der Rekord ist eine Zugabe. Aber die Hauptzugabe muss noch kommen. Für mich hat die WM jetzt erst begonnen", meinte Ronaldo, der wie sein berühmter Landsmann Pele zum dritten Mal Weltmeister werden kann und dessen wichtigstes Wort im Leben "Geduld" ist. Einer der Leidtragenden seiner Geduld und Leistungsexplosion war am Donnerstag der "weiße Pele". "Er ist ein Kanonier. Er ist fantastisch", sagte Japans brasilianischer Teamchef Zico nach dem 1:4 in Dortmund.

(apa/red)

23.6.2006 13:42